Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Auf die richtige Abstimmung kommt es an: beim Planen des Funktionserhalts steckt die Lösung häufig im Detail
Neben der erforderlichen Sicherheitsstromversorgungsanlage, die bei Ausfall des Allgemeinstroms für den notwendigen Ersatz sorgt, kommt der elektrischen Leitungsanlage mit Funktionserhalt im Brandfall eine besondere Bedeutung zu.
Im Kapitel 5 der MLAR sind u. a. auch die jeweilige bauordnungsrechtliche Dauer des FE sowie mögliche Erleichterungen definiert. Es existieren im Wesentlichen zwei Gruppen, einmal der FE mit einer Dauer von 30 min, z. B.:
- Brandmeldeanlagen
- Sprachalarmierungsanlagen
- Sicherheitsbeleuchtungsanlagen
- Brandfallsteuerungen für Personenaufzüge.
Auf der anderen Seite gibt es Anlagen, die der Feuerwehr dienen. Sie benötigen einen längeren FE (90 min), zutreffend z. B. für:
- Feuerwehraufzüge inkl. Druckbelüftungsanlagen
- Druckbelüftungsanlagen für Sicherheitstreppenräume
- automatische Feuerlöschanlagen
- Druckerhöhung für Wandhydranten
- maschinelle Rauchabzugsanlagen.
Bauliche Trennung oder Beschaffenheit?
Die MLAR besagt, dass der FE der elektrischen Leitungsanlagen im Brandfall auf zwei unterschiedliche Arten gewährleistet werden kann:
- entweder durch bauliche Abtrennung oder
- durch die Beschaffenheit der elektrischen Leitungsanlagen.
Bei ersterem müssen die Leitungsanlagen durch feuerhemmende oder feuerbeständige Bauteile geschützt werden, sodass sie bei einem Feuer – außerhalb der definierten Bereiche – nicht betroffen sind und der Stromfluss unterbrochen würde. Man erreicht diese bauliche Abtrennung für die Leitungen z. B. durch „Funktions-Erhaltskanäle“ – E-Kanäle. Diese Kanäle dürfen keinesfalls mit sogenannten „I-Kanälen“ verwechselt werden, bei denen das Schutzziel darin besteht, einen Brand innerhalb der Kanäle abzuschotten, um z. B. Personen in notwendigen Fluren vor schädigenden Wirkungen eines Kabelbrandes zu schützen. Obwohl die Kanäle vermeintlich gleich aussehen, ist die Brandschutzdimensionierung unterschiedlich, was mit der potentiellen Lage der Temperaturbeanspruchung zusammenhängt.
Häufig trifft man in der Planung die prinzipiell zweite Lösungsmöglichkeit an. Hier wird der FE durch die Beschaffenheit erzielt. Diese setzt sich aus zwei wesentlichen Eigenschaften zusammen: Die einzelnen Kupferleiter der Kabel sind mit einer besonderen nichtbrennbaren Schutzschicht versehen, die beim zwangsläufigen Verbrennen der Isolierungen im Feuer ein direktes Berühren der Adern verhindern und es somit nicht zum Kurzschluss kommen kann (Bild 2)
. Es handelt sich hierbei um den sogenannten integrierten FE. Die Schutzwirkung wird im Brand nicht durch die „orange“ Isolierung erreicht, sondern befindet sich für den Betrachter nicht sichtbar im Inneren der Kabel.
Beachte: Daraus folgen größere Biegeradien gegenüber herkömmlichen „grauen“ Elektroleitungen. Hieraus ergeben sich wieder besondere Schnittstellen zum Hochbau, da für die Ausfädelung mehr Platz beansprucht wird. Sind dann die Höhen von Systemböden oder Unterdecken zu knapp bemessen, kann dies vor Ort zu erheblichen Konflikten führen.
Die empfindlichen Leiter, die nun zwar gegen Kurzschluss geschützt sind, könnten allerdings trotzdem versagen, wenn es durch herabfallende Gegenstände zum Leiterbruch kommt. Insofern wird die Beschaffenheit zum zweiten durch besondere – brandschutztechnisch dimensionierte – Trage- und Befestigungsmittel erzielt. Je nachdem ob sie als sogenannte Normkonstruktionen (als konservativ bemessene Tragsysteme) oder mit besonderem bauaufsichtlichen Nachweis dimensioniert werden, ergeben sich differierende Auswirkungen, z. B. auf den Hochbau sowie die übrigen TGA-Gewerke. So müssen beispielsweise Kabelrinnen von sogenannten Normkonstruktionen alle 120 cm befestigt werden – bauaufsichtlich zugelassene Systeme können bis zu 150 cm zwischen zwei Befestigungspunkten haben. Und auch hier muss natürlich der Anschluss an die jeweiligen klassifizierten Bauteile möglich sein – sprich die darüber befindlichen Gewerke frühzeitig koordiniert sein. Bestenfalls wird der Funktionserhalt per se in die oberste Installationsebene „verbannt“. Vorteil ist, dass dann kaum noch von oben einwirkende Wechselwirkungen gegeben sein dürften.

