Aus dem Facharchiv: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Betriebsführung
Nicht sich selbst überlassen – Schutzeinrichtungen in Mittelspannungsschaltanlagen überwachen
Aus Erfahrung machen Betreiber und Schaltberechtigte oftmals um die Schutzeinrichtungen in ihren Anlagen einen ehrfurchtsvollen Bogen. Selbst wenn die heutigen Schutzrelais über raffinierte Eigenkontrollen verfügen, ganz auf sich allein gestellt dürfen sie dennoch nicht bleiben.
Hochspannungssicherungen
Kurzbeschreibung: Hochspannungssicherungen (HH-Sicherungen) werden eingesetzt zum Schutz bei Überströmen (Überlast, Kurzschluss) und gehören zu den zuverlässigsten Schutzeinrichtungen überhaupt. Typische Kennwerte und Grundsätze zu Sicherungen sind in [1] enthalten; die Absicherung von Motoren ist in [2] beschrieben, Transformatorenabsicherungen erfolgen nach [3].
Die Bemessungsspannungen für Sicherungseinsätze liegen zwischen 3,6 und 72,5 kV.
Eine Spannungsangabe, wie zum Beispiel 10/24 kV, beschreibt den zulässigen Einsatzbereich.
Der Schlagstift dient sowohl als Kennmelder mit den üblichen Kennzeichnungsfarben für den Bemessungsstrom (beispielsweise rot für 10 A) als auch zum Betätigen der Freiauslösung angebauter Lastschalter.
Anwendungshinweise
- Im Stationszubehör müssen geeignete Reservesicherungen vorgehalten werden.
- Sicherungen dürfen nur gegen den gleichen Typ ausgewechselt werden. Steht dieser nicht zur Verfügung, sind Ersatzsicherungen nach den sogenannten Referenzlisten auszuwählen; oder es ist der Sicherungshersteller zu konsultieren.
- Auch wenn eine oder zwei Sicherungen angesprochen haben, ist stets der komplette Satz zu wechseln.
- Reservesicherungen (Bild 1) sollten bis zu ihrem Gebrauch in ihrer Verpackung verbleiben ([4], Abschnitt 10).
Abhängiger Maximalstrom-Zeitschutz
Kurzbeschreibung: Der abhängige Maximalstrom-Zeitschutz (AMZ) ist auch als abhängiger Überstromzeitschutz bekannt. Charakteristisch für das AMZ-Verhalten ist die Zeit-Strom-Kennlinie zum Beispiel einer Schmelzsicherung: Je größer der Strom, desto kürzer ist die Auslösezeit (Bild 2). Der parabolische Kurvenverlauf folgt aus der quadratischen Abhängigkeit der Energie zwischen Strom und Zeit.
Bei AMZ-Relais erfolgt nach dem Überschreiten eines eingestellten Ansprechstromes das Ausschaltkommando. Der Strom kann entweder dem Relais direkt zugeführt (Primärrelais) oder aus Wandlern gewonnen werden (Sekundärrelais). Typische Beispiele für den AMZ-Schutz sind die thermischen Auslöser an Leistungs- oder Motorschutzschaltern. Digitale Schutzrelais ermöglichen die Einstellung verschiedener Auslösekennlinien.
Wenn zusätzlich die Impedanzwerte der zu schützenden Anlagen/Kabel/Leitungen bekannt sind, kann der digitale Schutz auch den Fehlerort identifizieren.
Unabhängiger Maximalstrom-Zeitschutz
Kurzbeschreibung: Der unabhängige Maximalstrom-Zeitschutz (UMZ) ist auch als unabhängiger Überstromzeitschutz bekannt. Beim Überschreiten eines eingestellten Stromwertes wird nach Ablauf einer frei und stromunabhängig festgelegten Zeit der Ausimpuls an den Leistungsschalter erteilt (Bild 3).
Durch die Anordnung mehrerer UMZ-Relais in Reihe kann ein mehrstufiger Schutz mit hoher Selektivität erreicht werden.

