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Der Bär hat es in sich: Kamera in der Nase, USB-Anschluss im Rücken. Verkauf gestoppt und vom Markt genommen
Elektrosicherheit | Inf.- und Kommunikationstechnik | Veranstaltung

Bundesnetzagentur: Warnung vor Billigkäufen

Ausstellung zeigt gefährliche Elektrogeräte

18.07.2017

Der Onlinehandel blüht. Doch viele Verbraucher verdrängen, dass zuverlässige Elektrogeräte nicht für wenig Geld zu bekommen sind. Oft bergen diese Billigimporte gravierende Sicherheitsmängel und dürften in Deutschland nicht verkauft werden.

Bundesnetzagentur zeigt Beispiele

Ein Film in der Ausstellung (*) zeigt, wie eine Funksteckdose aus Billigmaterial im Versuchslabor unter Stromlast erst Funken schlägt und dann Feuer fängt. Der Brand wäre unter realen Bedingungen wahrscheinlich außer Kontrolle geraten und hätte schwere Schäden verursacht. Selbst Haarstyling kann zu schweren Verletzungen führen. Der Griff eines ausgestellten Haarglätters erwärmt sich auf über 100 Grad, weil die Abschirmung fehlt. In der Ausstellung wird auch demonstriert, wie stark eine Design-Glühlampe aus Dänemark den Empfang stören kann. Aus dem Gerät kommt nur noch Rauschen. Ergebnis: Haarglätter und Glühlampe wurden umgehend vom Markt genommen.

Wecker funken und Puppen lauschen

Das Problem betrifft alle Warenbereiche. Es handelt sich immer um Produkte, die auf dem deutschen und europäischen Markt nicht vertrieben werden dürfen. Manche Funkkopfhörer, Drohnen, Handfunkgeräte und Funksteckdosen nutzen unzulässig hohe Sendeleistungen oder in Deutschland nicht zulässige Frequenzen. Die Ausstellung zeigt auch Spielzeug, das zur Spionage eingesetzt werden kann. Mit dabei sind ein Teddybär, in dessen Nasenspitze eine kleine Videokamera versteckt ist, und die Puppe Cayla, die im Februar 2017 unrühmliche Bekanntheit erlangte. Die Werbung versprach, Cayla sei "fast wie eine richtige Freundin". Dabei besaß die Puppe ein Mikrofon und baute eine Funkverbindung zum Hersteller auf. Das Spielzeug wurde von der Behörde als "versteckte sendefähige Anlage" eingestuft und vom Markt genommen. Die Puppe konnte Gespräche im Kinderzimmer aufzeichnen, und obendrein ließ sich die Funkverbindung leicht knacken, so dass Externe mithören konnten (ep berichtete).  

Störsender verhindert Notruf

Die Ausstellung zeigt neben verbotenen Knopflochkameras auch illegale Handystörsender, getarnt als Zigarettenschachtel. Diese Störsender sind streng verboten, weil sie den Mobilfunkverkehr im Umkreis des Nutzers blockieren. Im Ernstfall dringt kein Anruf zur Feuerwehr oder dem Notarzt durch. Bei Verwendung des Störsenders drohen fünfstellige Bußgelder, trotzdem gibt es Geräte für unter 100 Euro zu kaufen. Schlechtes Deutsch bei den Produktbeschreibungen weist auf den Hersteller im Ausland hin. Und so rät die Bundesnetzagentur, das Verbraucher beim Kauf immer auf die CE-Kennzeichnung achten. Sie enthält zwar auch nur eine Selbsterklärung des Unternehmens, EU-weite Normen zu erfüllen. Sollten diese Angaben aber falsch sein, haftet die Firmen.

Kampf gegen Windmühlen

Neueste Zahlen belegen: Die Anzahl der Produkte, die aus dem Verkehr gezogen wurden, hat sich seit 2014 (530.000 Geräte) auf 1,25 Millionen verdoppelt. Angesichts des Imports von Billig-Elektrogeräten (nicht nur aus China) verwundert das kaum. Bei Bestellungen im Internet ist der Ursprung der Waren oft nicht nachzuvollziehen. Dabei soll die Ausstellung nicht nur Verbraucher sensibilisieren. Die Bundesnetzagentur informiert ebenso über ihre Aufgaben im Bereich Marktüberwachung, über den Schutz des Frequenzspektrums, die CE-Kennzeichnungspflicht sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden und Institutionen auf nationaler und europäischer Ebene.

Hoher Preis für Billigkäufe

Auch Einbaustrahler aus China werden in Deutschland vertrieben, für nur ein Zehntel des Preises einer Markenlampe. Was der preisbewusste Konsument nicht ahnt: das Billignetzteil in der Lampe kann Störfrequenzen erzeugen. Außerdem besteht die Gefahr des Wärmestaus im Gehäuse und damit Brandgefahr. Dafür kostet das Teil aber auch nur 2,50 Euro. Woran viele Verbraucher leider nicht denken: Sicherheit kostet. So geht der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) davon aus, dass bei den Unternehmen mindestens 15 Prozent der Herstellungskosten eines elektrotechnischen Produkts für die Einhaltung von Sicherheitsanforderungen anfallen. Bei Einhaltung aller gesetzlichen Anforderungen wird es noch teurer. Seriöse Hersteller verlangen deshalb eine funktionierende Marktüberwachung. Nur mit Verkaufssperren und Rückrufen kann man Billiganbietern die Chance auf den schnellen Gewinn vermasseln. 

Aktionsplattform für sichere Produkte

Da eine vollständige Marktüberwachung bei der Vielzahl elektrotechnischer Produkte unmöglich ist, hat der ZVEI eine Plattform ins Leben gerufen. Wird dem Verband ein auffälliges Gerät gemeldet, unterrichtet er die zuständige Gewerbeaufsicht. Die Behörde verfolgt den Fall dann weiter. 

Datenbank "Gefährliche Produkte in Deutschland"

Besorgte Konsumenten können sich in einer Datenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) informieren. Dort werden Produktrückrufe, Produktwarnungen, Untersagungsverfügungen und sonstige Informationen zu gefährlichen Einzelprodukten veröffentlicht. Aktuell sind dort 106 Elektrogeräte und -zubehör sowie 22 Leuchten gelistet. (*) Die Ausstellung der Bundesnetzagentur ist noch bis zum 18. August 2017 am Sitz der Bundesnetzagentur zu sehen.
Der Eintritt ist frei. Ort: Bundesnetzagentur, Tulpenfeld 4, 53113 Bonn. Danach wird die Ausstellung in Berlin zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung (27./28. August 2017) im Bundeswirtschaftsministerium (Scharnhorststraße 34-37, 10115 Berlin) gezeigt.

Autor
Name: Lana Geißler