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Elektrotechnik | Installationstechnik | Kabel und Leitungen | Energietechnik | Elektromobilität

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Wallbox installieren im Winter

15.07.2025

Die Verlegung von Kabeln und Leitungen darf nur innerhalb eines festgelegten Temperaturbereiches erfolgen. Welche Auswirkungen kann eine nicht normkonforme Verlegung einer Leitung unterhalb der Mindestverlegetemperatur haben?

Frage:
Wir installieren Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die Auftragszahlen für Wallboxen explodieren geradezu und die Kunden wünschen eine schnellstmögliche Installation auch im Winter. Allerdings sinken die Temperaturen jetzt unter + 5 °C und bald auch unter – 5 °C. Den Kunden sind die Mindestverlegetemperaturen für NYM- und NYY-Leitungen egal. Sehe ich das richtig, dass Leitungen und Kabel in der „Winterzeit“ (fast) nur im Innenbereich (z. B. Garage) installiert werden können? Selbst wenn man die Leitung in der Kundenwohnung „vorwärmt“, kühlt sie innerhalb von 10 – 15 min wieder aus, sodass eine normkonforme Leitungsverlegung im Carport kaum möglich ist. Welche Folgen bzw. Auswirkung kann die Verlegung einer Leitung unterhalb der Mindestverlegetemperatur haben?

Antwort: 
Seit Jahrzehnten schon sind in den Normen für Kabel und Leitungen die Mindesttemperaturen bei der Legung festgeschrieben. Dass sie auch bei Überarbeitung der Regeln seit Jahren unverändert geblieben sind, spricht für die Zuverlässigkeit der Angaben. So ist in DIN VDE 0276-603 (VDE 0276-603) [1] die tiefste Kabeltemperatur bei der Verlegung für Kabel mit PVC-Mantel mit – 5 °C und für Kabel mit PE-Mantel mit – 20 °C angegeben.

Zudem sollten stets die Datenblätter und Verlegehinweise der Hersteller aber auch Vertragsbedingungen beachtet werden, in denen Aussagen zu den Verlegebedingungen getroffen werden.

Verarbeitung bei tiefen Temperaturen. In DIN VDE 0276-603 (VDE 0276-603) [1] heißt es im Abschnitt A.4.11: „Die tiefste Temperatur der Kabel während der Legung ist in den Hauptabschnitten dieses Harmonisierungsdokuments angegeben. Diese Temperatur gilt für das Kabel selbst und nicht für die Umgebung. Haben Kabel eine niedrigere Temperatur als erlaubt, dürfen sie auf die tiefste zulässige Temperatur erwärmt werden. Dieser Vorgang kann ein bis zwei Tage dauern.“

Die vorgegebenen Temperaturwerte sind sehr ernst zu nehmen, da die Isolier- und Mantelwerkstoffe bei Temperaturen unterhalb der normalen Umgebungstemperaturen zunehmend steifer bis brüchig werden, sodass Risse die Isolationsfähigkeit irreversibel bis zur Unbrauchbarkeit herabsetzen.

Es ist ratsam, Kabel und Leitungen vor dem Verarbeiten stets so zu lagern und zu transportieren, dass sie nicht auskühlen.

Anschluss einer Wallbox. Generell müssen Kabel und Leitungen für den jeweiligen Anwendungszweck geeignet sein. Daher sollte der Anfragende den Einsatz robusterer Kabel/Leitungen prüfen.

Solange es nicht gerade um die Errichtung eines größeren Ladestützpunktes mit mehreren Ladeplätzen unterschiedlicher Parameter geht, sondern um einen einzelnen Ladeplatz mit einem geeigneten und auf die Bedürfnisse des Kunden orientierten fabrikfertigen Ladegerätes, erfolgt die Installation oft vorzugsweise innerhalb einer Garage oder eines geschützten Bereichs unter einem Carport. In diesem Fall wäre lediglich die Zuleitung zu verlegen und anzuschließen, sodass auch geprüft werden kann, ob bei einer guten Vorbereitung und Organisation der Arbeit mit einer vorgewärmten Leitung dieser Anschluss in einer Zeit möglich ist, ehe die Leitung auskühlt.

Provisorium. Alternativ wäre eventuell ein provisorischer Anschluss mit einer robusteren Schlauchleitung möglich. Der endgültige Festanschluss des Ladegerätes könnte dann vorgenommen werden, wenn die Temperaturen es wieder zulassen.

Autor: F. Schmidt

Quellen

[1] DIN VDE 0276-603 (VDE 0276-603):2010-03 Starkstromkabel – Teil 603: Energieverteilungskabel mit Nennspannung 0,6/1 kV.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.