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Bild 4 Anwendung des Blitzkugelverfahrens mit Hilfe eines Modells des Aachener Dom (Quelle: Alexander Kern, Jülich)
Blitz- und Überspannungsschutz

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis

Kontrollierter Blitzeinschlag

30.06.2022

Für die Anwendung des Blitzkugelverfahrens stehen mittlerweile CAD-Tools zur Verfügung, mit deren Hilfe auch Fangeinrichtungen für komplexe bauliche Anlagen geplant werden können. Diese Programme bieten u. a. die Möglichkeit, Punkte vorzugeben, an denen Blitzeinschläge stattfinden sollen. Dadurch kann sich die Berechnung von Trennungsabständen vereinfachen. Darüber hinaus ist das CAD-gestützte Blitzkugelverfahren auch zur Gefahrenbereichsanalyse geeignet.

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Mit Hilfe des Blitzkugelverfahrens lässt sich insbesondere herausfinden:

  • Wo kann der Blitz einschlagen?
  • Welche Flächen sind gefährdet?
  • Wo sind die Grenzen der Blitzschutzzonen 0A, OB oder 1?

Wird eine bauliche Anlage nach dem Maschenverfahren geschützt, kann kein möglicher Einschlagpunkt für den Blitz definiert werden. Auch die Berechnung des erforderlichen Trennungsabstandes muss in der Regel für jede konkrete Situation oder für den „worst case“ erfolgen. Berücksichtigt man Einschlagpunkte in der Dachmitte, dann sind die Trennungsabstände in der Regel größer als bei einem Blitzeinschlag im Bereich der Attikabrüstung.

Die Anwendung des Blitzkugelverfahrens unter Verwendung von Fangstangen zeigt Bild 6. In letzterem ist erkennbar, dass es in diesem Beispiel nur sechs mögliche Einschlagpunkte gibt. Der Trennungsabstand muss nur für einen Anwendungsfall berechnet werden. Durch die Anordnung der Fangstangen im äußeren Dachbereich fällt der Trennungsabstand aufgrund der kurzen Leitungslängen niedrig aus.

Eine prinzipiell gleiche Vorgehensweise zeigt Bild 7. Mit Hilfe einer 3-D-Darstellung wird um das Gebäude herum eine Hüllfläche ermittelt, die sich in diesem Fall aus einem Blitzkugelradius von 20 m der Blitzschutzklasse I ergibt. Durch gezielte Schnitte und Ansichten lassen sich schnell bereits geschützte oder unkritische Bereiche ermitteln. Durch die vorgeschlagene Anordnung von Fangmasten und –stangen lassen sich dann die einschlagsgefährdeten Bereiche schützen (Bild 8).

Autoren:  J. Wettingfeld, H. Wettingfeld

Literatur:

[1] Hasse, P.: Der Weg zum modernen Blitzschutz, Geschichte der Elektrotechnik 20. Berlin: VDE Verlag GmbH, 2004.

[2] Findeisen, F.: Rathschläge über den Blitzschutz der Gebäude. 2. Auflage, Berlin: Verlag von Julius Springer, 1899.

[3] Ausschuss für Blitzableiterbau e.V. (ABB): Blitz-schutz und Allgemeine Blitzschutz-Bestimmungen. 8. Auflage, Berlin: VDE Verlag GmbH, 1971.

[4] DIN VDE 0185 Teil 1 und Teil 2: Blitzschutzanlage – Allgemeines für das Errichten, 11.1982.

[5] Hasse, P.; Wiesinger, J.: Handbuch für Blitzschutz und Erdung. 1. Auflage, München: Richard Pflaum Verlag, Berlin-Offenbach: VDE-Verlage, 1977.

[6] DIN V VDE V 0185-3 (VDE V 0185-3):2002-11: Blitzschutz – Schutz von baulichen Anlagen und Personen (zurückgezogen).

[7] DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3):2011-10: Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen.


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Bilder

Bild 1 „Blitzkugelverfahren“ stand 1899 (siehe [2], Fig. 56 mit Erläuterungen) (Quelle: Springer-Verlag)
Bild 2 Prinzipielle Darstellung des Blitzkugelverfahrens [9] (Quelle: Dehn + Söhne)
Bild 3 Schematische Anwendung des Blitzkugelverfahrens [9] (Quelle: Dehn + Söhne)
Bild 5 Anwendung des Blitzkugelverfahrens mittels 3-D-CAD-Modell (Quelle: Fa. Wettingfeld, Krefeld)
Bild 6 Beispiel 3 – Anordnung von Fangstangen nach dem Blitzkugelverfahren (Quelle: Fa. Wettingfeld, Krefeld)
Bild 7 Beispiel 3 – Identifizierung der einschlagsgefährdeten Bereiche durch die Erstellung einer Hüllfläche mit Hilfe des Blitzkugelverfahrens (Quelle: Fa. Wettingfeld, Krefeld)
Bild 8 Beispiel 3 – Anordnung der Fangeinrichtungen (Quelle: Fa. Wettingfeld, Krefeld)