Elektrotechnik
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Kabel und Leitungen
Geeignete Zuleitung von Verteiler zu Raum
ep10/2008, 2 Seiten
876 LESERANFRAGEN Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 10 und ihre Gesundheit verantwortlich. Unsere Leute fassen diese Geräte nicht an." Ist eine Gefährdung durch die auf dem Boden liegenden defekten Leitungen gegeben? Was kann ich als für den betreffenden Bereich nicht zuständige Elektrofachkraft in solch einem Fall tun? Darf ich die Stromversorgung für diese Geräte unterbrechen? ! Genannte Gefährdungen. Unbestritten ist, dass durch defekte Anschlussleitungen nicht nur für den Benutzer der Geräte, sondern auch für andere Personen Gefährdungen und Gefahren entstehen können. Beispielsweise kann ein Vorübergehender die Leitung direkt berühren. Zudem ist auch eine Spannungsverschleppung möglich, wenn ein fremdes leitfähiges System mit der defekten Stelle einer Leitung in Kontakt kommt. Dadurch sind schon mehrfach Unfälle entstanden. Maßnahmen. Das Erste und Wichtigste, was der Anfragende tun kann und auch tun sollte, ist die nachdrückliche Information des für den Einsatz zuständigen Leiters in seinem Unternehmen über · die zwangsläufig dadurch auch für seine Mitarbeiter entstehende Gefährdung sowie · seine laut Betriebssicherheitsverordnung vorhandene Verantwortung für die Sicherheit aller unter seiner Leitung arbeitenden Personen - sowohl die der eigenen Mitarbeiter als auch die der Fremdfirma. Wird dieser Hinweis nicht ernst genommen, sollte der Anfragende auch die zuständige verantwortliche Elektrofachkraft/Sicherheitsfachkraft informieren. Zumeist hat es auch Erfolg, wenn man die unmittelbar mit diesen Geräten arbeitenden Personen - so drastisch wie möglich - auf die vorhandene Gefährdung und die für sie möglichen Folgen hinweist. Das Benutzen der Geräte verhindern - egal auf welche Weise - wäre ein Eingriff in fremde Zuständigkeit und somit ein zweischneidiges Schwert. Ob die von dem Anfragenden festgestellten Mängel wirklich eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben eines der Mitarbeiter des Fremdbetriebs zur Folge haben und sein Eingreifen somit vertretbar wäre - wer will das in diesem Moment und vor allem bei der dann später sicherlich entstehenden Auseinandersetzung beweisen? Allgemein zu empfehlen ist eine solche Reaktion keineswegs. Doch darüber entscheiden kann nur jeder für sich selbst. K. Bödeker Erdung einer Blitzschutzanlage ? Wir wurden als Planer beauftragt, den Blitzschutz für ein dreistöckiges Gebäude mit einem Flachdach von 20 m · 20 m zu realisieren. Im Dachstuhl sind nun die Überspannungsableiter (SPD Typ 1) untergebracht. Die Verteilung mit der Potentialausgleichsschiene zum Anschluss der SPD Typ 1 befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes in rund 30 m Entfernung. Wir fragten ein namhaftes Unternehmen für Blitzschutztechnik, wie der Anschluss der Ableiter realisiert werden kann/darf. Beim ersten Anruf wurde uns gesagt, dass wir nur eine Verbindung von den SPD Typ 1 zur Ableitung herstellen müssen. Ein erneuter Anruf bei einem anderen Mitarbeiter des selben Unternehmens ergab, dass der Anschluss so erdnah wie möglich an der Erdungsanlage realisiert werden muss. Welche der beiden Auffassungen ist normgerecht und richtig? ! Beim Einsatz von Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs) ist zunächst einmal grundsätzlich darauf zu achten, dass die Anschlussleitungen der SPDs so kurz wie nur möglich ausgeführt werden. Der Hintergrund und die Umsetzung dieser Forderung ist u. a. den Ausführungen im Kapitel 7.1 von [1] zu entnehmen. Bei dem Einsatz von SPDs Typ 1 besteht zudem die Forderung, dass deren erdseitiger Anschluss blitzstromtragfähig, also mit einem Leiterquerschnitt von mindestens 16 mm² Cu, ausgeführt sein muss. Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf Bild (Bild 4.2 aus der VDN-Richtlinie [2]): Der Schutzpotentialausgleichsleiter (2) und der Schutzpotentialausgleichsleiter für den Blitzschutz (4b) sind unabdingbare Voraussetzungen zum Schutz bei indirektem Berühren sowie zum Erreichen eines niedrigen Schutzpegels der Ableiteranordnung. Die elektrische Sicherheit aus der Sicht des Schutzes bei indirektem Berühren ist also mit den Leitungen (2) und (4b) gegeben. Bei Querschnitten, die kleiner als 16 mm² Cu sind, kann es jedoch bei der Leitung (4b), dem PE-Leiter der Anlage sowie der Leitung (2) zu einer unzulässigen Temperaturerhöhung infolge des Blitzstromdurchgangs kommen. Weil dies vermieden werden muss, wurde der Erdungsleiter (4a) eingefügt. Dieser erfüllt ausschließlich die Aufgabe, die Leitung (4b), den PE-Leiter der Anlage und die Leitung (2) von Blitzstromdurchgang zu entlasten. Der Querschnitt von (4a) ist deswegen blitzstromtragfähig ( 16 mm² Cu) auszulegen. Auf welchem Weg die Verbindung (4a) hergestellt wird, ist unerheblich. Insofern sind die zur Diskussion stehenden Varianten als technisch gleichwertig zu betrachten. Welche der beiden Lösungen zur Ausführung kommt, hängt natürlich in hohem Maße von den örtlichen Gegebenheiten und wirtschaftlichen Erwägungen ab. Literatur [1] Raab, V.: Überspannungsschutz in Verbraucheranlagen. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage; Berlin: Huss Medien 2003. [2] VDN-Richtlinie 2004-08: Überspannungs-Schutzeinrichtungen Typ 1 - Richtlinie für den Einsatz von Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPD) Typ 1 in Hauptstromversorgungssystemen. V. Raab Geeignete Zuleitung von Verteiler zu Raum ? Gibt es eine Vorschrift oder Norm, nach der die Zuleitung von der Verteilung zu einem Raum im Querschnitt von 2,5 mm² auszuführen ist und wenn ja, gilt dies nur bei Absicherung mit 16 A? Ist bei einer Absicherung mit 13 A ein Querschnitt von 1,5 mm² ausreichend? ! Zu beachtende Normen. Eine Vorschrift, in der festgelegt ist, dass eine Zuleitung von der Verteilung zu einem Raum im Querschnitt 2,5 mm2 Cu auszuführen ist, ist mir nicht bekannt. Die Bemessung des Querschnitts hängt nicht davon ab, ob die Leitung oder das Kabel als Zuleitung zu einem Raum verwendet wird. Eine Leitung muss den Belastungsstrom des oder der Verbraucher PEN RB RA 1 SPD Typ 1 2 Schutzpotentialausgleichsleiter 3 Haupterdungsschiene 4a Erdungsleiter 4b Schutzpotentialausgleichsleiter für den Blitzschutz F1 Überstrom-Schutzeinrichtungen Hausanschluss F2 Überstrom-Schutzeinrichtungen nach Angabe des Herstellers SPD Typ 1 RA Anlagenerder, z. B. Fundamenterder RB Netzbetriebserder Überspannungs-Schutzeinrichtung (SPD) Typ 1 im TN-C-S-System Quelle: VDN Die SPD Typ 1 zwischen N und PE kann dann entfallen, wenn die SPDs in unmittelbarer Nähe (Entfernung 0,5 m) der Aufteilungsstelle des PEN-Leiters in PE und N eingebaut sind EP1008-870-877 19.09.2008 15:25 Uhr Seite 876 führen können, wobei Mensch, Tier und Sachwerte keinen Schaden nehmen dürfen. Unverständlich ist auch, aus welchem Grund an die Zuleitung zu einem Raum spezielle Forderungen gestellt werden sollen. Ein Stromkreis wird doch in der Regel durch ein Überstromschutzorgan im Verteiler geschützt. Soll der Zuleitung noch ein Überstromschutzorgan für den Stromkreis im Raum nachgeordnet werden? Das wäre doch zu viel des Guten. Die Querschnittsbemessung eines Stromkreises ist von folgenden Faktoren abhängig: · Referenzverlegeart: Die Referenzverlegeart erhält man, wenn man aus DIN VDE 0100-520 [1], Tabelle 52 H die der gewählten Verlegeart zugeordnete Referenz-Nummer entnimmt. Sie wird in DIN VDE 0298-4 [2] als Kennziffer bezeichnet und ist dort Grau hinterlegt. Danach ist für fest verlegte Leitungen aus [2], Tabelle 9 die der Referenz-Nr. zugeordnete Referenzverlegeart abzulesen. Nach [2] werden neun Referenzverlegearten unterschieden [1]. Es handelt sich um die Referenzverlegearten A1, A2, B1, B2, C, D, E, F und G. Bei gleichem Querschnitt kann eine Leitung um so höher belastet werden, je besser die Stromwärme an die umgebende Luft abgegeben werden kann. Frei in Luft, z. B. an Spannseilen befestigte Leitungen sind erheblich stärker belastbar als Leitungen in wärmegedämmten Wänden. · Anzahl der belasteten Adern einer Leitung oder eines Kabels: In Einphasen-Wechselstromkreisen sind zwei Adern belastbar. Der gesonderte Schutzleiter PE zählt nicht, weil er im Normalfall nicht belastet ist. In Dreiphasen- Wechselstromkreisen sind 3 belastete Adern vorhanden. 