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Kaufanreiz für E-Autos

Sag mir, wo die Prämien sind …

26.07.2016

… wo sind sie geblieben? Trotz staatlich verordneter Kaufprämien sinken nicht bei allen E-Autos die Preise. Ja – wer hätte das denn ahnen können?

Zugegeben, die Frage ist rhetorisch gemeint. Schon im März 2016 registrierte das Manager Magazin Preiserhöhungen für Elektroautos. Damals war die Kaufprämie noch nicht beschlossen, sie wurde gerade diskutiert.  Doch vorbeugen ist besser als zu wenig Geld verdienen, dachten sich zwei französische Automobilhersteller. Ihre baugleichen Modelle Peugeot iOn und Citroën C-Zero kosteten plötzlich 19.390 Euro. Vorher betrug der Listenpreis 17.850 Euro. Die spätere Kaufprämie von Vater Staat vertuschte die Preissteigerung und machte sie weniger hässlich. Auch Renault griff tief in die Trickkiste.  Vor der Einführung der Kaufprämie subventionierte Renault sein Erfolgsmodell Zoe mit 5.000 Euro aus der eigenen Tasche. Dadurch sank der Preis von 21.500 Euro auf 16.500 Euro.  Seit dem Kaufprämienbeschluss bietet Renault den Zoe immer noch mit 5.000 Euro Rabatt an. Sehr gut, denkt sich der potentielle Käufer, 5.000 Euro von Renault plus 4.000 Euro vom Staat sind 9.000 Euro – macht zusammen einen Schnäppchenpreis von 12.500 Euro für den schnuckligen Zoe. Denkste. Die Strategen von Renault verrechnen die staatliche Kaufprämie mit ihren eigenen Rabatten. Renault selbst gewährt nur noch 1.000 Euro Preisnachlass. 2.000 Euro sind der Eigenanteil von Renault an der Kaufprämie, darum kommt der Hersteller nicht herum. Die anderen 2.000 Euro schenkt der Staat dem Kunden von Renault.  Das war's. Mit diesem legalen Trick schafft es Renault, den Preis für den Zoe trotz Kaufprämie bei konstant 16.500 Euro zu halten. Als hätte es die 4.000-Euro-Prämie nie gegeben. Andere Hersteller drücken den Preisnachlass inklusive Kaufprämie auf homöopathische Dosen (Nissan Leaf: 155 Euro, BMW 225xe: 400 Euro). Auch sie verrechnen die früher gewährten Rabatte mit dem Prämiengeld, das ihnen der Steuerzahler in die Portokasse legt. Ein simpler, aber wirkungsvoller Mitnahmeeffekt. Dass die Automobilindustrie die Kaufprämie einstreicht, um die Bilanzen aufzuhübschen, hätte nun wirklich niemand ahnen können – so seriös, wie dieser Industriezweig ist. Und nun zu etwas ganz anderem Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat die Verkaufszahlen für Elektroautos mit Stand vom 21. Juli veröffentlicht. Die Nachfrage bleibt weiterhin schleppend. 1.234 Anträge für den Kauf eines Elektro- oder Hybridautos wurden seit 2. Juli gestellt. Im Vergleich zur Vorwoche (Stand 14. Juli, ep berichtete) ein sattes Plus von 298 Fahrzeugen. An den Rankings hat sich nicht viel geändert. Der Renault Zoe bleibt Deutschlands E-Darling. Die Zahl seiner Bestellungen wuchs von 184 auf 311 (plus 127). Auch BMW i3 legt zu, von 127 auf 244 Bestellungen (plus 117). Weder beim Verhältnis Privat- und Dienstwagen noch bei den Bundesländern (Süd vor Ost) hat sich etwas geändert. Ostdeutschland scheint weitgehend ein E-Auto-freies Territorium zu bleiben.  Selbst in der Hauptstadt Berlin muss man die Käufer mit der Lupe suchen. Aktuelle Einwohnerzahl: 3.520.031. Kaufanträge für ein E-Auto: 28. In Verbindung stehende Artikel:
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Autor
Name: Jürgen Winkler