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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Undichte Elektroinstallation

Darf Silikon in Gerätedosen zum Abdichten verwendet werden?

Darstellung der Blower-Door-Messmethode Die Luftwechselrate wird ermittelt. Die Pfeile geben die Leckagen in der Außenhaut an und den gemessenen Luftaustausch über die Messtür; Quelle: Wikipedia/Schmolke/ep

Frage:
Beim Blower-Door-Test sind in einem Einfamilienhaus einige Gerätedosen als undicht aufgefallen. Offenbar zieht an den Leerrohranschlüssen Luft in das Mauerwerk. Eine Abdichtung allein erwies sich als nicht ausreichend. Ist es, unabhängig von der Dauerhaftigkeit, zulässig, Silikon in Gerätedosen zur Abdichtung einzusetzen?

Antwort:
Der Blower-Door-Test nach DIN 13829 [1], auch Differenzdruck-Messverfahren [2] genannt, ist ein Verfahren, mit dem die Luftdichtheit von Gebäuden ermittelt werden kann. Vereinfacht gesprochen, wird festgestellt, wie schnell die Luftmenge innerhalb eines Raums bei einem definierten Luftunter- und Luftüberdruck (im Verhältnis zum Außenluftdruck) von 5 kg/m2 (das sind 50 Pa (Pa = Pascal) oder 0,5 mbar) über Fehlstellen in der Außenhaut des Gebäudes an die Umgebung abgeführt wird. Dabei wird dieser Luft-Differenzdruck über eine Messtür eingebracht und der Luftaustausch zwischen dem Innenraum und der Außenluft registriert (sogenannter Blower-Door-Test) (Bild).

Ein wesentlicher Schritt dieses Verfahrens ist die Leckageortung, also die Suche nach den Leckagen (den undichten Stellen), über die Luft von außen ins Gebäude gelangt. Häufig werden diese Leckagen mit einer Wärmebildkamera (Infrarot-Kamera) oder mit einem Thermoanemometer sichtbar gemacht.

Aus der vereinfachten Darstellung im Bild geht hervor, dass es zahlreiche Eintrittsstellen für die Außenluft geben kann. Die Messmetode liefert also zunächst lediglich einen Gesamtwert (Kennwert) für die Luftdichtheit von Gebäuden. Je nach vereinbarter Ausführung der Messung werden die Leckagen in jedem Fall oder erst bei Überschreitung eines Mindestwerts für die Luftdichtheit ermittelt.

Eine solche Leckage könnte selbstverständlich eine Geräte- oder Abzweigdose sein, die eine Verbindung (meist über das Leerrohrsystem) mit der Außenluft herstellt. Dabei ist natürlich nicht festgelegt, wie dicht jede einzelne Leckage letztendlich sein muss. Der Begriff „luftdicht“ ist nicht mit einem exakten Wert verbunden.

Entsprechende Bausachverständige sind sich aber in der Regel einig, dass die Abdichtung mit Silicon nur eine unzureichende Lösung bietet. Fachtechnisch ausgereifte Lösungen für eine Luftdichte Elektroinstallation bietet der Markt schon seit Jahren, siehe z. B. die Broschüre „Elektro+ Luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation“ [2] oder den Fachbeitrag „Luftdichte Elektroinstallation [4]“ in Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 11.

Eine mögliche Lösung für eine nachträgliche Maßnahme bieten z. B. sogenannte Dichtungseinsätze für Gerätedosen. Die Hersteller für Gerätedosen können in dieser Frage mit Sicherheit Auskunft geben und Lösungen anbieten.

Autor: H. Schmolke

Literatur:

[1] DIN EN 13829:2001-02 (zurückgezogen) Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren.

[2] DIN EN ISO 9972:2018-12 Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren.

[3] Elektro+ Luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation; GED Gesellschaft für Energiedienstleistung GmbH & Co. KG; 3. Auflage März 2014.

[4] Born, S.: Luftdichte Elektroinstallation, Elektropraktiker, Berlin 60 (2006) 11, S. 933-935.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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