Elektrotechnik
Elektroindustrie 2000/2001 noch unter Strom
ep7/2001, 2 Seiten
Spitzenwachstum im Jahr 2000 Nach einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in den 90er Jahren von etwa 1,5 % erreichte Deutschland im vergangenen Jahr 3 %. Wichtigster Wachstumsträger war wiederum der Export (Bild ). Erstmalig wurde mit über einer Milliarde DM eine Schallmauer durchbrochen und damit gleichzeitig das Vorjahresergebnis um mehr als 100 Mio DM überschritten. Ursachen dafür sind · in erster Linie die weltweit gestiegene Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen wie auch · die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie durch Produktivitätsfortschritte und einen steigenden Anteil an Hightech-Angeboten. Nach neuesten Untersuchungen erzielt beispielsweise die Elektrobranche 64 % ihres Umsatzes mit Produktneuheiten, die jünger als drei Jahre sind - dank 80000 Beschäftigten in Forschung und Entwicklung und milliardenschwerer Investitionen in modernste Fertigungstechniken. Durch die seit dem 1. 1. 2000 stabilen Wechselkurse innerhalb der EU wurde der Export, insbesondere nach Frankreich, Italien und in die Niederlande, nicht zuletzt auch für mittelständische Unternehmen erleichtert. Im Dollarraum hat der sinkende Wert des Euro - ähnlich wie vor Jahren zeitweise auch eine gering bewertete DM - den Export hochwertiger Güter durch Preisvorteile unterstützt. Beispielhaft wird etwa 20 bis 30 % des gesamten Umsatzwachstums der Elektrobranche den auf die Kursentwicklung des Euro im Jahr 2000 zurückgeführt, nach Angaben des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI). „Auch die Kosten- und Wettbewerbsposition gegenüber den überseeischen Wettbewerbern in der Eurozone wurde trotz teilweise kräftig anziehender Vormaterialkosten tendenziell gestärkt“, so das Statement dazu von Dr. Franz-Josef Wissing, dem Hauptgeschäftsführer des ZVEI. Elektroindustrie führte im vergangenen Jahr Der ZVEI-Quartalsbericht vom April 2001 zeigt, dass die Elektroindustrie mit einem außergewöhnlichen Wachstum bei Produktion (+ 14 %) und Umsatz (+ 16 %) an der Steigerung des BIP beteiligt ist (Bild ). Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Vergleich zum Vorjahr mehr als in jeder anderen Industriebranche um 3,1 % auf nunmehr 883000. Während ein Großteil des Arbeitskräftezuwachses auf traditionelle elektrotechnische Bereiche entfällt, fand fast ein Drittel der insgesamt 28000 Neubeschäftigten bei Herstellern elektronischer Bauelemente einen Arbeitsplatz. Fortschritte auch in den neuen Bundesländern Trotz vielfach erreichter zweistelliger Steigerungsraten für Umsatz und Export war im vergangenen Jahr wiederum der Anteil der ostdeutschen Industrie am BIP eher bescheiden. Das gilt insbesondere für eine größere Anzahl kleinerer Unternehmen, die sich mühsam neue Absatzmärkte erschließen müssen und die demzufolge mit geringeren Anfangswerten einen Beitrag leisten. Andererseits erbrachten die wenigen Unternehmen der Großindustrie zusammen mit den im Umfeld entstandenen Firmen vergleichsweise überdurchschnittliche Beiträge. Das betrifft Unternehmen der chemischen Industrie, des Automobil-, Schiffs- und Turbinenbaus und nicht zuletzt die in Dresden entstandene Mikroelektronik. Insgesamt fehlt nach wie vor eine den selbsttragenden Wirtschaftsaufschwung maßgeblich unterstützende Industrielandschaft. Letztlich ist es nicht gelungen, die überproportional entwickelte DDR-Industrie in die Marktwirtschaft der Bundesrepublik zu überführen. Seit mehreren Jahren wird kritisiert, dass die Zahl der ostdeutschen Industriearbeitsplätze je 1000 Einwohner weit unter der in den alten Bundesländern liegt. Der Umsatzanteil der ostdeutschen Elektroindustrie am gesamtdeutschen Umsatzvolumen ist von 1991 bis 2000 von 3,5 auf 7,5 % gestiegen. Lag der Anteil der Brutto-Anlageinvestitionen 1991 noch bei 9 % des gesamtdeutschen Niveaus, so konnte dieser im Jahr 2000 bis auf rund 18 % verdoppelt werden. In absoluten Zahlen erzielte die ostdeutsche Elektroindustrie 2000 mit 69300 Beschäftigten einen Umsatz von rund 24 Mrd. DM, davon 6 Mrd. DM mit Auslandskunden, und tätigte Investitionen in Höhe von gut 2 Mrd. DM. Dieser günstige Verlauf der letzten Jahre trägt die optimistischen Erwartungen der Unternehmen der Elektroindustrie für das Jahr 2001. Konjunktureller Abschwung seit Jahresende Das Ende des zehnjährigen Booms in den USA und die anhaltende Krise in Japan hatten bereits im 4. Quartal 2000 negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur. Nach Einschätzung von N. Rogowski (Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie) ist aber die mehrfach von anderen Experten für möglich gehaltene „Wiederholung der