Interoperabilität und Standardisierung
Bei gegen Entgelt empfangbaren Inhalten wird stets mit Verschlüsselung (encryption) der Signale auf der Sendeseite und deren Entschlüsselung (decryption) im Endgerät auf der Empfangsseite gearbeitet. Dabei kommen CA/DRM-Systeme zum Einsatz, wobei CA für „conditional access“ und DRM für „digital rights management“ steht. Diese regeln einerseits den Zugang zu Netzen, Plattformen und Inhalten, andererseits aber auch die Nutzung der Inhalte (z. B. Speichermöglichkeit) (Bild 5). Solche Systeme sind durch folgende Funktionalitäten gekennzeichnet:
Authentifizierung des Endgerätes (z. B. durch MAC-Adresse, IP-Adresse …)
Authentifizierung des Nutzers (z. B. durch Smart Card, SIM Card, eSIM Card, PIN, biometrische Werte …)
Überprüfung der Nutzungsrechte und -bedingungen für den jeweiligen Inhalt
Freigabe der Schlüssel zur Entschlüsselung des Inhalts.
CA/DRM-Systeme basieren stets auf Software. Dabei handelt es sich meist um proprietäre Implementierungen, was zu einer Marktfragmentierung und unzureichender Interoperabilität führt. Als prinzipielle Lösung dieser Problemstellung wird inzwischen das Herunterladen von CA/DRM-Systemen oder Teilen davon gesehen. Da es sich bei CA/DRM um kundenspezifische Aspekte handelt, bedarf eine Realisierung dieser Download-Fähigkeit noch umfangreicher Abklärungen und Festlegungen, um auch die erforderliche Datensicherheit zu gewährleisten. Bei einfachen CA-Systemen wäre es allerdings schon ausreichend, wenn für alle Verschlüsselungssysteme externe CA-Module (CAM) für die Schnittstelle CI+ zur Verfügung stehen würden.
Standards und ihre Aspekte
Da es sich bei der IKT um einen Massenmarkt handelt, ist es für Interoperabilität unbedingt erforderlich, dass für möglichst alle relevanten Hardware- und Software-Anwendungen Spezifikationen vorhanden sind, damit in Systemen die bestimmungsgemäße Funktion gewährleistet werden kann. Dies erfolgt in der Praxis durch Standards (= Normen), für die folgende Definition vom British Standards Institute (BSI) stammt: „Ein Standard ist ein öffentlich zugängliches Dokument, das unter Beteiligung aller interessierter Parteien entwickelt wird und deren Zustimmung findet. Der Standard beruht auf Ergebnissen aus Wissenschaft und Technik und zielt darauf ab, das Gemeinwohl zu fördern.“
Es ist zu berücksichtigen, dass jeder Standard grundsätzlich nur eine Empfehlung darstellt, die angewendet werden kann, aber nicht angewendet werden muss. Eine Verbindlichkeit zur Einhaltung bestimmter Standards lässt sich allerdings durch Vorgaben in Ausschreibungen, Aufträgen und sonstigen Dokumenten erreichen. Auch seitens der Regulierung wird in Gesetzen und Verordnungen diese Möglichkeit durchaus genutzt.
Für Standards lassen sich folgende positiven Aspekte anführen:
Standards tragen zur Vereinheitlichung bei und führen damit zu einer geringeren Marktsegmentierung.
Standards erhöhen den Wettbewerb zwischen den Anbietern und führen damit zu sinkenden Preisen.
Wettbewerb erhöht den technischen Fortschritt, weil mehr Forschung und Entwicklung getrieben wird.
Durch den Bezug auf Standards lässt sich der Aufwand für die Vergabe von Aufträgen reduzieren.
Erst die Standardisierung ermöglicht den effizienten Aufbau komplexer Systeme.
Standards bewirken eine große Verbreitung der darauf basierenden Produkte.
Standardisierung ist oft ein langwieriger Prozess und erfordert in der Regel Kompromisse bei der Festlegung von Anforderungen.
Varianten der Standards
In der Praxis gibt es drei Urheber für Standards:
Offizielle Standardisierungsorganisationen
Fachverbände
Unternehmen.
Die Unterschiede bestehen hier einerseits bei den Beteiligten und andererseits in der Prozedur für die Erarbeitung und Pflege der Standards. Für die Informations- und Kommunikationstechnik sind besonders die offiziellen Standardisierungsorganisationen auf europäischer und internationaler Ebene von Bedeutung. Dazu gehören:
Europäisches Institut für Standardisierung in der Telekommunikation: ETSI (European Telecommunications Standards Institute)
Internationale Organisation für Standardisierung: ISO (International Organization for Standardisation)
Internationale Elektrotechnische Kommission: IEC (International Electrotechnical Commission)
Internationale Fernmeldeunion: ITU (International Telecommunication Union).
Bei vorstehend angeführten Organisationen ist die Erarbeitung von Standards transparent strukturiert und ermöglicht die Mitwirkung aller Betroffenen. Es handelt sich deshalb um offene Standards.
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- U. Freyer
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