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Elektrotechnik | Installationstechnik | Kabel und Leitungen

Baustromversorgung über die stationäre Zähleranlage des VNB

ep12/2003, 3 Seiten

Der Bau von Einfamilienhäusern wird aus Kostengründen von Bauherrn oft in Eigenregie übernommen, so dass die Fertigstellung teilweise 1 bis 2 Jahre dauert. Um die Bereitstellung eines Baustellenverteilers für so eine lange Zeit nicht in Anspruch zu nehmen wird sobald wie möglich die Zähleranlage montiert. Der Zähler wird vom Versorgungsnetzbetreiber (VNB) gesetzt und eine kleine Verteilung in Betrieb genommen. An diese werden die Wechselstrom- und Drehstromsteckdosen angeschlossen. Mit dieser Stromversorgung wird dann die Baustelle versorgt. Ist die Elektroinstallation fertig, so kann ich diese nach VDE 0100 T 610 überprüfen und somit die Anlage übergeben. Dies ist, so denke ich, eine gängige Praxis.

Hierzu habe ich einige Fragen: Damit der Zähler gesetzt wird, muss ich die Anmeldung unterschreiben. Damit bestätige ich, dass alle Vorschriften eingehalten wurden, eine Abnahmeprüfung durchgeführt und ein Protokoll über diese angefertigt wurde. Die zu überprüfende Anlage besteht aber zu diesem Zeitpunkt nur aus den Wechselstrom- und Drehstromsteckdosen. Kann ich dann davon ausgehen, dass ich auch nur für diese Anlage „unterschreibe" oder für die gesamte Anlage, die aber noch nicht besteht? Bin ich der Elektriker, der vom Anfang bis zum Schluss diesen Bau betreut, so kann ich auch die Erstprüfung für die gesamte fertiggestellte Anlage vornehmen und somit auch das bestätigen, was ich bei der Anmeldung (möglicherweise vor zwei Jahren) unterschrieben habe. Wer ist aber für die weiter Elektroinstallation verantwortlich, wenn sich nach dem Einbau des Zählers der Bauherr dafür entscheidet, die weiteren Elektroarbeiten einem anderen Elektriker zu übergeben oder, da es ja sowieso alles im Baumarkt zu kaufen gibt, seine weitere Elektroinstallation selbst ausführen will? Wie verhält es sich, wenn ein Bauherr von vornherein nur den Auftrag für die Zähleranlage vergibt. Nehme ich diesen Auftrag an, wer ist dann für den Rest der Elektroinstallation verantwortlich? Ich habe eine Anlage ordentlich überprüft, ein Protokoll erstellt und dem Kunden übergeben. Dieser Kunde erweitert seine Anlage selbst. Diese Erweiterung ist fehlerhaft, z. B. Schutzleiter nicht oder falsch angeschlossen. Wie kann ich nun nachweisen, dass diese Erweiterung bei der Übergabe der Anlage nicht vorhanden war? Nur durch die Besichtigungen, Erprobungen und Messungen, wie sie in VDE 0100 Teil 610 gefordert werden, ist das ja nicht gesichert. Selbst eine Bestandsaufnahme über die Ausstattung der einzelnen Räume bei der Übergabe der Anlage kann angezweifelt werden. Elektroinstallationen darf nur ein in das Elektroinstallateurverzeichnis eingetragener Installateur oder der VNB selbst vornehmen. Warum aber gibt es dann von der Unterverteilung bis zur Steckdose – seit neuestem sogar Zählerschränke mit dazugehöriger Unterschrift – in einem Baumarkt zu kaufen?


   

Autor
  • H. Senkbeil
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