amerikani-Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 7 534 Branche aktuell Elektroindustrie 2000/2001 noch unter Strom Die wirtschaftliche Gesamtleistung Deutschlands erhöhte sich im vergangenen Jahr auf lange Zeit nicht erreichte Werte. Einen wesentlichen Anteil hat daran die Elektroindustrie, die - gemessen an der Wertschöpfung - nunmehr größte deutsche Industriebranche. Trotz des weltweit nachlassenden Wirtschaftswachstums ist die Elektroindustrie mit ,,verhaltenem Optimismus“ in das Jahr 2001 gestartet, so der ZVEI. Zuwachs gegenüber Vorjahr I. 2000 II. 2000 III. 2000 IV. 2000 Mittel- und Osteuropa USA Südostasien Abnehmerregionen: Wachstum der Elektrobranche (2000) durch Export geprägt Jährliche Steigerungsraten: EU 27 %; Mittel- und Osteuropa 33 %; USA 30 %; Südostasien 39 % Quelle: ZVEI 210 Mrd. DM 150 120 Gesamtproduktion Mrd. DM Brutto-Anlageinvestitionen 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 99 ab 1992 Gesamtdeutschand Gesamtproduktion Brutto-Anlageinvestitionen Produktion und Investitionen der Elektroindustrie bis 1999 Höhepunkte: Steigerung der Produktion um 14 % auf rund 240 Mrd. DM und der Investitionen um 13,7 Mrd. DM im Jahr 2000 schen Entwicklung in Deutschland und Europa wegen der strukturellen Unterschiede wenig wahrscheinlich". Dennoch rechnet er beim Export auch in diesem Jahr mit einem „beachtlichen Zuwachs von 10 %“. Hauptstütze bleibt trotz schwächerer Auftragseingänge weiterhin die Industrie. Diese Einschätzung stimmt inzwischen weitgehend mit den Wirtschaftsexperten überein, die für das laufende Jahr eine Steigerung des BIP von 1,9 bis 2,1 % vorhersagen. Der Wert liegt immer noch weit über den Ergebnissen der 90er Jahre. Auch der ZVEI erwartet für das laufende Jahr ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 6 bis 7 %, gleichbedeutend mit einer Steigerung von 318 Mrd. DM auf etwa 340 Mrd. DM. Dabei befürchtet die Elektrobranche vor allem im 2. Halbjahr einen stärkeren Rückgang. Basis für diese Einschätzung ist die gute Auftragsentwicklung gegen Jahresende 2000, die noch durch einen 11%igen Zuwachs (vorläufiger Wert) verbessert wurde (Bild ). Differenzierte Entwicklung in der Elektrotechnik An der Spitze der Entwicklung standen im Jahr 2000 Bauelemente und Baugruppen der Elektronik. Nach einem Umsatzplus von 48 % ist dieses Jahr durch erhebliche Einbrüche insbesondere bei PC, Handy und zunehmend auch Autoelektronik gekennzeichnet. Platz zwei erreichte die Informations- und Kommunikationstechnik u. a. mit einem Hardware-Umsatzwachstum von 15,3 %, das sich inzwischen deutlich abflachte. Mit einem Umsatzplus von 14 % folgte die Automation (Antriebstechnik, Schaltgeräte, Industrieautomatisierung). Für dieses Jahr reduziert sich das Wachstum auf 6 bis 7 %, wobei die Überwindung der bisherigen Investitionszurückhaltung der Energiewirtschaft vorausgesetzt wird. Die elektrotechnische Bahnindustrie erzielte im abgelaufenen Jahr erstmalig seit Jahren auf breiter Front wieder positive Ergebnisse. So verfügt die Siemens-Verkehrstechnik auch für dieses Jahr über gut gefüllte Auftragsbücher, die den Aufstieg zur weltweiten Nr. 2 sichern sollen. Problembehaftet ist allerdings die Lage für die von Bombardier (Nr. 1) übernommene Adtranz. Sie ist mit erheblichen Umstrukturierungen und Personalabbau konfrontiert. Bei Installationsgeräten und -systemen war der inländische Absatz durch das schrumpfende Baugewerbe - Schwerpunkt Ostdeutschland - wiederum rückläufig. Gleiches gilt für Kabel und Leitungen für den Installationsbereich. Die Hersteller der Geräte begrenzten auch im vergangenen Jahr die rückläufige Umsatzentwicklung durch erfolgreiche Exportgeschäfte. Für das laufende Jahr sind vor allem im ostdeutschen Baugewerbe weitere Einschränkungen angekündigt, so dass das produzierende Gewerbe erneut von Stagnation bedroht ist. Der Inlandsumsatz der Hausgeräteindustrie fiel nach anfangs positiven Tendenzen im vergangenen Jahr um 1,3 %. Demgegenüber konnte der Export mit einem Umsatzwachstum von 11,6 % seine Entwicklung fortsetzen. Für das laufende Jahr rechnet der ZVEI mit einem inländischen Wachstumspotential von rund 3 %. Vom Export werden nicht quantifizierbare Impulse erwartet. H. Kabisch Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 7 Branche aktuell 220 200 180 160 140 120 100 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 Inland Ausland Index: 1995 = 100 (gleitende 3-Monatsdurchschnitte: Jan. 1991 - Jan. 2001) Auftragseingang in der Elektroindustrie im Jahr 2000 Ein weiterer Anstieg um 11 % im ersten Quartal entspricht dem durchschnittlichen Wachstum des Vorjahres. Quelle: ZVEI
Autor
- H. Kabisch
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