Fachplanung
Abnahme, Rechnung und Nachkalkulation
ep12/2004, 2 Seiten
Abnahme Die Badsanierung sowie alle ergänzenden Arbeiten bei Familie Fischer sind beendet. Der Auftrag ist somit installationstechnisch abgearbeitet. Elektromeister Oskar Ohm bespricht nun gemeinsam mit den Auftraggebern das gesamte Projekt. Die Anlagen-Dokumentation wird übergeben und die einzelnen Funktionen, z. B. der neuen EIB/KNX-Technik, werden vorgeführt. Unterlagen übergeben. Die Prüfung der ausgeführten Arbeiten, das Anfertigen des Abnahme- und Übergabeprotokolls (Bild ) sowie eines Ergänzungsprotokolls für die vorhandene, erweiterte Verteilung, ist für das Team von Oskar Ohm eine Selbstverständlichkeit. Eine genaue und übersichtliche Beschriftung der Unterverteiler sowie die Übergabe der Verteiler- und Klemmenauflagepläne gehören für Oskars Mitarbeiter zu den Standardaufgaben einer vollständigen Auftragsabwicklung. Servicevertrag anbieten. Als Auftragnehmer setzt Oskar mit den Geräte- und Anlagenprüfungen und der Einweisung des Kunden ein Ende seiner Verantwortlichkeit für Anlage bzw. Geräte. Selbstverständlich steht er als Servicepartner bei fachlichen Problemen in der Kundenanlage der Familie Fischer gerne zur Verfügung. Über den Abschluss eines Servicevertrags wird in den nächsten Tagen entschieden. Prüfungen elektrischer Anlagen und Geräte Familie Fischer hat das Recht, eine normgerechte Ausführung des Auftrages zu erwarten. Dazu zählen natürlich auch die Überprüfungen der durchgeführten Arbeiten. Da von elektrischen Anlagen und Geräten eine erhöhte Gefährdung für Mensch und Gebäude (Brandgefahr) ausgehen können, sind verschiedene Prüfungen mit den dafür gefertigten Messgeräten und dem entsprechend geschulten Fachpersonal (im Allgemeinen eine Elektrofachkraft) vorgeschrieben. Meister Ohm und seine Mitarbeiter sind für diese Arbeiten natürlich bestens qualifiziert und führen diese Prüfungen und Messungen nach den folgenden Vorschriften durch. Im Allgemeinen sind zu beachten: AVBElt V Allgemeine Bedingungen für die Elektrizitätsversorgung von Tarifkunden. TAB Technische Anschlussbedingungen der Verteilungsnetzbetreiber (VNB). UVV Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften. VDE Verband Deutscher Elektrotechniker. Für elektrische Anlagen gelten insbesondere: BGV A2 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel, § 5 Wiederholungsprüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel. DIN VDE 0100-610 Errichten von Niederspannungsanlagen: Prüfungen - Erstprüfungen. Allgemeines Jede Anlage muss geprüft werden, bevor sie vom Benutzer in Betrieb genommen wird. Dies muss - soweit sinnvoll - bereits während der Errichtung und/oder nach Fertigstellung erfolgen. Die in DIN VDE 0100-510 geforderten Informationen müssen den Personen, die die Prüfungen durchführen, zur Verfügung stehen (Weiterbildung des Fachpersonals). Es sind Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit beim Besichtigen sowie beim Erproben und Messen Per-Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 12 970 BETRIEBSFÜHRUNG Autoren Stefan Eisenbach und Wolfgang Post sind Dozenten beim Bildungs- und Technologiezentrum (BZL), Lauterbach. Abnahme- und Übergabeprotokoll Vorgeschriebenes Prüfprotokoll Abnahme, Rechnung und Nachkalkulation In dieser Beitragsserie werden die Kompetenzen eines modernen Elektrobetriebes dargestellt. Am Beispiel einer Badsanierung löst der „EP Serienheld“ - Oskar Ohm - vielfältige Aufgaben. In diesem Beitrag führt der Elektromeister die Abnahme der Anlage durch und legt Familie Fischer die Rechnung (inkl. Nachkalkulation). ELEKTRO PRAKTIKER MEISTERWISSEN sonen nicht gefährdet und die errichteten Betriebsmittel sowie sonstiges Eigentum nicht beschädigt wird. Im Falle einer Erweiterung oder Änderung einer bestehenden elektrischen Anlage muss nachgewiesen werden, dass die Anforderungen der Normenreihe DIN VDE 0100 erfüllt sind und die Sicherheit der bestehenden Anlage nicht beeinträchtigt wird. Prüfungen müssen durch Elektrofachkräfte durchgeführt werden, die über Erfahrungen mit dem Prüfen elektrischer Anlagen verfügen. Das Team von Oskar ist durch regelmäßige Schulungen auf dem aktuellen Stand der Technik. Somit ist es selbstverständlich, dass nach Beendigung der Prüfung das vorgeschriebene Prüfprotokoll (Bild ) erstellt wird. Anmerkung. Wird beim Prüfen festgestellt, dass die Festlegungen der Errichtungsbestimmungen, z. B. Grenzwerte, nicht eingehalten worden sind, ist nach erfolgreicher Fehlersuche und Mängelbeseitigung die Prüfung zu wiederholen. Jede neu errichtete Niederspannungsanlage hat den zum Zeitpunkt der Errichtung geltenden Bestimmungen zu entsprechen. Dieses gilt auch für Änderungen oder Erweiterungen bestehender elektrischer Anlagen, außer es wird eine Anpassung gefordert, die vorrangig gilt. Um Gefahren beim Messen zu vermeiden und um Ergebnisse mit hinreichender Genauigkeit zu erzielen, ist die Anwendung normgerechter Messgeräte (nach DIN VDE 0413) gefordert. Auch hier ist das Team von Oskar bestens ausgestattet. Erproben und Messen Durch Erproben und Messen müssen - sofern zutreffend - folgende Prüfungen durchgeführt werden. Vorzugsweise ist die angegebene Prüfreihenfolge einzuhalten: - Durchgängigkeit der Schutzleiter, der Verbindungen des Hauptpotentialausgleichs und des zusätzlichen Potentialausgleichs. - Isolationswiderstand der elektrischen Anlage. - Schutz durch SELV und PELV oder Schutztrennung. - Widerstand von isolierenden Fußböden und Wänden - Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung. - Spannungspolarität. - Funktionsprüfung. - Spannungsfall (in Vorbereitung). Alle Prüfungen und nötigen Messungen im Haus der Familie Fischer haben keine Beanstandungen ergeben, so dass die Übergabe ohne weitere Nacharbeiten erfolgen konnte. Stellung der Rechnung Elektromeister Ohm hat das Angebot, die Auftragsbestätigung und außerdem die Auftragsbestätigungen der Zusatzarbeiten vorliegen. Im Vorfeld wurden von ihm die offenen Positionen berechnet. Andere Werte, welche nach Quadratmetern, Kubikmetern oder laufenden Metern abzurechnen sind, wurden gemeinsam mit Familie Fischer ermittelt. Die Rechnung wird erstellt (im Bild exemplarisch dargestellt) und umgehend Familie Fischer zugestellt. Nachkalkulation Die Nachkalkulation ist für Oskar ein elementarer Teil der kompletten Abrechnung. Hier kann er seinen Rohertrag errechnen und Erkenntnisse für zukünftige Angebote ableiten. Er bringt sämtliche Einkaufsrechnungen der Lieferanten als Einzelkosten in sein Kalkulationsschema ein. Die erbrachten Arbeitsstunden von Oskar und seinen Monteuren sind erfasst. Die Materialentnahmescheine aus seinem Lager sind ebenfalls vorhanden. Summarische Zuschlagskalkulation. Oskar wendet in seinem Unternehmen die summarische Zuschlagskalkulation an. Sie gibt ihm die Möglichkeit, auf Grund der aufgewendeten Lohnkosten den Zuschlagssatz für die Gemeinkosten hinzuzurechnen. Dies setzt natürlich voraus, dass in seinem Unternehmen analysiert wird, wie hoch der prozentual berechnete Umsatz von Lohn und Material im Durchschnitt ist. Die Gemeinkosten werden bei dieser Kalkulation grundsätzlich auf Basis der angefallenen Lohnberechnungen vorgenommen. Nach durchgeführter Kalkulation stellt Oskar fest, dass der verbleibende Betrag für Wagnis und Gewinn seiner Vorkalkulation entspricht. Differenzierte Zuschlagskalkulation. Bei dieser Variante der Nachkalkulation werden die angefallenen Gemeinkosten im Bereich des Materialwesens in einer separaten Kalkulation dem Materialpreis zugeschlagen. Die entstandenen Lohngemeinkosten rechnet man den einzelnen Lohnkosten hinzu. Die so genannte differenzierte Zuschlagskalkulation wurde von Oskar zwar in Betracht gezogen, aber er stellte fest, dass die summarische Zuschlagskalkulation für ihn eine einfachere Möglichkeit ist, die Kontrolle seines Auftrages abzuarbeiten. Deckungsbeitragsrechnung. Zum Abschluss seiner Nachkalkulation führt Oskar die so genannte Deckungsbeitragsrechnung durch. Dies ist für seine Betriebssteuerung die wichtigste Form der Nachkalkulation. Sie gibt ihm die Möglichkeit zu erkennen, wie hoch der prozentuale Ansatz des Auftrages war, um seine Einzel- und Gemeinkosten zu decken. Für den Unternehmer ist es wichtig zu erkennen, wann alle Gemeinkosten in seinem Unternehmen durch laufende, erbrachte Leistungen und Aufträge gedeckt wurden - dem Break-Even-Point. Hat Oskar mit seinem Unternehmen diesen Punkt erreicht, gibt es für ihn die Möglichkeit, zukünftige Aufträge kostengünstiger anzubieten (Teilkostenkalkulation) oder bei gleich bleibender Kalkulation einen höheren Rohertrag zu erzielen. Oskar hat durch die sensible Nachkalkulation seine betriebliche Steuerung in den letzten Jahren sehr verbessert. Erkenntnisse, die er über die Nachkalkulation bis hin zur Deckungsbeitragsrechnung ins tägliche Geschäft umsetzt, geben ihm Planungssicherheit. So agiert Elektromeister Ohm mit einem stabilen Unternehmen am Markt. Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 12 971 BETRIEBSFÜHRUNG Exemplarische Rechnung
Autoren
- S. Eisenbach
- W. Post
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