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Johannes Möller – Brandmanagement Light + Building (ab 2020); (Bild: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Pietro Sutera)
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Light + Building: Was war, was ist und was wird sein?

29.07.2020

Zum Juli 2020 hat Maria Hasselman den Staffelstab der Light + Building an Johannes Möller übergeben. Und das – wie sich das im Hochleistungssport gehört – im Sprint. Zeit genommen haben sich der bisherige und der künftige Kopf der Weltleitmesse trotzdem. Und zwar für ein Interview, miteinander.

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Johannes Möller:
Maria, als sich ZVEI und ZVEH im Jahr 1999 dazu entschlossen haben, eine Veranstaltung in Frankfurt am Main zu unterstützen, wurde die Light + Building geboren. Du hast die Ereignisse von Anfang an begleitet. Wie fühlt sich die Entstehung einer Weltleitmesse an?

Maria Hasselman:
Ich war damals Verkaufsreferentin und durfte aus der ersten Reihe mitverfolgen, wie die Light + Building entstanden ist – Produktgruppen, Sonderschauen, Top-Themen. Es war auch im übertragenen Sinne elektrisierend.
 
Johannes Möller:
Was hat Dich seinerzeit am stärksten beeindruckt?

Maria Hasselman:
Eigentlich zwei Dinge: Zum einen fand und finde ich den Mut der Industrie, mit der Light + Building eine internationale Branchenplattform aufzubauen und konsequent zu unterstützen, bewundernswert bis visionär. Zum anderen freue ich mich, dass die Besucher das Konzept so gut annehmen. Der Hunger nach Neuigkeiten auf Seiten des Handwerks, der Planer, der Architekten und natürlich des Handels ist ungebremst – in Zeiten von Corona womöglich sogar noch stärker.

Johannes Möller:
Kannst Du ein Beispiel für ein Produkt nennen, das die Besucher in 20 Jahren Light + Building am offensichtlichsten zum Staunen gebracht hat?

Maria Hasselman:
Ein spezifisches Produkt aus einem so gewaltigen Angebot herauszupicken fällt mir schwer. In jedem Fall aber hat die LED-Technik für einige offene Münder gesorgt. Die lichtemittierenden Dioden gab es zwar schon in den Sechzigern, aber erst im neuen Jahrtausend wurden sie so weiterentwickelt, dass sie zum adäquaden Ersatz für Leuchtmittel im Alltagsgebrauch wurden. Das Glühlampen- und später Halogenverbot hat sicher entscheidend dazu beigetragen.

Johannes Möller:
Was hat LEDs gegenüber herkömmlicher Beleuchtung so interssant gemacht – der geringe Stromverbrauch?

Maria Hasselman:
Ja, sicher auch der. Es kommt sehr auf die Perspektive an. Aus Sicht von Architekten und Designern beispielsweise, ließen sich mit der LED auf einmal völlig neuartige Lichtinstalationen verwirklichen.
An super-flache Einbautiefen oder besonders filigrane Objekte war vorher nur sehr begrenzt zu denken. Gleichzig steht die Light + Building von Anfang an für Energieeinsparung im Gebäude. Das Thema steht bis heute ganz oben auf der Agenda und wird uns sicher noch einige Jahre erhalten bleiben. Denn durch weitere Optimierungen bestehender Technik und natürlich die Entwicklung Neuer lassen sich bislang ungeahnte energetische Potentiale heben. Die immer stärker voranschreitende Digitalisierung nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Warum? Weil sie es den unterschiedlichen Gewerken immer einfacher erlaubt, ihre Technologien miteinander zu vernetzen. Wir erleben hier starke Synergetisierungen.

Johannes Möller:
Die Light + Building steht von Anfang an für Licht genauso wie für Gebäudetechnik. Über die LED haben wir gesprochen. Was hat Dich auf TGA-Seite begeistern können?

Maria Hasselman:
Oh, eine ganze Reihe von Produkten und Anwendungen. Spontan denke ich aber an Smart-Home-Anwendungen. Das war ein Novum. Und natürlich war auch auf der TGA-Seite die Energieeinsparverordnung und die daraus resultierenden Gesetze ein deutlicher Branchentreiber. Die Ereignisse in Fukushima und die Entscheidung der Bundesregierung aus der Atomenergie auszusteigen hat weitere zentrale Impulse gesetzt. Maßgeblich war aber der wachsende Bedarf nach regenerativen Energien und die damit verbundene Dezentralisierung der Energieversorgung. Ab 2012 haben wir deshalb alle zwei Jahre eine neue Sonderschau zum Thema auf der Light + Building auf die Beine gestellt: 2012 – „Gebäude als Kraftwerk im Smart Grid“, 2014 – „Smart Powerd Building“, 2016 – „Digital Building; Vernetzung der Gewerke und IP-Standards“, 2018 – „Secure; Integration von sicherheitstechnischen Applikationen mit den anderen Gewerken“. Heute spielt die Ladeinfrastruktur im und am Gebäude eine zukunftsweisende Rolle beim Ausbau und der Skalierung der Elektromobiliät.

Johannes Möller:
Welche Technologien waren außerdem Treiber – auch in den Jahren danach?

Maria Hasselman:
Im Grunde war die Digitalisierung des Gebäudes DIE Treiberin. Von ihr ging fast jede andere Innovation aus. Man muss sich das einmal vorstellen: Auf einmal konnte man Sensoren und Aktoren über eine zentrale Steuereinheit bedienen. Durch deren Vernetzung mit BUS-Systemen lassen sich hochkomplexe Systeme realisieren. Die Verkabelung führte immer zur Steuereinheit. Darüber wurden die Funktionen verwaltet.

Johannes Möller:
Du sagst also, Digitalisierung war DAS große Thema. Was ist das nächste?

Maria Hasselman:

Digitalisierung! Es geht weiter. In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, wie immer mehr Gebäudefunktionen digitalisiert wurden. Begonnen mit, sagen wir, elektrischen Rolläden, über die Wärme- und Lichtsteuerung bis hin zur Markise. Gleichzeitig haben wir erlebt, wie Funktionen intelliegent miteinander vernetzt werden. So fährt bei intensiver Sonneneinstrahlung die Beschattungsanlage herunter und gegebenenfalls die Markise heraus, bevor die Klimaanlage aktiv den Innenraum herunterkühlt. Die Effekte sind Kostenersparnis, Ressourcenschohnung, erleichterte Bedienbarkeit und reichlich Komfort.
Wissend um das Potential der Digitalisierung ist das allerdings immer noch verhältnismäßig profan.

Johannes Möller:
Was meinst Du damit genau – was wird in Zukunft möglich sein?

Maria Hasselman:
Anwendungsszenarien für Gebäude und Quartiere werden künftig nur durch die Phantasie limitiert. Allerdings müssen dafür alle elektronischen Komponenten digital miteinander vernetzt sein und die gleiche Sprache sprechen. Ein Beispiel: Wenn die Straßenleuchte feststellt, dass das E-Mobil vor dem Haus abgestellt wird, werden Parkgebühren zugewiesen, der Ladevorgang initiiert, der Gehweg dynamisch bis zum Wohnhaus ausgeleuchtet, die Haustüre via Gesichtserkennung geöffnet, die tagesspezifische Lichtstimmung genauso wie die Lieblingsmusik initialisiert.

Johannes Möller:
Das klingt spektakulär.


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Maria Hasselman – Brandmanagement Light + Building (2000 – 2020); (Bild: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Pietro Sutera)