Elektrosicherheit – wichtige Grundlagen
Teil 6: Was passiert beim Elektro- oder Blitzunfall?
In diesem Teil, der diese Beitragsserie abschließt, werden Grundsätze zur Beurteilung möglicher Folgeschäden zusammengefasst. Besondere Beachtung finden dabei Aspekte der Rechtsmedizin sowie der Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die gegebenen Übersichten können auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik Tätigen, Ersthelfern, Therapeuten und medizinischen Gutachtern bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit helfen, diese eher seltene Art von Unfällen einheitlicher zu bewerten. Der Hinweis auf systematische Unfallanalysen rundet auch in diesem Beitrag das Thema ab, um zukünftig aus der Praxis wertvolle Erfahrungen in die Prävention einfließen zu lassen.
- Ggf. Tod.
Elektrounfall/Blitzunfall – wesentliche Unterschiede
Elektrounfall – Niederspannung
Allgemein: Ca. 80 % sogenannte elektrische Wischer, oft durch unvorsichtigen Umgang provoziert, bleiben ohne nachhaltige körperliche Beeinträchtigungen. Die Stromkreisunterbrechung innerhalb von
< 100 ms (FI-Schutz!) gilt als eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen.
Herz: Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern in Abhängigkeit von Stromweg (Herz!) und Durchströmungsdauer (mit einem Absinken der Flimmerschwelle im Bereich 100 ms bis 500 ms um den Faktor 12 ist zu rechnen) sowie in Abhängigkeit des „herzwirksamen Teilstroms“.
Haut: Abgegrenzte, punktförmige Strommarken, oft von einem weißen „porzellanartigen Wall“ umgeben [7]. Der Wärmestau mit anschließendem Hautdurchschlag entlang der Austrittskanäle von Schweißdrüsen kann bei Durchströmungszeiten über ca.
1 s auch in tieferen Schichten begrenzte Verkochungen des Gewebes herbeiführen. Im Falle von Lichtbogeneinwirkung starke Oberflächenverbrennungen sowie Verblitzung der Augen.
Elektrounfall – Hochspannung
Allgemein: Gefahr entsteht bereits durch Annäherung an Hochspannung führende Teile! Bei Lichtbogenbildung zusätzliche intensive Licht- und Wärmestrahlung. Im Fall von die Erde berührenden, noch unter Spannung stehenden Teilen/Leitern können lebensbedrohende Schritt- (Nahbereich ca. 10 bis 20 m) und Berührungsspannungen auftreten (stellt höhere Anforderungen an Eigenschutz!). In der Regel handelt es sich um Arbeitsunfälle (z. B. bei Kran- und Dacharbeiten); bei jugendlichem Übermut sind es oft grob-fahrlässige Annäherungen, vor allem zur Oberleitung von Bahnanlagen. Das thermische Trauma tritt in den Vordergrund, eine Wirkung auf das Herz ist aber nicht ausgeschlossen.
Herz: Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern oder einer Asystolie.
Haut: Großflächige, in die Tiefe gehende Verbrennungen (vorwiegend Arme und Beine) I. bis IV. Grades durch hohe Körperströme (Erstes Joulesches Gesetz, Stromwärmegesetz: W = I2 x R x tD) und (Stör-)Lichtbogeneinwirkung.
Blitzunfall
Hauptgefahr besteht bei nahenden, bestehenden und abklingenden Gewitterfronten in Sommermonaten. Im Freien (z. B. sportliche Aktivitäten, Landwirtschaft, größere Menschenansammlungen auf Freiflächen) ist erhöhte Wachsamkeit gefordert!
Durch impulsförmige Einwirkungen in Abhängigkeit von der Art der Blitzentladung (vgl. die Bilder 1 und 2 im Teil 4 der Beitragsserie, Ausgabe 07-2014 des Elektropraktiker, S. 575 u. 576) treten bedeutend höhere Beanspruchungen durch Spannungs- und Stromamplituden als bei Unfällen durch technische Elektrizität auf. Die Bildung farnblattähnlicher Muster auf Haut und Kleidung ist möglich. Die Wirkungsmechanismen sind noch nicht geklärt.
Die unter „Hochspannungsunfall“ beschriebenen Merkmale treffen weitestgehend zu, jedoch:

