Zum Hauptinhalt springen 
Betriebsführung und -Ausstattung | Regenerative/Alternative Energien | Energietechnik/-Anwendungen

Konkurrenz am Energiemarkt

Web.de wird Stromverkäufer

23.09.2016

Discountstrom per Mail: Web.de verkauft ab sofort Strom. Für den Mutterkonzern United Internet soll das der Einstieg in ein viel größeres Geschäft sein – mit Smart Metern und vernetztem Wohnen.

Wie vertreibt United Internet die Stromverträge? Offizieller Anbieter ist die 1&1 Energy GmbH, eine Tochtergesellschaft von United Internet. Vertrieben werden die Tarife über die konzerneigenen Portale web.de und GMX.de. Für die Tarifwahl hat web.de eine eigene Website eingerichtet. In den kommenden Wochen will United Internet bei jedem Nutzer der Portale web.de und GMX.de für das Stromangebot werben. Damit erreicht das Unternehmen insgesamt ca. 30 Millionen potenzielle Kunden. Zwar werden bei web.de und GMX.de ca. 60 Millionen Emailkonten geführt, doch viele davon sind Zweit- und Drittaccounts der selben Nutzer. Welche Tarife werden angeboten?Strom Kombi
Zwei Jahre Vertragslaufzeit plus ein kostenloses iPad Air 2 Strom Bonus
Ein Jahr Laufzeit plus Neukundenbonus Strom Flex
Monatliche Kündigungsfrist, kein Geschenk oder Bonus Für jeden Tarif gilt eine Mindestabnahmemenge von 1.500 kWh/Jahr:

Nichts für sparsame Haushalte: United Internet will klotzen, nicht kleckern (Quelle: www.energie.web.de,Screenshot: ep)

Gelten die Angebote nur für Nutzer von web.de oder GMX.de? Die Stromverträge können von jedermann abgeschlossen werden. Ein Mail-Konto bei web.de und GMX.de ist nicht erforderlich. Woher bezieht United Internet den Strom? Der Konzern ist weder an Kraftwerken noch an Stromnetzen beteiligt. Er kauft den Strom an der Leipziger Strombörse zu tagesaktuellen Preisen und verkauft ihn an seine Kunden weiter. Nach eigenen Aussagen will United Internet Preisvorteile an die Kunden weiterreichen. Mit diesem Geschäftsmodell hat United Internet Erfahrung. DSL- und Handyverträge werden auf ähnliche Weise seit Jahren erfolgreich vertrieben. Der Konzern ist ein Reseller – er kauft Leistungen bei anderen Unternehmen ein und verkauft sie mit Gewinn weiter. Warum steigt United Internet ins Stromgeschäft ein? Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht Jan Oetjen, Geschäftsführer von web.de, über die Strategie des Konzerns: "Einen intelligenten Stromzähler kann nur einbauen, wer den Kunden mit Strom versorgt. Diesen Zugang wollen wir uns nun mit einem ersten Schritt sichern." Oetjen geht davon aus, dass Smart Meter ab 2020 in jedem Haushalt Pflicht sind. Dann kann der Stromkunde seine Wohnung zum Smart Home umbauen: den Stromverbrauch an den Ökostrom anpassen, der vom Wetter abhängig ist, oder die Batterien für E-Autos als Strompuffer nutzen. Oetjen sieht das Smart Home als gewinnträchtige Zukunftsvision. In diesem Geschäft wird aber nur derjenige erfolgreich sein, der über das Smart Meter direkten Kontakt zum Kunden besitzt, glaubt Oetjen. Deshalb ist der Verkauf von Strom für United Internet nur Mittel zum Zweck. Denn die Voraussetzung für den Einbau von Smart Metern ist die Stromversorgung. Mit dem Stromverkauf steckt der Konzern sein Revier ab. Nach 2020 will er die Ernte einfahren – wenn zehntausende Smart Meter zu installieren sind und den Stromkunden die Umrüstung ihrer Wohnungen zum Smart Home schmackhaft gemacht wird. In Verbindung stehende Artikel
Energiesparlampen: BGH stoppt Vertrieb von Lampen mit erhöhtem Quecksilberwert
Energieeffizienz: EU verbietet 230-Volt-Halogenlampen
Von einem, der auszog, ein Smart Home zu bauen
Energieeffizienzkampagne: Teure bunte Bilder

Autor
Name: Jürgen Winkler