Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Prüfung des Isolationswiderstands
Wie genau erfolgt die Prüfung des Isolationswiderstandes und in welchen Normen und Vorschriften wird dies geregelt?
Frage:
In unserem Unterricht vermitteln wir auch Kenntnisse zu den Schutzmaßnahmen. Leider gibt es unterschiedliche Aussagen zur Prüfung des Isolationswiderstandes. Welche Norm gibt seit wann aktuelle Aussagen zur Durchführung der Messung an ortsveränderlichen Geräten, in ortsfesten Anlagen und in Maschinen? Insbesondere geht es um die Frage, wann der Iso-Widerstand zwischen den aktiven Leitern zu messen ist und ob eine gemeinsame Prüfung der aktiven Leiter gegen PE korrekt ist. Ich arbeite mit Azubis ab dem 1. Ausbildungsjahr und muss zunächst einmal ganz einfache Sachverhalte erklären. Bisher konnten wir zur Prüfung des Riso einen Adapter verwenden, der die aktiven Leiter kurzgeschlossen hat und dann mittels der Prüfspannung des Prüfgerätes gegen den PE-Leiter den Wert ermitteln. Bei den Abschlussprüfungen der Mechatroniker tauchte nun die Forderung auf, dass alle aktiven Leiter auch untereinander einer Isolationsprüfung zu unterziehen seien. Ist diese Forderung richtig? Wir erhielten dazu auch eine Anfrage aus einer Firma, die Sondermaschinen herstellt und deren Azubis wir ausbilden.
Antwort:
Die Isolationswiderstandsmessung ist die älteste Messmethode zum Nachweis der elektrischen Sicherheit. Sie wurde bereits mit der ersten VDE-Vorschrift 1896 [1] eingeführt. Dort heißt es: „§ 17 Isolation der Anlage
Der Isolationswiderstand des ganzen Leitungsnetzes gegen Erde muss mindestens 1 000 000 / n Ω betragen. Außerdem muss für jede Hauptabzweigung die Isolation mindesten 10 000 + (1 000 000 / n) Ω betragen. In diesen Formeln ist unter n die Zahl der an die betreffende Leitung angeschlossenen Glühlampen zu verstehen, einschließlich eines Äquivalentes von zehn Glühlampen für jede Bogenlampe, jeden Elektromotor oder anderen stromverbrauchenden Apparat.
Bei Messungen von Neuanlagen muss nicht nur die Isolation zwischen den Leitungen und der Erde, sondern auch die Isolation je zweier Leitungen verschiedenen Potentials gegen einander gemessen werden; hierbei müssen alle Glühlampen, Bogenlampen, Motoren oder andere stromverbrauchende Apparate von ihren Leitungen abgetrennt, dagegen alle vorhandenen Beleuchtungskörper angeschlossen, alle Sicherungen eingesetzt und alle Schalter geschlossen sein.“
Es ist erstaunlich, wie die heute noch geltenden Grundregeln zur Isolationsmessung auch damals schon detailreich aufgestellt waren. Auch der heute noch in vielen Normen gültige Grenzwert von 1 MΩ war damals schon enthalten. Ebenso fand sich die aktuelle Verfahrensweise, bei Neuanlagen alle Leiter gegen alle Leiter zu messen.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde die VDE vielfach geändert und in unzählige einzelne Titel aufgeteilt. Teilweise gab es dann auch Rückschritte, wie etwa in der Ausgabe von 1910, in der es bei den Errichtungsvorschriften nur noch hieß, der Isolationswiderstand einer neuen Anlage müsse „angemessen“ sein.
Aktuelle Situation. Die aktuelle DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [2] zur Erstprüfung von elektrischen Anlagen hat sich im Vergleich zur vorhergehenden Ausgabe wieder verändert: Während in der Ausgabe von Juni 2008 [3] ganz klar nur die Isolationsmessung aller aktiven Leiter gegen Erde gefordert war, ist nun (wieder) die Messung aller Leiter gegen alle Leiter gefordert. Es wird im Normtext sehr viel Wert daraufgelegt, dass bei einer Erstprüfung alle Leitungsstrecken auf Isolation geprüft werden.
Wenn der Stromkreis Betriebsmittel enthält, die die Messergebnisse beeinflussen oder beschädigt werden können, dann ist nur die Messung aller aktiven Leiter gegen Erde nötig. Dabei dürfen dann auch die aktiven Leiter miteinander verbunden werden.
Die Messung aller Leiter gegen alle Leiter war zuletzt in der DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):1987-11 [4] generell enthalten, seit 1994 bis 2017 galt dann nur die Messung aller aktiven Leiter gegen Erde. Es gab jedoch Ausnahmen für z. B. feuergefährdete Betriebsstätten und explosionsgefährdete Bereiche: hier mussten immer alle Leiter gegen alle Leiter geprüft werden.
Wiederholungsprüfung. Bei der Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [5] mit Berichtigung 1 [6] müssen grundsätzlich nur die aktiven Leiter gegen Erde gemessen werden.
Die Isolationsmessung kann jedoch nun entfallen, wenn der Stromkreis durch eine Differenzstrom-Überwachung (RCM) oder eine Isolationsüberwachung (IMD) dauerhalft überwacht wird.
Autor: M. Lochthofen
Quellen
[1] Etz Jahresband 1896, Seite 22f.
[2] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.
[3] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2008-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.
[4] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):1987-11 (zurückgezogen) Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1 000 V – Erstprüfungen.
[5] DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1):2017-06 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen; Änderung A1: Wiederkehrende Prüfungen
[6] DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1 Berichtigung 1):2020-10 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen; Änderung A1: Wiederkehrende Prüfungen

