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Hard- und Software | Veranstaltung | Elektrotechnik

Linuxtag 2009 - Linux und Open Source: Im Alltag angekommen

ep8/2009, 1 Seite

Freie Software ist schon lange kein Geheimtipp mehr und deren Einsatz in vielen Bereichen geradezu selbstverständlich. Die Nutzung von Linux und Open Source Software gehört inzwischen zum Alltag von Unternehmen und Institutionen. Einen Eindruck vom erreichten Arbeitsstand und den aktuellen Trends vermittelte der diesjährige Linuxtag in Berlin.


Mehr als 10000 Besucher Der Linuxtag ist zu einer festen Größe im Messegeschehen der Bundeshauptstadt geworden. Mit etwa 135 ausstellenden Firmen und Projekten konnte in diesem Jahr das Ergebnis von 2008 zwar nicht ganz erreicht werden, aber die Messe war trotz dieses Tributs an die Krise ein voller Erfolg. Mehr als 10000 Besucher sind ein Beweis für das ungebrochene Interesse an Linux und Open Source Software (OSS). Und hier und da konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass gerade wegen der aktuellen wirtschaftlichen Probleme das Interesse an freier Software zunimmt. Wie schon in den Vorjahren begleitete ein umfangreiches und zum größten Teil mit hochkarätigen Referenten besetztes Tagungsprogramm den Linuxtag 2009. Im Rahmen des Business-und Behördenkongresses wurden Themen wie Unternehmenskommunikation und Prozesse sowie Fallstudien diskutiert. Weitere Vortragsreihen behandelten Themen wie · Speicher und Netze · System- und Identity-Management · Virtualisierung und Hochverfügbarbarkeit · mobile und eingebettete Syste- · Unternehmens-Middleware · Distributionen · Systemadministration · Open Office · Sicherheit · KDE · Multimedia · Netbooks · Schule und Ausbildung · Geo-Informationssysteme · Verantwortung und Gesellschaft. Ausnahmslos alle Veranstaltungen waren gut besucht, und die Themenvielfalt machte einmal mehr deutlich, dass Open Source Software geradezu allgegenwärtig ist. Da erscheint es nicht verwunderlich, dass diese Messe trotz der Krise auch als Jobbörse genutzt wurde. Die Angebote der Firmen waren zwar nicht ganz so zahlreich wie im Vorjahr, aber dennoch unübersehbar. Verwaltung und Schulen Am Gemeinschaftsstand des Auswärtigen Amtes, der Stadt München, des Bundesamtes für Sicherheit in der IT (BSI) und weiterer Aussteller konnte sich der interessierte Besucher nicht nur über den erreichten Arbeitsstand bei der Umstellung auf OSS informieren, sondern hatte zudem Gelegenheit, manch nützliches Werkzeug mitzunehmen. Sicheres Surfen ermöglicht die auf der Knoppix-Distribution basierende Internet Security Surf-CD des BSI. Wer die Arbeit mit Formularen perfektionieren möchte, sollte sich einmal die im Rahmen des Münchener Linux-Projektes entwickelte Formularsoftware Wollmux näher anschauen. Bis zum Ende des Jahres will das Auswärtige Amt die Umstellung auf Linux und Open Source komplett realisiert haben. Dass diese Entwicklung nicht nur finanzielle Überlegungen vorantreiben, wurde allenthalben deutlich. Ausbildungseinrichtungen gehören zu den Pionieren des Einsatzes freier Software. In diesem Jahr war das Skolelinux-Projekt mit einem größeren Stand vertreten. Die aus Skandinavien stammende Distribution ist speziell für den Einsatz in Schulen konzipiert. Hier müssen Rechnernetze vor allem robust und leicht administrierbar sein. Zur Umsetzung der Client-Server-Architektur wurde daher die im Rahmen des x2go-Projektes entwickelte Software genutzt. X2go ermöglicht die Arbeit mit Thin Clients, erlaubt Desktop-Virtualisierung und enthält einen integrierten Terminalserver. Werkzeuge Über den Erfolg bei der Arbeit entscheidet nicht zuletzt das richtige Werkzeug. Programme für Entwickler und Systemadministratoren bildeten daher auch in diesem Jahr einen Schwerpunkt. Einige der dort vorgestellten Angebote sind aber auch über den unmittelbaren IT-Bereich hinaus von