Anzeige

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Installation weicht von Norm DIN 18014 ab

Wie muss eine nachträglich einzubringende Ersatzanlage für einen fehlenden Ringerder aufgebaut sein?

Aufbau eines Erders a) Erdungselektrode b) Erdungsleiter c) Verbindungselemente zwischen dem Erdungsleiter und der Erdungselektrode

Aufbau eines Erders a) Erdungselektrode b) Erdungsleiter c) Verbindungselemente zwischen dem Erdungsleiter und der Erdungselektrode (Bild: H.-D. Schüssele/ep)

Frage: Beim Bau eines Wohngebäudes wurde nach dem Bodenaushub vergessen, den erforderlichen Ringerder einzubringen. Ein nachträglicher erdfühliger Einbau ist nicht mehr möglich, da es sich hier um ein Hanggrundstück handelt.

Die Bodenplatte des Wohngebäudes ist auf einer 2 m dicken Bodenaustauschschicht aus Lava errichtet worden. Unter Teilen der Bodenplatte befindet sich eine Dämmung. Die Potentialsteuerung in der Bodenplatte wurde aus verzinktem Stahl ausgeführt. Die gesamte Ausführung entspricht der DIN 18014. Von der Potentialsteuerung aus sind an allen vier Hausecken Anschlussfahnen nach außen geführt (Niro).

Abweichend von der DIN 18014 wurden an drei Stellen Tiefenerder eingebracht, die mit einem Ring um die Bodenplatte aus 10 mm Rundstahl (Niro) verbunden sind. Der äußere Ring ist über die Anschlussfahnen mit der Potentialsteuerung verbunden. Die Anschlussfahne zur HES ist ungeschnitten mit der Potentialsteuerung und dem äußeren Ring verbunden. Die Tiefenerder wurden entgegen der Absprache in verzinktem Material ausgeführt. Ist diese Ausführung fachgerecht und kann ich diese Erdungsanlage so abnehmen?

Antwort: Wichtiger Hinweis vorab. Vor der konkreten Beantwortung der Anfrage durch den Unterzeichner dieser Anfrage, muss klargestellt werden, dass eine nicht der aktuellen DIN 18014 (2014-03) [1] entsprechende Erdungsanlage bei neu errichteten Gebäuden als klare Abweichung von den allgemein anerkannten Regeln der Technik im Bereich der Elektrotechnik zu werten ist.

Standardfälle und Alternativen. Zur Beantwortung dieser interessanten Anfrage muss klar zwischen den Anforderungen der DIN 18014 [1] in Standardfällen und alternativen Ausführungsvarianten, die „Sonderlösungen“ für solche oder ähnliche Fälle erforderlich machen, unterschieden werden.

Allerdings wird es Fälle geben (z. B. diese aktuelle Anfrage), bei denen eine streng den normativen Anforderungen entsprechende Umsetzung der DIN 18014 [1] ausdrücklich nicht mehr möglich ist (z. B. durch nicht mehr korrigierbare Abweichungen in der Bauausführung). In solchen Fällen muss die verantwortliche Elektrofachkraft in Abweichung von den genauen normativen Anforderungen, auf Basis der „Schutzziele“ der DIN 18014 [1] eine Lösungsvariante erarbeiten und in Abweichung von der einschlägigen Norm dann auch letztlich verantworten.

Anmerkung. Abweichungen von Normen sind in „Eigenverantwortung“ möglich, müssen aber genau dokumentiert und begründet werden und in der Gesamtbetrachtung technisch immer gleichwertig oder höherwertig sein.

Zur konkreten Anfrage. Nach Meinung des Unterzeichners dieser Antwort kann die vom Anfragenden geplante Ausführungsvariante nach Umrüstung der Tiefenerder auf V4A-Ausführung unter den oben genannten Voraussetzungen (siehe Anmerkung) so erfolgen.

Vom Unterzeichner dieser Antwort kann natürlich nicht die handwerklich korrekte Ausführung beurteilt werden, dies muss von Seiten des Anfragenden erfolgen.

Es wird allerdings vom Unterzeichner dieser Antwort dringend empfohlen, sämtliche Abweichungen von den normativen Anforderungen der DIN 18014 [1] in einem Dokument akribisch aufzuführen und die technische Gleichwertigkeit zu beurteilen bzw. die ergriffenen Kompensationsmaßnahmen darzustellen, und dieses Dokument der Anlagendokumentation bzw. dem Anlagen-Prüfprotokoll beizufügen. Zusätzlich muss dieser Sachverhalt auch dem Anlagenbetreiber (Gebäudebesitzer) mitgeteilt, und von ihm nachweislich akzeptiert bzw. gebilligt werden.

Literatur: [1] DIN 18014:2014-03 Fundamenterder – Planung, Ausführung und Dokumentation.

Autor: F. Ziegler

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Maschinenprüfstand mit Trenntransformator

Was ist bei der Installation eines Trenntrafos zu beachten?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Umfang der Isolationsmessung

Muss bei einem Kaltgerätekabel bzw. einer Verlängerungsleitung ohne berührbare leitfähige Teile eine Isolationsmessung erfolgen, oder ist diese Messung nur für aktive und berührbare leitfähige Teile eines Gerätes relevant?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Normen und Vorschriften Elektrosicherheit - DIN EN 61000-2-2 (VDE 0839-2-2) 2019-06

Diese Norm enthält die deutsche Fassung der Europäischen Norm EN 61000-2-2:2002 + A1:2017 und ist identisch mit der Internationalen Norm IEC 61000-2-2 (Ausgabe 2002-03) und ihrer Änderung 1 (Ausgabe Juni 2017).

Weiter lesen

Neben den vorhandenen Umgebungssensoren für Temperatur, Luftfeuchte, Vibration und Kohlenmonoxid enthält der MultiSensor-TI neue Fühler für Luftqualität, Luftdruck und einen Thermalbildsensor für eine umfassende Raumüberwachung.

Weiter lesen

Das Türkische Institut für Normung (TSE) und das VDE-Institut haben sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen den internationalen Marktzugang zu erleichtern. Die Kooperation umfasst die Bereiche Normung, Prüfung, Zertifizierung und Schulung.

Weiter lesen
Anzeige