Leseranfrage
Korrekter Schutzleiteranschluss
In Lehrunterlagen wurde beim Schutzleiteranschluss der bisher genutzte Federring gegen eine selbstsichernde Mutter ersetzt. Dürfen zum Sichern von Schraubverbindungen nur noch selbstsichernde Muttern verwendet werden? Wie sieht es bei anderen Verbindungen aus? Ist der Federring generell ungeeignet?
Frage: Wir als Energieversorger bilden Elektroanlagenmonteure und Elektroniker für Betriebstechnik aus. In den praktischen Prüfungen wird auf dem Prüfungsgestell ein Schutzleiteranschluss gefordert. In neueren Prüfungsunterlagen bemerkten wir eine Veränderung an diesem „Stehbolzen“. Der bisher genutzte Federring ist nun gegen eine selbstsichernde Mutter ersetzt worden.
Unsere Nachfrage bei PAL, der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle ergab sinngemäß: „[...]die DIN 6797 und DIN 6798 für die Schraubensicherungen (Federring, Zahnscheibe...) wurde aufgrund einer Untersuchung zur Wirksamkeit zurückgezogen [...]“ Deshalb führen wir in allen PAL-Prüfungen keine Norm mehr zur Zahnscheibe auf und haben den Federring aus der Zusammensetzung [...] entfernt und dafür eine selbstsichernde Mutter genommen.“
Dürfen zum Sichern von Schraubverbindungen nur noch selbstsichernde Muttern verwendet werden? Wie sieht es bei anderen Verbindungen z. B. Sammelschienenverbindungen aus? Ist der Federring generell ungeeignet?
Antwort: In den VDE-Bestimmungen gibt es keine detaillierten Festlegungen, wie Schraubverbindungen aufgebaut sein müssen. Somit gibt es auch für Schutzleiterverbindungen keine detaillierten Festlegungen.
Normative Aussagen zu Schutzleiterverbindungen. Sowohl in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) als auch in DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [1] und DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [2] gibt es hierzu nur pauschale Aussagen.
Schutz gegen elektrischen Schlag.Schrauben, die für den Anschluss des Schutzleiters vorgesehen sind, dürfen nicht für andere Zwecke verwendet werden.“ Hierbei ist zwar nicht explizit angeführt, dass eine Sicherung gegen Selbstlockern der Schutzleiterverbindung vorgesehen werden muss, aber durch die Aufzählung von diversen Anforderungen im obigen Absatz ergibt sich, dass allgemein entsprechende Maßnahmen getroffen werden müssen.
Eine „Schraubsicherung“ durch eine selbstsichernde Mutter kann sicher dergestalt erreicht werden, dass die Schraubverbindung nicht verloren geht. Ein Ersatz aber für ein Setzelement dürfte diese Mutter nicht sein.
Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen.Zusätzlich wird in der nachfolgend angeführten Anmerkung auf die Problematik bei bestimmten Oberflächenbeschichtungen hingewiesen: „Bei Metallteilen der Schaltgerätekombination, die mit einer besonders widerstandsfähigen Oberfläche versehen sind, z. B. Leitungseinführungsplatten mit Pulverbeschichtung, erfordert der Anschluss an den Schutzleiter das Durchdringen oder Entfernen der Beschichtung. Das Verfahren zum Nachweis der durchgehenden Schutzleiterverbindung zwischen den Körpern der Schaltgerätekombination und dem Schutzleiterkreis ist in 10.5.2 beschrieben.“
Ausrüstung elektrischer Maschinen. Im Abschnitt 8.2.3 von DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [2] ist hierzu folgendes festgelegt: „Verbindungs- und Anschlusspunkte müssen so ausgelegt sein, dass ihre Strombelastbarkeit nicht durch mechanische, chemische oder elektrochemische Einflüsse beeinträchtigt wird. Bei Verwendung von Gehäusen und Leitern aus Aluminium oder Aluminiumlegierungen sollte die Möglichkeit der elektrolytischen Korrosion besonders beachtet werden.“
Meine Vorschläge. Ich habe zur Ausführung von Anschlussstellen einige Beispiele aus meiner Praxis beigefügt, bzw. Ausführungen, mit denen aus meiner Sicht die in den Normen enthaltenen Anforderungen erfüllt werden können (Bilder 1, 2, 3). Das schließt nicht aus, dass manche Firmen (Schrankausrüster, Steuerungsbauer) noch andere Varianten anwenden. Auch Federringe kommen für Schutzleiterverbindungen noch zum Einsatz, da sie sich jahrzehntelang bewährt haben.
Schienenverbindungen und Schienenanschlüsse. Für Schienenverbindungen und Schienenanschlüsse müssen grundsätzlich die Anforderungen der Hersteller geprüfter Schienenverbindungen berücksichtigt werden. Häufig werden für Schienenverbindungen Spannscheiben nach DIN 6796 [4] verwendet.
Anschlüsse mit Kabelschuhen an Schienen. Anschlüsse mit Kabelschuhen an Schienen werden mit Schraube, Scheibe (Beilagscheibe) nach DIN EN ISO 7089 [5], Spannscheiben nach DIN 6796 [4] und Mutter hergestellt.
Häufig kommt auch die Variante zur Anwendung, dass anstelle einer Scheibe, eine zweite Spannscheibe vorgesehen wird, die auf dem Kabelschuh aufliegt. Allerdings muss hierbei genau beachtet werden, dass Kabelschuh, Spannscheibe und Bohrung aufeinander abgestimmt sind.




