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Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Verschraubungen sollten wegen Erwärmung nachgezogen werden

Bei Wartungsarbeiten an einer Sammelschiene kam es durch Verwechslung und nicht erneute Prüfung auf Spannungsfreiheit zu einem elektrischen Unfall.

Sammelschiene

Störlichtbogenunfall an der Sammelschiene einer MS-Schaltzellenreihe (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag. Die Aufnahmen einer Wärmebildkamera zeigten, dass sich an einem Schaltfeld einer 10-kV-Mittelspannungsschaltanlage eine Schraubverbindung des Abgangs von der Sammelschiene 2 gelockert hatte. Im Sinne der vorbeugenden Instandhaltung wurde ein Monteur beauftragt, die auffällige Verbindung wieder nachzuziehen. Für die Arbeiten sollte die entsprechende Sammelschienenseite abgeschaltet werden.

Unfallhergang. Nach telefonischer Verständigung mit der Netzleitstelle schaltete er als erstes die Sammelschiene 2 am Trafo frei. Anschließend prüfte er die Spannungsfreiheit an dieser Sammelschiene und legte den mechanischen Erdungsschalter ein. Danach zog er den Schaltwagen des Schaltfeldes mit der gelockerten Schraubverbindung heraus, um die Sammelschiene von der Abgangsseite her gegen Rückspannung freizumachen.

Dann legte er auch hier nach Feststellen der Spannungsfreiheit die Erdungsgarnitur an der Kabelseite des Schaltfeldes ein. Soweit war noch alles richtig. Jetzt wollte er die unter Spannung stehenden Nachbarfelder durch Einhängen von roten Isolierplatten sichern und das freigeschaltete Schaltfeld 18 kennzeichnen. Dabei passierte ihm ein verhängnisvoller Fehler. Er hängte die Isolierplatten auf der aktiven Seite des Schaltfeldes, also auf der Seite der Sammelschiene 1 ein – auf dem Bild an der Kennzeichnung „SS1“ zu erkennen.

Im Nachhinein suggerierten die roten Isolierplatten an den jeweils benachbarten Schaltfeldern, dass sich dort die freigeschaltete und gesicherte Arbeitsstelle befindet. Als er jetzt den losen Bolzen an der Sammelschiene festziehen wollte, geriet er natürlich an die aktive Sammelschiene 1, wobei er einen Störlichtbogen auslöste (Bild) und eine Körperdurchströmung erlitt. Die Körperdurchströmung verlief dabei von dem Schraubenschlüssel in der linken Hand zum linken Ellenbogen, der sich in Nähe des geerdeten Stahlrahmens des Schaltfeldes befand.

Durch den elektrischen Schlag stürzte er von der Leiter und zog sich zudem eine Platzwunde am Kopf zu. Sein Kollege, der im Nachbarraum arbeitete, hörte einen Knall. Er eilte in den benachbarten Schaltraum, sah seinen Kollegen – zum Glück bei Bewusstsein – am Boden liegend und alarmierte sofort den Rettungsdienst.

Unfallanalyse. Trotz konsequenter Umsetzung der ersten vier Sicherheitsregeln kam es bei der Durchführung der 5. Regel zu einem folgenschweren Fehler. Die Abdeckungen der benachbarten Felder mit den Isolierplatten, die auch zum Kennzeichnen der Arbeitsstelle eingesetzt werden, hängte der Monteur auf der falschen Schaltzellenseite ein.

Der Monteur glaubte nun, an der vermeintlich freigeschalteten Seite arbeiten zu können. In der BGV A3 (identisch mit DGUV Vorschrift 3) heißt es in § 6 Absatz 2: „Vor Beginn der Arbeiten an aktiven Teilen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel muss der spannungsfreie Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt werden.“ Der Fehler des Monteurs war es, dass er sich auf seine zuvor durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen verließ und nicht erneut auf Spannungsfreiheit prüfte.

Autor: J. Jühling
Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

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