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Symbolbild: Marcus Krauss / stock.adobe.com
Betriebsführung | Betriebsorganisation | Personen und Firmen

Unternehmensstudie

Gründungsbedingungen für Unternehmen

27.06.2025

Auf 28 registrierte Unternehmen folgt eine Insolvenz in Deutschland – das entspricht einer Quote von rund 3,51 %. Das hat die Berliner Unternehmensberatung Finatycs (www.finatycs.de) bei einer Untersuchung der 20 größten Städte Deutschlands der Jahre 2022 bis 2024 herausgefunden. Besonders auffällig: Berlin verzeichnet mit 3.766 Verfahren eine dreimal so hohe Insolvenzrate wie der Städtedurchschnitt (1.118 Insolvenzen), während Stuttgart mit nur 103 Verfahren bundesweit den niedrigsten Wert aufweist. Darüber hinaus liefert Finatycs Einschätzungen zu den Hintergründen der Insolvenzen.

Berlin: 3 mal soviele Insolvenzen

Zwischen 2022 und 2024 wurden in den 20 größten deutschen Städten insgesamt 22.217 Insolvenzen registriert. Die Zahl stieg von 4.515 im Jahr 2022 auf 10.107 im Jahr 2024 – mehr als eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren. Besonders stark betroffen ist Berlin mit 3.766 Verfahren. Es folgen die Großstädte München (2.406) und Hamburg (2.115). Auch Städte wie Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Essen verzeichneten jeweils mehr als 1.000 Verfahren im Dreijahreszeitraum. In Stuttgart liegt die absolute Anzahl der Insolvenzen im Untersuchungszeitraum bei nur 103 – keine andere Stadt kann einen ähnlich niedrigen Wert aufweisen. 

So stabil sind Deutschlands Großstädte wirtschaftlich

Zwischen 2022 und 2024 kam im Durchschnitt eine Unternehmensinsolvenz auf rund 28 Unternehmensregistrierungen. Besonders deutlich zeigt sich das wirtschaftliche Gefälle unter den Großstädten beim Blick auf die Gesamtquote – also dem Verhältnis von Neuregistrierungen zu Insolvenzen. Die wirtschaftlich stabilsten Standorte sind Stuttgart (0,13 %), Mannheim (1,23 %) und München (2,53 %): Hier treten Insolvenzen im Verhältnis zur Gründungsaktivität nur sehr selten auf. Deutlich angespannter ist die Lage hingegen in Städten wie Bielefeld (13,1 %), Essen (9,5 %) und Bochum (9,4 %) – wo im Verhältnis zu den Registrierungen deutlich mehr Insolvenzen auftreten. Regionale Unterschiede bei Gründungen und Insolvenzen lassen sich unter anderem durch lokale Wirtschaftsstrukturen, Innovationsförderung und Branchenvielfalt erklären:

  • Stuttgart: Die starke industrielle Basis und jüngste Investitionen in Mobilitätsinnovation sorgen für ein günstiges Gründungsklima und wirtschaftliche Stabilität. Programme wie die Innovationsplattform „Startup Autobahn“ fördern gezielt Neugründungen im Tech-Sektor.
  • Mannheim: Mit dem Mafinex-Technologiezentrum und einem aktiven Startup-Ökosystem schafft Mannheim attraktive Bedingungen für Gründer. Die Stadt profitiert zudem von ihrer Nähe zu Forschungseinrichtungen und dem starken Mittelstand.
  • München: Die Stadt überzeugt mit hoher Gründungsaktivität, exzellenten Finanzierungsmöglichkeiten und einem starken Netzwerk im Bereich Deep Tech. Mit dem „Munich Urban Colab“ entsteht ein zentraler Knotenpunkt für Start-ups, Wissenschaft und etablierte Unternehmen, der Innovationen gezielt beschleunigt.

