Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
HCL – Das richtige Licht zur richtigen Zeit
Lichtkonzepte, die sich am Verlauf des Tageslichts und seinen Wirkungen auf den Menschen orientieren, können maßgeblich zu unserem Wohlbefinden beitragen. Sie fördern Leistung und Konzentration ebenso wie den Schlaf-Wach-Rhythmus, was mittlerweile durch wissenschaftliche und praktische Studien nachgewiesen ist [1].
Lichtexposition und Zeit
Ein dritter wesentlicher Gesichtspunkt ist die zeitliche Struktur der Lichtexposition für nicht-visuelle Wirkungen. Die natürliche Aufgabe des nicht-visuellen Systems ist es, die biologischen Funktionen des Körpers mit den Verläufen von Tag und Nacht in der Natur zu synchronisieren.
So bewirkt helles Licht am Morgen und Vormittag eine Synchronisierung der biologischen Rhythmen mit dem Tag-Nacht-Verlauf. Wir sind am Tag wach und leistungsfähig und werden zum Abend hin müde, um zu schlafen.
Darüber hinaus bewirken die hohen blauen Anteile und die Helligkeit am Tag die Aufrechterhaltung der Aktivierung und Leistungsfähigkeit über den Verlauf des Tages. Ohne entsprechendes Licht besteht das Risiko, müde und unkonzentriert zu werden.
Bedeutung für den Menschen
Zwar dachte man in den ersten Jahren nach Entdeckung dieser Wirkungsmechanismen, dass es möglich sei, mit hellem Licht auch in der Nacht die Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Das geht jedoch nicht ohne negative Auswirkungen auf das Schlafverhalten. Ein stabiler Tag-Nacht-Rhythmus erfordert neben der Helligkeit einer tageslichtähnlichen Beleuchtung auch Ruhe und möglichst Dunkelheit in der Nacht.
In der heutigen 24-h-Gesellschaft entfernen wir uns in zunehmendem Maße vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Menschen verbringen im Durchschnitt etwa 90 % der Zeit in Innenräumen ohne klaren Bezug zum Tageslicht – insbesondere in der dunkleren Jahreszeit. Am Abend hingegen sind wir häufig hohen Lichtniveaus ausgesetzt, die das biologische System durcheinanderbringen können. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verringerte Leistungsfähigkeit am Tag – gleichzeitig Schlafstörungen in der Nacht – mit Folgen bis hin zu Depressionen oder Burnout kommen vor. Daher ist eine ausreichende Helligkeit und ein am natürlichen Tageslichtverlauf orientiertes Lichtniveau auch im Innenbereich von hoher Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden. Dies ist mit der bisher üblichen Beleuchtung, die nur auf eine Unterstützung von ausreichendem Sehen ausgelegt ist, im Allgemeinen nicht erreichbar.
Autor: D. Lang
Literatur:
[1] Siehe z.B. das EU-Projekt SSL-erate 2013-16: Lighting For Health And Well-Being In Education, Work Places, Nursing Homes, Domestic Applications and Smart Cities. Verfügbar unter: http://lightingforpeople.eu/ human-centric-lighting-downloads/
[2] Brainard, G. C. et al.: Action Spectrum for Melatonin Regulation in Humans: Evidence for a Novel Circadian Photoreceptor; The Journal of Neuroscience, August 15, 2001, 21(16):6405–6412.
[3] Thapan, K.; Arendt, J. and Skene, D. J.: An action spectrum for melatonin suppression evidence for a novel non-rod, non-cone photoreceptor system in humans, The Journal of Physiology 2001, 535 (1) 261.
[4] Glickman, G. et al.; Inferior Retinal Light Exposure Is More Effective than Superior Retinal Exposure in Suppressing Melatonin in Humans; Journal of Biological Rhythms, Vol. 18, No. 1, 71-79 (2003)


