
Telefonieren im europäischen Ausland
EU-Parlament kippt Roaming-Gebühren für Telefonkunden
Am 15. Juni 2017 will das EU-Parlament die Roaming-Gebühren innerhalb der Europäischen Union abschaffen. Für die Bürger ist das eine gute Nachricht – doch die finanzielle Wohltat hat für die EU auch wirtschaftliche und strategische Gründe.
Gibt es noch Widerstand von den Telekommunikationsunternehmen?
Nein, die Telcos haben ihre Strategie geändert. Die Diskussionen um den 90-Tage-Plan haben ihnen Zeit verschafft, um die Tarife zu ändern. Nachdem die EU die 90-Tage-Regel fallen lies, war klar, dass die Abschaffung der Roaming-Gebühren nicht mehr zu verhindern ist.
Noch im Sommer 2016 warben deshalb die ersten Telcos mit Tarifen ohne Roaming-Gebühren. Diese sogenannten EU-Flatrates sind allerdings teurer als bisherige Tarife. Experten gehen davon aus, dass der Wegfall der Roaming-Gebühren mit den neuen Tarifen teilweise kompensiert wird.
Warum schafft das EU-Parlament die Roaming-Gebühren gerade am 15. Juni 2017 ab?
Das Datum steht für den Beginn der Urlaubssaison. Unbewusst – aber von der EU durchaus beabsichtigt – verknüpfen viele Menschen die Abschaffung der Gebühren mit der Aussicht, im Sommer am Urlaubsort preisweit telefonieren zu können – dank der Arbeit des oft gescholtenen EU-Parlaments.
Die Abschaffung der Roaming-Gebühren für Endkunden ist jedoch kein Geschenk der EU an die Bürger. Neben wirtschaftlichen Interessen stehen im Hintergrund wichtige Wahlen, die einigen EU-Politikern Sorgen bereiten: 15. März Parlamentswahl in den Niederlanden, 23. April Präsidentschaftswahl in Frankreich, 24. September Bundestagswahl in Deutschland.
Bei diesen Urnengängen ist eine positive Wählerstimmung vorteilhaft. Eine gefühlte gute Tat der EU könnte dazu beitragen, die Menschen zur Teilnahme an der Wahl zu motivieren und ihr Kreuz zu machen. Bevorzugt bei Parteien, die nicht EU-skeptisch sind.
