
Blockierte Energiewende
Wind ohne Kraft
Wirtschaftsminister Gabriel unterwirft sich endgültig der Kraftwerkslobby. Er drosselt den Ausbau der Windkraftanlagen. Bei E.ON & Co. spritzt der Schampus.
Dabei ist zu beachten, dass die Bundesregierung ausschließlich mit Bruttowerten rechnet. Der Ersatz verschlissener Anlagen wird in die staatlich erlaubten Zuwachsraten einbezogen. Da absehbar ist, dass die Windkraftparks der ersten Stunde in den nächsten Jahren ersetzt werden müssen, reduziert sich der Spielraum für die Errichtung neuer Anlagen erheblich.
Weißt du, wo ich wohne? Ich wohne in der Zone.
Gabriels Zonenplan sieht folgendes vor:
Zone 1: In diesen Bundesländern soll der größte Teil der zukünftigen Windparks errichtet werden. Theoretisch könnten hier alle neuen Anlagen bis zur 2.800 bzw. 2.900 Megawatt-Grenze stehen.
Zone 2: Für Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein sowie Teile von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ordnet Gabriel eine Reduzierung neuer Windkraftanlagen an. Genehmigt werden dürfen nur noch Windräder bis zu einer jährlichen Gesamtleistung, die 42 Prozent unter dem Durchschnitt der Gesamtleistung der vergangenen drei Jahre liegt.
Warum der Windkraftbann ausgerechnet die windreichsten Bundesländer trifft, begründet Gabriel mit Netzengpässen:
"Zwar herrschen in Norddeutschland für Windenergie die besten Bedingungen, andererseits fehlen dort besonders viele Stromnetze. Deshalb wird in den Regionen, in denen es Netzengpässe gibt, der Zubau von Windrädern begrenzt auf 58 Prozent des Durchschnitts der letzten drei Jahre."
In Norddeutschland müssen Erneuerbare-Energien-Anlagen immer öfter abgeregelt werden, um an sonnen- oder windreichen Tagen die Stromnetze nicht zu überlasten. Die Anlagenbetreiber werden für die Abregelung entschädigt. Das Geld holt sich Gabriel von den privaten Stromkunden zurück. Eine klassische Umverteilung zulasten der kleinen Leute – SPD bleibt SPD.
Getretner Quark wird breit, nicht stark
Für diese unschöne Situation macht Minister Gabriel die rasant wachsenden erneuerbaren Energien verantwortlich. Unermüdlich wiederholt er, wie viele Kilometer Stromtrassen von Nord nach Süd fehlen und was die Trassen kosten würden.
Doch Netzengpässe sind kein Grund für einen Stopp der Energiewende.
Eine Analyse des Beratungsinstituts Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace kommt zum Ergebnis, "dass die Probleme von starren Großkraftwerken verursacht werden, die die Netze verstopfen und teures Netzmanagement nötig machen."
Daraus schlussfolgert Greenpeace:
"Die Energiekonzerne lassen ihre unflexiblen Großkraftwerke auch dann mit hoher Auslastung laufen, wenn genug Wind- und Sonnenstrom da sind. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch teuer für die Stromkunden. Statt Windräder muss die Bundesregierung für die Energiewende mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz nehmen und Platz schaffen für die Erneuerbaren."