Demgegenüber zeigen Städte wie Bielefeld, Bochum und Essen, wie stark sich strukturelle Herausforderungen auf das lokale Gründungsgeschehen auswirken können:

  • Bielefeld: die wirtschaftliche Dynamik wird unter anderem durch strukturelle Herausforderungen in der Branchenvielfalt gebremst. Die Stadt ist stark von traditionellen Industrien wie Maschinenbau, Metallverarbeitung und der Lebensmittelbranche geprägt – mit großen Arbeitgebern wie Dr. Oetker, Miele oder Schüco. Gleichzeitig sind zukunftsorientierte Sektoren wie IT, Life Sciences oder die Kreativwirtschaft noch unterrepräsentiert.
  • Bochum: Die Stadt investiert stark in Bildung, Infrastruktur und Innovationsförderung, um den Wandel zur Wissensstadt voranzutreiben – mit ersten sichtbaren Erfolgen. Gleichzeitig führt die Priorisierung dieser Zukunftsbereiche dazu, dass traditionelle Wirtschaftssegmente weniger Unterstützung erhalten und viele junge Unternehmen an fehlender Anschlussfinanzierung scheitern.
  • Essen: Der anhaltende Strukturwandel nach dem Rückzug der Montanindustrie stellt die Stadt weiterhin vor Herausforderungen – insbesondere in klassischen Branchen wie Handel und Gastronomie, die unter sinkender Kaufkraft leiden. Während in Bereichen wie Gesundheitswirtschaft und Energiewende Potential vorhanden ist, bleiben gezielte Gründungsimpulse bislang aus, was sich in einer hohen Insolvenzquote und geringen Neugründungen niederschlägt. 

„Die Zahlen verdeutlichen die deutlichen Unterschiede in unternehmerischer Dynamik und wirtschaftlicher Stabilität zwischen deutschen Großstädten“, sagt Eduard Kobert, Managing Partner bei Finatycs. „Insolvenzen können auch darauf zurückzuführen sein, dass Unternehmen ihre Finanzen nicht immer ausreichend transparent und automatisiert steuern. Ohne moderne digitale Prozesse in Buchhaltung und Liquiditätsmanagement fehlt häufig der Überblick, um frühzeitig auf finanzielle Risiken reagieren zu können. Gerade in Zeiten hoher Betriebskosten, geringer Kapitaldecke und branchenspezifischer Auftragseinbrüche erhöht sich so das Insolvenzrisiko.“

Eduard Kobert ergänzt:„Eine automatisierte und datenbasierte Steuerung der Finanzen ist daher ein wichtiger Faktor, um die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen zu erhöhen. Trotzdem spiegeln die Unternehmensregistrierungen eine ausgeprägte Innovationskraft wider, insbesondere in wirtschaftsstarken Regionen Süddeutschlands, mit stabileren Branchenstrukturen und besseren Finanzierungsbedingungen.“

Über die Untersuchung
Für die Analyse wurden zunächst die 20 größten Städte Deutschlands ausgewählt. Im Anschluss erfolgte am 29. April 2025 eine Auswertung der Unternehmensregistrierungen auf Basis des Unternehmensregisters. Dabei wurden die zuständigen Amtsgerichte der jeweiligen Städte herangezogen. Eine Ausnahme bildete Berlin: Während in den übrigen Städten jeweils ein zentrales Amtsgericht zuständig ist, erfolgen Insolvenzanträge in Berlin bezirksbezogen. Für die Auswertung wurden ausschließlich juristische Personen (IN) berücksichtigt; Privatinsolvenzen und Kleinstinsolvenzen (IK) blieben unberücksichtigt. Entsprechend konnten für Berlin nur die Daten des Amtsgerichts Charlottenburg verwendet werden. Am 7. Mai 2025 wurde schließlich die Anzahl der eröffneten Insolvenzverfahren anhand der veröffentlichten Insolvenzbekanntmachungen analysiert. Im letzten Schritt wurden Unternehmensregistrierungen und Insolvenzen ins Verhältnis gesetzt und eine Quote gebildet.