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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Abgeschlossener elektrischer Betriebsraum

Wird ein für Schalt- und Verteilungsanlagen vorgesehener Raum nach Normen bzw. Vorschriften als abgeschlossener elektrischer Betriebsraum angesehen?

(Bild: Maritta Gaßner/stock.adobe.com)

Frage:
Im Rahmen eines Bauvorhabens wird ein Raum für Schalt- und Verteilungsanlagen vorgesehen. Er soll nach Fertigstellung u. a. Hausanschlusskasten – (3 ∙ 125 A), Gebäudehauptverteilung und UV-SV (E90-Gehäuse) für Feuerwehraufzug, Sicherheitsbeleuchtung sowie BMA enthalten. Zählt dieser Raum als abgeschlossener elektrischer Betriebsraum? Bis jetzt könnte jeder diesen Raum betreten, der über die allgemeine Technikschließung verfügt.

Antwort:

Die Anfrage bezieht sich ausschließlich auf den Raum. Deshalb wird in dieser Antwort nicht hinterfragt, ob die Betriebsmittel, die in der UV-SV verbaut wurden, auch bei den erhöhten Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerten, die während einer Brandbeaufschlagung im Verteiler entstehen können, über die vorgesehene Zeit des Funktionserhalts sicher betrieben werden können. Dass eine Verteilung eine E90-Klassifizierung hat, sagt ja noch nichts über die Beständigkeit der Betriebsmittel im Verteiler gegen Übertemperaturen und erhöhten Feuchtigkeitswerten aus. Diese Frage könnte möglicherweise relevant werden, wenn z. B. für Steuerungs- oder Schaltfunktionen elektronische Bauteile vorgesehen wurden. Es wird auch nicht hinterfragt, ob die Leitung zwischen dem Generator und der UV-SV für den Funktionserhalt korrekt ausgewählt und errichtet wurde.

Beim Stichwort „elektrischer Betriebsraum“ muss man zunächst zwischen behördlichen Forderungen und den Anforderungen nach Norm unterscheiden.

Die Baubehörde beschreibt Anforderungen an Räume, in denen elektrische Anlagen errichtet wurden, die eine besondere sicherheitstechnische Relevanz oder ein hohes Gefährdungspotential haben, in einer Verordnung oder es werden im Baugenehmigungsbescheid des Gebäudes konkrete Auflagen festgelegt. Die Vorlage für die erwähnte Verordnung wird als Muster von der Bauministerkonferenz (ARGEBAU) herausgegeben: Muster einer Verordnung über den Bau von Betriebsräumen für elektrische Anlagen (EltBauVO).

Die Bundesländer übernehmen dieses Muster in ihren Bauvorschriften entweder zu 100 % oder mit leichten Modifikationen. Im Text dieser Musterverordnung taucht die Bezeichnung „abgeschlossene elektrische Betriebsstätte“ nicht auf; stattdessen wird dort von „elektrischen Betriebsräumen“ gesprochen. In der Verordnung wird festgelegt, welche Räume gemeint sind. Danach geht es ausschließlich um Räume, in denen eine oder mehrere der folgenden Einrichtungen errichtet wurden:

  • Transformatoren und Schaltanlagen für Nennspannung über 1 kV.
  • Ortsfeste Stromerzeugungsaggregate für bauordnungsrechtliche vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen.
  • Zentrale Batterieanlagen für bauordnungsrechtliche vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen.

Nach der Beschreibung in der Anfrage handelt es sich bei dem fraglichen Raum nicht um einen elektrischen Betriebsraum im Sinne der Bauordnung bzw. gemäß EltBauVO. Daher sind die Anforderungen, die die Baubehörde an diese Räume stellt, für den in der Anfrage beschriebenen Raum nicht relevant.

In den VDE-Normen findet man Anforderungen zu solchen Räumen in DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731) [1].

Eine Definition der Bezeichnung „abgeschlossene elektrische Betriebsstätte“ ist in DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200)[2], Abschnitt NC.3.2 zu finden. Sie lautet: „Raum oder Ort, der ausschließlich zum Betrieb elektrischer Anlagen dient und unter Verschluss gehalten wird. Der Verschluss darf nur von beauftragten Personen geöffnet werden. Der Zutritt ist nur elektrotechnisch unterwiesenen Personen gestattet.

Anmerkung: Hierzu gehören z. B. abgeschlossene Schalt- und Verteilungsanlagen, Transformatorenzellen, Schaltzellen, Verteilungsanlagen in Blechgehäusen oder in anderen abgeschlossenen Anlagen, Maststationen.“

Interessant ist dabei, dass nicht pauschal festgelegt wird, welche Räume eigentlich gemeint sind. In der Anmerkung aus DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200)[2] findet man lediglich eine unvollständige Beispielliste. Die Fragen bleiben: Ab wann ist ein Raum eine „abgeschlossene elektrische Betriebsstätte“? Wieviel Schaltschränke müssen für eine entsprechende Einstufung im Raum untergebracht sein oder wieviel elektrische Leistung wird im Raum über die Schaltschränke verteilt? Oder geht es eventuell um die Spannungshöhe bzw. um die Höhe der Betriebsströme?

Solche Fragen werden in den Normen nicht pauschal beantwortet. Im Anwendungsbereich von DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731) [1], Abschnitt 731.1 heißt es lediglich: „Diese Norm gilt für die Planung und Errichtung von elektrischen Anlagen und Anlagenteilen in begehbaren abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten.“

Wichtig für dieses Thema ist auch die nachfolgende Anmerkung 3: „Die Anforderungen der vorliegenden Norm sind nicht zu verwechseln mit den Anforderungen der Landesverordnungen über den Bau von Betriebsräumen für elektrische Anlagen (EltBauVO), die Anforderungen zu Transformatoren und Schaltanlagen > 1 kV, ortsfesten Stromerzeugungsaggregaten und zu zentralen Batterieanlagen in Gebäuden enthalten.“

Ob ein Raum eine „abgeschlossene elektrische Betriebsstätte“ ist oder nicht, muss der Betreiber aufgrund seiner Gefährdungsbeurteilung festlegen. Geht es jedoch um Einrichtungen, die in der EltBauVO genannt werden, so ist die Entscheidung des Betreibers natürlich vorgegeben. Aber in allen anderen Fällen muss er die Einstufung selbstverantwortlich vornehmen.

Autor: H. Schmolke

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-731: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten.

[2] DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200):2006-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 200: Begriffe.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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