Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Netzrückwirkungen stören Schutzeinrichtungen
In einem Foto- und Designstudio, angesiedelt in einem großen Industriepark, löste ein Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) sehr häufig aus. Aufgrund der permanenten Stromausfälle konnte diese Firma an vielen Tagen pro Monat nicht vernünftig arbeiten. Es bedurfte einer schnellen Lösung des Problems, aber selbst die Betriebselektriker konnten den Fehler nicht finden. Das gelang erst mit einer vertiefenden Netzanalyse.
Alle Kabel und alle Verbraucher haben die Isolationsprüfung bestanden und können als Fehlerquelle ausgeschlossen werden.
Weitere Untersuchungen außerhalb der Energieverteilung
Im Erdgeschoss dieses Gebäudes befindet sich allerdings eine andere Firma, welche frequenzumrichtergeregelte Antriebe einsetzt für die Produktion und Bearbeitung von Metallteilen.
Um den Grund für die Fehlauslösung des Fehlerstrom-Schutzschalters zu finden, wurde nun folgender Messaufbau installiert und in Detektivarbeit mit hochwertiger Messtechnik nach dem Fehler gesucht.
Wie im Bild zu erkennen ist, wurde ein Power Quality Netzanalysator PQ-Box 300 der Firma A. Eberle in der Unterverteilung des Fotostudios installiert. Die schwarzen Stromzangen für die Leiter L1, L2, L3 und N erfassen die Ströme über unseren RCD, während eine fünfte Stromzange (rot) den Differenzstrom zusätzlich erfasst.
Dieser ist der Summenstrom der drei Außenleiterströme und des Neutralleiters und somit genau der Strom, der auch vom RCD für ein Auslösen bewertet wird.
Zu jedem Zeitpunkt muss die Summe der Momentanwerte der Ströme L1, L2, L3, N den Wert 0 ergeben. Der sich ergebende Differenzstrom, erfasst über die fünfte Stromzange, entspricht somit dem Strom, der über die Erde als Fehlerstrom oder Ableitstrom fließt. Die Spannungen wurden, wie ebenfalls im Bild zu erkennen ist, über Magnetabgriffe am Ausgang des RCDs angeschlossen. Diese Magnetabgriffe sind recht bequem und schnell in einer Installation anzubringen, da die Schrauben von Sicherungsautomaten und Schutzschaltern immer ferromagnetisch sind und somit hier Magnetabgriffe sehr einfach und in wenigen Sekunden adaptiert werden können.
Autor: J. Blum
Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