Interesse. Gentoo-Linux. Einer der entscheidenden Vorteile der unixähnlichen Betriebssysteme besteht in deren Flexibilität. Das Betriebssystem kann für ein konkretes Gerät und einen Einsatzfall ganz gezielt zusammengestellt werden. Diese Vorgehensweise spart nicht nur Hardware-Ressourcen, sondern sichert auch ein hohes Maß an Sicherheit. War die Schaffung eigener Distributionen bislang eine Aufgabe für Experten, so steht jetzt mit Gentoo-Linux ein Werkzeug zur Verfügung, das diese Aufgabe erheblich erleichtert. Auf seiner Grundlage können Distributionen für Embedded-Geräte ebenso erstellt werden wie für Multimedia-PC, Büro-Rechner oder Server. Gene SEZ ist ein freies Werkzeug zur Erhöhung der Produktivität bei der Softwareentwicklung, mit dessen Hilfe aus (grafischen) Modellen automatisch ausführbarer Programmcode generiert werden kann. Die Nutzung dieses Werkzeuges erleichtert nicht nur die Codierung, sondern unterstützt auch die Dokumentation und die Wiederverwendbarkeit. Forth. Die als gemeinnütziger Verein agierende Forth-Gesellschaft hat sich der Anwendung, Weiterentwicklung und Standardisierung dieser Programmiersprache verschrieben. Forth ist aber nicht nur eine höhere Programmiersprache unter vielen, sondern eignet sich darüber hinaus zur Realisierung einfacher Steuerungen bis hin zu verteilten Echtzeit-Steuerungen. fli4l. Dieses Kürzel steht für „floppy isdn for linux“ und ist die Bezeichnung für eine Linux-Distribution, die sich durch minimalen Ressourcenbedarf auszeichnet und deren Hauptaufgabe in der Bereitstellung eines Routers besteht. Ausgehend von diesem Lösungsansatz wurden vom Net(t)work(s) e.V. mit eis Fair und eis Xen ein Server und eine Virtualisierungslösung entwickelt. Für die Gebäudetechnik ist diese Entwicklung vor allem deshalb von Interesse, weil fli4l auch zur Ansteuerung von CAN-Komponenten genutzt werden kann. Freedroidz. Robotertechnik muss kein Buch mit sieben Siegeln sein. Das Freedroidz-Team arbeitet an einem Roboter-Bausatz, dessen Software frei verfügbar ist und dessen Hardware etwa 100 Euro kosten soll. Der vorgestellte Arbeitsstand war recht beeindruckend. Beagle Board. Ein Minirechner mit Linux als Betriebssystem wurde von Texas Instruments vorgestellt. Auf der Platine von der Größe eines Bierdeckels sind diverse auch für die moderne Gebäudetechnik interessante Schnittstellen integriert. Pararellmesse IT-Profits Parallel zum Linuxtag findet die IT-Profits, eine regionale IT-Messe, statt. Obwohl beide Veranstaltungen inhaltlich viele Gemeinsamkeiten haben und mancher Messestand durchaus auch in der anderen Halle hätte stehen können, waren die Unterschiede unübersehbar. Denn während auf dem Linuxtag vorzugweise Standprovisorien und Betreuer in Jeans und T-Shirt das Bild zeichneten, dominierten auf der IT-Profits die wohlgestylten Stände und der gute Anzug. Und noch ein deutlicher Unterschied: Auf dem Linuxtag durfte man Fragen stellen und bekam diese auch kompetent beantwortet; auf der IT-Profits hingegen wurde der Besucher zuweilen mit Antworten auf Fragen überhäuft, die eigentlich niemand gestellt hatte. Dennoch: Die Mehrzahl der Besucher hat beide Messen besucht. Wegen der Nähe zu den Bundesbehörden war auch hier eine Ausrichtung auf die Bedürfnisse der öffentlichen Hand unverkennbar. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 8 590 BRANCHE AKTUELL Linuxtag 2009 in Berlin Linux und Open Source - im Alltag angekommen Freie Software ist schon lange kein Geheimtipp mehr und deren Einsatz in vielen Bereichen geradezu selbstverständlich. Die Nutzung von Linux und Open Source Software gehört inzwischen zum Alltag von Unternehmen und Institutionen. Einen Eindruck vom erreichten Arbeitsstand und den aktuellen Trends vermittelte der diesjährige Linuxtag in Berlin. EP0809-586-591 04.08.2009 13:19 Uhr Seite 590

Autor
  • H. Möbus
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