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Ein Hauptleitungsverteiler mit zwei Sicherungslasttrennschaltern speist sowohl den bestehenden als auch den neuen Zählerplatz; Quelle: Haubner; ep
Elektrotechnik | Installationstechnik | Hausanschluss und Zählerplatz

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Erneuerung einer Zähleranlage

19.12.2023

Wie kann ein bestehender Zähler bei Trennung von 2 Wohnungen kostengünstig mit einem aktuellen Zähler kombiniert werden?

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Frage:
In einem Zählerschrank aus den 70er-Jahren wurden zwei Wohnungen von Anfang an zusammengelegt und an einem Zähler angeschlossen. Nun sollen die beiden Wohnungen wieder getrennt werden. Dazu sollte die freie Zählertafel, welche ja schon bei der Errichtung dafür vorgesehen war, genutzt werden. Bei der Antragstellung bei den Stadtwerken wurde jedoch der Einbau eines neuen Zählers abgelehnt. Begründung: Es muss ein neuer Zählerschrank für diese Wohnung im Anschlussraum nach den jetzigen Vorschriften errichtet werden. Von dort aus kann man dann eine neue Zuleitung zum alten Zählerplatz verlegen. Der Vorschlag der Stadtwerke war, einen plombierbaren Abzweigkasten zu installieren und 1 × den vorhandenen Zählerschrank (4-adrig) und 1 × den neuen Zählerschrank (5-adrig) anzufahren. Der jetzige Zählerschrank befindet sich in einem Flur im Kellergeschoss. Der neue Zählerschrank für die Wohnung darf dort aus Sicherheitsgründen nicht montiert werden. Die jetzige Zähleranlage wurde damals zu den geltenden Vorschriften montiert und ein Zählerplatz für alle drei Wohnungen vorgesehen. Aus Kostengründen hatte man sich damals die Gebühr für einen Zähler gespart. Ist die Forderung der Stadtwerke gerechtfertigt oder ist eine Ausnahme wegen Bestandsschutz möglich. Der Kunde möchte die Kosten für eine Erneuerung nicht tragen, zumal ihm noch mitgeteilt wurde, dass es vor einigen Jahren noch möglich gewesen wäre, einfach einen neuen Zähler einzubauen.

Antwort:
Ein Zählerplatz, der vor fast 50 Jahren errichtet wurde, soll heute erstmals in Betrieb genommen werden. Von einem Bestandsschutz, wie er in elektrischen Anlagen fälschlicher Weise gerne zitiert wird, kann hier nicht ausgegangen werden, da der Zählerplatz ja gar nicht in Betrieb ist. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass die geplante Nutzung noch dem Standard der 70er-Jahre entspricht. Soll der Zählerplatz nun erstmals in Betrieb genommen werden, gelten selbstverständlich die aktuellen Vorschriften und Normen VDE-AR-N 4100 [1] und die TAB des Netzbetreibers.

Da solche oder ähnliche Fälle jedoch öfter vorkommen, wurde in den Technischen Anschlussbedingungen, Bundesmusterwortlaut TAB 2019 [2], Anhang F eine Tabelle aufgenommen, die hier eine Entscheidungshilfe sein soll. In der Tabelle sind verschiedene, möglicherweise vorhandene Zählerplätze beschrieben, die bei einer Änderung der elektrischen Anlage oder deren Nutzung weiter verwendet, bzw. unter welchen Voraussetzungen sie weiterverwendet werden können. Aus der Tabelle sind auch solche Zählerplätze ersichtlich, deren Verwendung aus heutiger Sicht nicht mehr empfohlen werden kann.

Viele Netzbetreiber haben diese Tabelle auch in ihren TAB im Original oder ggf. auch abgewandelt übernommen. Es wäre also der erste Schritt, zu prüfen, ob der zuständige Netzbetreiber hierzu eine Aussage in seinen TAB , bzw. Ergänzenden Anschlussbedingungen macht.

Ist der vorhanden freie Zählerplatz nicht mehr geeignet, als Neuanlage in Betrieb genommen zu werden, gibt es nur zwei Möglichkeiten:


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