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Fachplanung | Betriebsführung | Hard- und Software

Konstruktive Planung mit CAD

ep3/2004, 2 Seiten

In dieser Beitragsserie werden die Kompetenzen eines modernen Elektrobetriebes dargestellt. Am Beispiel einer Badsanierung [1] löst der „EP-Serienheld“ – Oskar Ohm – vielfältige Aufgaben, wie sie sich einem Elektromeister in der Praxis häufig stellen. Lesen Sie in dieser Ausgabe, wie Oskar Ohm mit Hilfe einer CAD-Planung das Gespräch mit dem Kunden vorbereitet.


Vorgespräch über den Auftragsumfang Elektromeister Oskar Ohm schaut sich das Badezimmer von Familie Fischer genau an. Der Raum ist mit einer Grundfläche von 2 mal 2 Metern ziemlich eng. Er wirkt mit der vorhandenen Sanitärinstallation - zwei Waschtische, Badewanne und Toilettenbecken - sehr voll gestopft. Frau Fischer, die hinter Herrn Ohm in der Tür steht, fragt: „Was meinen Sie, ist daraus etwas vernünftiges zu machen? Ich hätte ja zu gern zusätzlich noch eine Dusche, aber das wird sich in diesem kleinen Raum wohl kaum machen lassen.“ Herr Ohm sieht kein Problem, wenn dafür die Wanne entfernt würde. Aber darauf will Frau Fischer nicht verzichten. Für Wanne und separate Dusche ist der Raum auf jeden Fall zu klein. Elektromeister Ohm erkundigt sich, ob der angrenzende Raum, eine Gästetoilette, mit in die Badsanierung einbezogen werden kann. Die bisherige Gästetoilette liegt genau neben dem Bad und ist ein schlauchförmiger Raum von 1 mal 2 Metern mit Toilettenbecken und kleinem Handwaschbecken (Bild ). Frau Fischer ist einverstanden und unser Elektromeister bietet an, beide Räume auszumessen, um Vorschläge für die Neugestaltung zu entwerfen. Dann sammelt Herr Ohm noch die weiteren Vorstellungen der Fischers zum zukünftigen Badezimmer. Von den bisherigen zwei Waschtischen kann man auf einen gut verzichten, aber eine Badewanne, eine separate Dusche und natürlich eine Toilette müssen hineinpassen. Die Sanitärinstallation soll zeitgemäß unter Putz erfolgen. Über die elektrische Ausstattung haben sich die Fischers keine weiteren Gedanken gemacht. Anknüpfungspunkte für Aufträge suchen Das kennt Elektromeister Ohm schon: die Elektrik hat zu funktionieren und zweckmäßig zu sein, aber ansonsten hat sie für die meisten Kunden keinen besonderen Stellenwert. Umbau- und Renovierungsmaßnahmen werden nach Ohms Erfahrung nur in wenigen Fällen von gestiegenen Ansprüchen an die Elektrotechnik ausgelöst. Der E-Check in mittleren bis älteren Privatgebäuden ist für Herrn Ohm zu einer Art Eintrittskarte geworden. Er befriedigt zunächst das gestiegene Sicherheitsinteresse der Kundschaft mittleren Alters. Dabei ergeben sich für Ohms Fachbetrieb für Gebäudetechnik immer wieder Anknüpfungspunkte für weitere komfort- oder sicherheitssteigernde Maßnahmen. Kunden in vergleichbarem Alter und in ähnlicher Situation wie Familie Fischer sind oft bereit, für Komfort und Sicherheit Geld auszugeben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Elektromeister ihnen den Nutzen klarmachen kann und optisch ansprechende Lösungen aus einer Hand anbietet. Planung mit gewerkeübergreifender CAD-Software Zuhause im Büro setzt Elektromeister Ohm seine Skizze der Räume von Familie Fischer in eine maßstäbliche CAD-Zeichnung um. Diesen Ausschnitt druckt er im Maßstab 1:50 aus, um eine Arbeitsunterlage zu haben (Bild ). Früher erschien Elektromeister Ohm die Zeichnungserstellung mit dem Computer für ein derart kleines Objekt als viel zu aufwändig. Mittlerweile ist jedoch diese Vorgehensweise für ihn fast zum Standard geworden. Die Vorteile liegen seiner Meinung nach darin, dass · eine definierte, einheitliche Unterlage für alle Gewerke gilt, · durch die ständige konsequente Nutzung von CAD-Software das Zeichnen mit dem Computer zur Routine wird und es sich somit schnell erledigen lässt, · die Planung bei Bedarf schnell geändert werden kann, · die Planungsergebnisse sich perfekt vorführen lassen, was zum Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 3 204 BETRIEBSFÜHRUNG Konstruktive Planung mit CAD In dieser Beitragsserie werden die Kompetenzen eines modernen Elektrobetriebes dargestellt. Am Beispiel einer Badsanierung [1] löst der „EP-Serienheld“ - Oskar Ohm - vielfältige Aufgaben, wie sie sich einem Elektromeister in der Praxis häufig stellen. Lesen Sie in dieser Ausgabe, wie Oskar Ohm mit Hilfe einer CAD-Planung das Gespräch mit dem Kunden vorbereitet. Autor Dipl.