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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Installationsmängel in einer Mietwohnung

Was ist in Mietwohnungen hinsichtlich einer Überfüllung der Abzweigdosen zu beachten?

(Bild: Тимур Конев/stock.adobe.com)

Frage:
In einer Mietwohnung sind mir einige Mängel aufgefallen. So wurden aus meiner Sicht Biegeradien verlegter Leitungen unterschritten und Abzweigdosen überfüllt. Die Zuleitungen kommen von den Raumthermostaten und einer Gastherme. In Richtlinien habe ich gelesen, dass ein Überfüllen der Abzweigdosen nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei ein und demselben Stromkreis) erlaubt ist. Ist das korrekt? Zudem möchte ich wissen, ob die Thermografie eine verpflichtende Prüfung ist?

Antwort:
Biegeradien sind zum einen davon abhängig, ob es sich um Kabel oder Leitungen handelt, und zum anderen, über welchen Durchmesser die Kabel und Leitungen verfügen. Sicherlich wurden in der besagten Wohnung größtenteils NYM-Leitungen mit 
3 × 1,5 mm2 oder 3 × 2,5 mm2 verlegt. Diese Leitungen haben im Allgemeinen einen Durchmesser von 10 bis 12 mm. Nach DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1] ergibt sich der kleinste Biegeradius dann aus 
5 × D (D = Außendurchmesser bei runden Leitungen) und beträgt somit 50 bis 60 mm. Bei Leitungen mit fünf Adern ergibt sich der Biegeradius aus 6 × D. Weitere Details finden sich auch in der VdS-Richtlinie VdS 2025 [2].

Bezüglich dem Überfüllen von Abzweigdosen weiß ich nicht, in welcher Richtlinie die vom Anfragenden genannte Bedingung enthalten sein sollte. Die Frage ist doch, wann ist eine Dose überfüllt? Dazu gibt es Herstellerangaben. Die Angaben der Hersteller zu der Anzahl der Leitungen ist bei den Dosen größtenteils eingeprägt und natürlich von der Größe der Dose abhängig. Je nach Größe der Abzweigdose ist die Anzahl der möglichen Adern und Klemmen vom Querschnitt der Leitung abhängig und davon, ob Geräte in die Dose eingebracht werden.

Die Thermografie ist ein gutes Hilfsmittel, ersetzt aber keine andere elektrische Prüfung, z. B. nach DGUV Vorschrift 3. Eine generelle Verpflichtung zur Thermografie gibt es nicht. Jedoch gibt es Versicherer, die diese Prüfung vorschreiben.

Aus den vom Anfragenden genannten Angaben kann ich keine weiteren Schlüsse ziehen. Ich kann dem Anfragenden nur folgenden Rat geben: Wenn er wirklich Bedenken wegen der elektrischen Anlage hat, sollte der Anfragende eine Prüfung durch eine Elektrofachkraft beauftragen. Diese kann dann evtl. auch die betreffenden Verteilerdosen thermografieren, um evtl. Mängel festzustellen.

Autor: K. Callondann

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2013-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen.

[2] VdS 2025:2016-10 Elektrische Leitungsanlagen; Publikation der deutschen Versicherer (GDV e. V.) zur Schadenverhütung.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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