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Elektrotechnik
9. Verbandstage des LIV Sachsen-Anhalt
ep7/2003, 1 Seite
Branche aktuell Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 7 515 Öffentliche Mitgliederversammlung In ihren Grußworten drückten Wolfram Kullik, Landrat des Landkreises Quedlinburg, Hans Hruschka, Vizepräsident der Handwerkskammer Magdeburg und Wilm Benthues, Verband der Elektrogroßhändler, ihre enge Verbundenheit zum LIV aus. Landesinnungsmeister Ulrich Ehrt (Bild ) ging in seiner Ansprache auf die prekäre Lage des LIV ein. Deutlich wurde, dass sich die Situation bei den Unternehmen dramatisch verschlechtert. Insolvenzen häufen sich; mit dem Umsatz, der Zahl der Beschäftigten und Lehrlinge (1995: 836, 2003: 291) geht es immer rasanter bergab. Als Ursachen hierfür gelten vor allem: · ungenügende Auftragslage, · schlechte Rahmenbedingungen, · erdrückende Steuerlasten, · zu hohe Lohnnebenkosten, · ruinöser Preiskampf und · immer mehr Schwarzarbeit. Ein ernstes Thema war auch der Erhalt des Meisterbriefs. Der LIV vertritt die Meinung: „Die Eröffnung eines Handwerksbetriebs ohne Meisterbrief ist der Untergang des deutschen Handwerks.“ Der Meisterbrief stellt einen gewissen Verbraucherschutz dar, gestattet individuelle Angebote und ermöglicht die Ausbildung. Außerdem schafft die Aushöhlung des Handwerksberufs keine neuen Arbeitsstellen. Neue Betriebe erhöhen nur den Preiskampf am Markt. Vorrangige Aufgabe der Politik sollte sein, die bestehenden Unternehmen zu erhalten. Politische Akzente In seiner Festrede führte Dr. Theodor Lühr, Landesministerium für Wirtschaft und Arbeit, (Bild ) aus, dass die wirtschaftliche Situation allgemein noch schlechter dargestellt wird, als sie ohnehin ist. Gerade in Sachsen-Anhalt mit einer Arbeitslosenquote von 21 % gilt es jedoch, entscheidende Maßnahmen zu ergreifen, um aus dieser Situation heraus zu kommen. Dazu dienen · ein neu geschaffenes Forum für Wirtschaft und Politik, · eine Ansiedlungsinitiative, · eine Investitionsbank des Landes Sachsen-Anhalt (wird in diesem Jahr gegründet), · Bereitstellen von Fördermitteln für Betriebe, die über den Eigenbedarf ausbilden und die Lehrlinge nach der Ausbildung übernehmen. Außerdem setzt sich das Land im Bundesrat dafür ein, das die Umsatzsteuer erst nach Abschluss des Auftrags zu entrichten ist. Skeptisch gesehen wird die Gründung von Ich-AGs. Betrieben ohne Meister fehlen die fachlichen Erfahrungen. Somit wird die Qualität der ausgeführten Arbeiten sinken. Da über Zuschüsse neue Betriebe geschaffen werden, wird sich auch der Konkurrenzdruck erhöhen. Aus diesen Gründen ist abzusehen, dass keine zukunftsträchtigen Betriebe geschaffen werden. Arbeitsmedizinische Betreuung Der LIV Sachsen-Anhalt hat sich im Rahmen der Vertreterversammlung der BGFE intensiv darum bemüht, die arbeitsmedizinische Betreuung der Kleinbetriebe kostengünstig durch das Unternehmermodell abzudecken [1]. Nachdem inzwischen einige Pilotseminare mit der BGFE gemeinsam durchgeführt wurden, bietet der LIV seinen Mitgliedsbetrieben nunmehr eigene Seminare an. Nach erfolgreichem Abschluss derselben können die Handwerksmeister in ihren Unternehmen die arbeitsmedizinische Betreuung und den Arbeitsschutz selbstständig wahrnehmen. Für den Handwerksmeister entstehen hierdurch natürlich höhere Belastungen, auf der anderen Seite reduzieren sich jedoch die betrieblichen Kosten. Neue Berufsbilder Durch die neu geschaffenen Berufsbilder (Bild ) ergibt sich für das Elektrohandwerk die Möglichkeit, seine Stellung am Markt wesentlich zu verbessern. 1998 wurde die Handwerksordnung durch den Gesetzgeber novelliert. Ziel der Novelle war, dass der Handwerker mit erweiterten Beschäftigungsmöglichkeiten dem Kunden ein breites Leistungsangebot „aus einer Hand“ anbieten kann. Nach über dreijähriger Beratungszeit einigten sich die beteiligten Ministerien, Sozialpartner und Spitzenverbände nun auf neue Ausbildungsstrukturen, fachlich/ technische Vorgaben, Berufsbezeichnungen und Prüfungsinhalte. Es wurden zukunftsweisende flexible und attraktive Berufe geschaffen, die sowohl den heutigen als auch den zukünftigen Anforderungen des Marktes gerecht werden. Unter anderem ist es gelungen, die Ausbildungsvarianten gegenüber der bisher bestehenden Struktur zu erhöhen. Das bedeutet, dass die Ausbildungstiefe künftig noch verstärkt werden kann. Dieses ist für die elektro- und informationstechnischen Betriebe deshalb von großer Bedeutung, weil die ausgelernten Gesellen schnellstens im beruflichen Alltag eingesetzt werden können. Nicht alle Ausbildungsinhalte sind neu, sie sind aber so strukturiert, dass sie die betriebliche Praxis stärker abbilden. Die neuen Ausbildungsberufe werden bereits ab 1. August in Kraft treten. Literatur [1] Elster, H.: Erweitertes Unternehmermodell - Pilotseminar zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Elektropraktiker, Berlin 56(2002) 4, S. 240-241. 9. Verbandstage des LIV Sachsen-Anhalt Eigeninitiative des Unternehmers gefragter denn je In Alexisbad - im romantischen Selketal des Harzes gelegen - führte der Landesinnungsverband Sachsen-Anhalt Anfang Mai seine diesjährigen Verbandstage durch. Wesentlicher Inhaltspunkt war, wie die schlechte Situation der Mitgliedsbetriebe verbessert und auf die Zukunft ausgerichtet werden kann. Dr. Theodor Lühr ist dafür, neue Handwerksunternehmen zu schaffen, aber nicht zu Ungunsten der bereits bestehenden Betriebe Ulrich Ehrt fordert den Erhalt des Meisterbriefs, um die Qualität der ausgeführten Arbeiten zu erhalten und wegen der notwendigen Ausbildung von Lehrlingen Ausbildungsberufe der elektro- und informationstechnischen Handwerke nach der Handwerksnovelle 1998, anzuwenden ab 08/2003 Elektromaschinenbauer Handwerk Informationstechniker-Handwerk Elektrotechniker-Handwerk Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik Systemelektroniker/-in (alt E-Mechaniker) Fachrichtung Automatisierungstechnik Informations-und Telekommunikationstechnik Energie-und Gebäudetechnik Fachrichtung Fachrichtung Elektroniker/-in (alt E-Installateur und Fernmelder) Schwerpunkt Bürosystemtechnik Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik Informationselektroniker/-in nach Handwerksnovelle 1998 Ausbildungsberufe ab 08/2003
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