-Ing. Holger Clausing ist Lehrer am Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik e. V. (bfe), Oldenburg. CAD-Zeichnung der skizzierten Gegebenheiten Vorschlag für die Neugestaltung des Badezimmers ELEKTRO PRAKTIKER MEISTERWISSEN Ansicht des bisherigen Bades und der angrenzenden Gästetoilette einen Image fördernd wirkt und zum anderen oft den letzten Kick für die Auftragserteilung ausmacht. Nach Fertigstellung des Grundrisses schiebt Oskar Ohm die gewünschten Einrichtungen so lange hin und her und variiert deren Größen, bis ein realisierbarer Vorschlag gelungen ist. In diesem Raum sind nämlich einige Tücken versteckt. Durch die breiten Fenster kann die Dusche nicht an der Außenwand angeordnet werden, ein nachträglich eingebautes Fallrohr aus dem Obergeschoss, das zwischen den Fenstern verläuft, engt den Spielraum für die Badewanne zusätzlich ein. Eine Standardwanne von 1,7 Meter Länge passt haargenau. Die Dusche platziert Ohm direkt neben der Eingangstür. Sie darf dann zwar nicht tiefer als 70 cm sein, aber dafür ist die Breite unkritisch. Die Toilette bleibt am gleichen Ort wie zuvor in der alten Gästetoilette. Für den von Frau Fischer gewünschten Unterputz-Spülkasten muss ein Absatz vor die Außenwand gemauert werden. Für den Waschtisch, der an der Wand zum Flur angebracht werden soll, sieht Herr Ohm ebenfalls eine zusätzliche gemauerte Konsole zur Versteifung der dünnen Wand (11,5 cm) und als Ablage vor. Darin lassen sich außerdem der Lichtschalter und die Steckdosen locker unterbringen, auch bei Verwendung von Schalterabzweigdosen. Wichtige Verkaufsargumente sammeln Oskar Ohm ist sich darüber im klaren, dass er für Familie Fischer noch ein paar Leckerbissen einbringen muss, denn die erforderlichen Mauer-, Estrich- und Fliesenarbeiten werden einiges an Dreck, Lärm und Kosten verursachen. Zu den „Highlights“ zählt der Elektromeister: · Fliesen der Wände bis unter die Decke statt wie bisher nur auf 1,5 m Höhe, die Konsolen werden mit den Bodenfliesen farblich abgesetzt. · Einbau einiger Heizschlangen in den Fußboden für optimalen Komfort beim barfuß gehen. Der Estrich muss wegen der veränderten Führung der Wasser-, Abwasser- und Heizungsleitungen ohnehin erneuert werden. · Eine gemauerte Dusche ohne Wanne mit bequemem Zugang, ggf. im Zwischenraum zur Badewanne kombinierbar mit einem gemauerten Regal. lung seiner Vorschläge (Bild ) ausmachen. Dabei will er gleichzeitig erfragen, wann die Familie verreist. Diesen Zeitraum sieht Firma Ohm für die Arbeiten vor, um die Fischers mit den Unannehmlichkeiten der Bauphase und der notwendigen vorübergehenden Stilllegung des Badezimmers möglichst wenig zu belästigen. Ein genaues Angebot will er erst dann ausarbeiten, wenn es zur Auftragserteilung kommt. · Einbau eines flachen hohen Heizkörpers neben dem Waschbecken als Handtuchtrockner. · Verkleiden der Decke mit farblich abgestimmten Feuchtraum-Paneelen und Einbau einer stimmungsvollen und zweckmäßigen Beleuchtung, bestehend aus Niedervolt-Halogen-Sternenhimmel und einigen Strahlern. Am nächsten Tag will der Elektromeister einen Termin zur Vorstel-Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 3 BETRIEBSFÜHRUNG Angebotskalkulation aus der CAD-Planung heraus Fortsetzung ELEKTRO PRAKTIKER Anzeige Literatur [1] Janßen, T.: Veränderte Marktanforderungen. Elektropraktiker Berlin 58(2004)2, S. 120 bis 121.

Autor
  • H. Clausing
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