
Blockierte Energiewende
Wind ohne Kraft
Wirtschaftsminister Gabriel unterwirft sich endgültig der Kraftwerkslobby. Er drosselt den Ausbau der Windkraftanlagen. Bei E.ON & Co. spritzt der Schampus.
Energy Brainpool untersuchte u. a. das Atomkraftwerk Brokdorf und das Steinkohlekraftwerk Moorburg. Dabei machte das Institut nach eigenen Angaben eine interessante Entdeckung.
Beide Kraftwerke liefen auch dann mit nahezu voller Leistung, wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde. Lag der Strompreis an der Leipziger Energiebörse unter Null, drosselten sie ihre Leistung. Das beweist, dass eine Abregelung von Großkraftwerken nicht so kompliziert ist, wie die Betreiber gern behaupten. Man muss nur wollen.
14 Megawatt in 45 Minuten? Null problemo.
Auch ein Netzbetreiber widerlegt Gabriels Behauptung, die permanent steigende Produktion regenerativer Energie hätte ein teures Netzmanagement zur Folge.
Der Geschäftsführer der 50Hertz Transmission GmbH, Boris Schucht, erklärt dazu im Interview mit dem Tagesspiegel:
"Es gibt einige Mythen in der Energiewirtschaft. Einer davon ist die Vorstellung, man brauche bei der Integration erneuerbarer Energien sofort mehr Flexibilität im System. Also Speicher oder abschaltbare Lasten oder Backup-Kraftwerke. Das ist ein Mythos. Wir haben viel mehr Flexibilität im System, als wir benötigen. Wir haben auch noch riesige weitere Potenziale."
Wie robust die Netze jetzt schon sind, erläutert Schucht am Beispiel der Sonnenfinsternis vom 20. März 2015. Als nach der Verdunkelung die Sonne wieder schien, stieg die Solarleistung in 45 Minuten auf 14 Megawatt. Die gesamte Leistung wurde problemlos abgefangen.
"Wir sind auf dem richtigen Weg, um in der Lage sein zu können, in Zukunft 70 bis 80 Prozent erneuerbare Energien ohne zusätzliche Flexibilitätsoptionen integrieren zu können. Was wir an Flexibilitätsangeboten haben, wird uns bis 2030 oder sogar 2040 ausreichen."
Denkmalschutz für die Welt von gestern
Die Einrichtung der Gabriel-Zonen, die Deckelung des Anteils erneuerbarer Energie, die vorgeschobenen Netzengpässe – jede dieser Maßnahmen dient nur einem Ziel: Die herkömmlichen Kraftwerke so lange wie möglich vor der Konkurrenz durch erneuerbare Energien zu schützen.
Der Wirtschaftsminister richtet eine begehbare Museumslandschaft ein. Wie in den USA, wo Enthusiasten in Living-History-Dörfern das Leben ihrer Vorfahren in Tipis und Blockhütten nachspielen, werden die deutschen Kohlekraftwerke zu teuren Industrieparks aus einer versinkenden Zeit.
Gegen die weltweite technologische Weiterentwicklung kann sich Gabriel stemmen, aufhalten wird er sie nicht. Eben lief eine Meldung aus der Solarforschung durchs Netz: Experten sagen die Marke von einem US-Dollar pro installiertem Watt Sonnenstrom voraus.
Gabriel kann Windkraft und Photovoltaik in Deutschland mit großem Rumms gegen die Wand fahren: Das Sauriersterben der Kohlekraftwerke hat trotzdem begonnen.
Und dann? Lebbe geht weider. Das wusste schon der große Fußballphilosoph Dragoslav Stepanović.