4 Adern werden dann belastet, wenn der Neutralleiter N einen nennenswerten Oberschwingungsanteil führt. Hier ist Anhang B in [1] zu beachten. · Art der Kabel und Leitungen: Maßgebend ist die Art der Isolierung (in der Regel PVC) und die zulässige Betriebstemperatur am Leiter (in der Regel 70 °C), bei einigen Ausführungen auch am Mantel. · Art der Belastung: In der Regel wird von Dauerbetrieb ausgegangen. · Umgebungstemperatur: In Deutschland wird in der Regel von einer Raumtemperatur 25 °C ausgegangen. · Zusätzliche abweichende Betriebsbedingungen: In [2] sind hierfür Umrechnungsfaktoren festgelegt. In Betracht kommen die Häufung von Leitungen/Kabeln sowie abweichende Betriebstemperaturen, z. B. in der Umgebung von Öfen und bei der Verwendung von vieladrigen Leitungen. Einzelheiten hierzu sind [1] und [2] zu entnehmen. Zulässige Strombelastbarkeit und Schutz bei Überlast. Wenn keine abweichenden Betriebsbedingungen berücksichtigt werden müssen und von einer Umgebungstemperatur 25 °C sowie einer Betriebstemperatur 70 °C ausgegangen wird, dann kann die zulässige Strombelastbarkeit Iz aus Tabelle 1 im Beiblatt 2 zu DIN VDE 0100-520 [3] abgelesen werden. Eine Mantelleitung NYM 3 · 2,5 mm2 Cu mit zwei belasteten Adern kann z. B. in Wänden unter Putz in Rohren (Kennziffer 5B) gemäß Referenzverlegart B2 mit 24 A belastet werden. Bei einer direkten Verlegung auf oder in Wänden (Kennziffer 11A bzw. 52) ist nach Referenzverlegeart C eine Belastung mit 29 A zulässig. Unter gleichen Bedingungen darf eine Mantelleitung NYM 3 · 1,5 mm2 Cu gemäß Referenzverlegeart B2 mit 18 A sowie nach der Referenzverlegeart C mit 21 A belastet werden. Zum Schutz bei Überlast muss die Bedingung Betriebsstrom Ib Bemessungsstrom In zulässige Strombelastbarkeit Iz erfüllt werden. Daraus ergibt sich, dass die Leitung mit dem Querschnitt 2,5 mm2 bei der Verlegeart B2 mit maximal 20 A und bei Verlegeart C mit maximal 25 A abgesichert werden muss. Beim Querschnitt von 1,5 mm2 reduzieren sich die Werte auf 16 A bei B2 und 20 A bei C. Hierbei wird vorausgesetzt, dass gemäß DIN VDE 0100-430 [4] die Überstromschutzorgane die folgende Bedingung für den großen Prüfstrom erfüllen: I2 1,45 · Iz. Folgendes ist dabei noch wichtig: Das Überstromschutzorgan muss nicht nur Kabel und Leitungen sondern auch alle im Stromkreis angeordneten Betriebs- und Verbrauchsmittel bei Überlast schützen. Maßgebend für die Auswahl des LS-Schalters oder der Sicherung ist der Bemessungsstrom des am geringsten belastbaren Betriebsmittels. In Stromkreisen mit 2-poligen Steckdosen darf also der Bemessungsstrom 16 A nicht überschritten werden, auch wenn der Leitungsquerschnitt mit 2,5 mm2 angesetzt wird. Es ist aber zulässig, einen geringeren Bemessungsstrom, wie z. B. 13 A zu wählen. Es sei noch darauf hingewiesen, dass zur Einhaltung des Spannungsfalls, der Abschaltbedingungen zum Schutz gegen elektrischen Schlag und zum Kurzschluss weitere Anforderungen zu beachten sind, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Literatur [1] DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2003-06 Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 5: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel; Kapitel 52: Kabel- und Leitungsanlagen. [2] DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4):2003-08 Verwendung von Kabeln und isolierten Leitungen für Starkstromanlagen - Teil 4: Empfohlene Werte für die Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in und an Gebäuden und von flexiblen Leitungen. [3]DIN VDE 0100-520 Beiblatt 2 (VDE 0100-520 Beiblatt 2):2002-11 Errichten von Niederspannungsanlagen - Zulässige Strombelastbarkeit, Schutz bei Überlast, maximal zulässige Kabel-und Leitungslängen zur Einhaltung des zulässigen Spannungsfalls und der Abschaltbedingungen. [4] DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430):1991-11 Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000 V; Schutzmaßnahmen; Schutz von Kabeln und Leitungen bei Überstrom. H. Senkbeil Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 10 We switch the power! www.elektra-tailfingen.de Schaltgeräte Gmb H & Co.KG Prüfen Sie mit uns! Funktionsprüfung und Stromaufnahmemessung Sicherheitsprüfung nach DIN VDE 0701/0702 und BGV A3 Gerätetester mit analoger oder digitaler Anzeige Optional mit Schnittstelle und Scanner zur PC-Dokumentation Prüfung elektrischer Bertriebsmittel portabel und stationär: Prüftafel PST 1E Prüfkoffer PGTK 3E EP1008-870-877 19.09.2008 15:25 Uhr Seite 877
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- H. Senkbeil
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