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Elektrotechnik | Installationstechnik | Kabel und Leitungen

Teile unterschiedlicher Stromkreise in einem gemeinsamen Gehäuse

ep2/2010, 1 Seite

Im Rahmen der Wiederholungsprüfung einer ortsfesten Anlage sind wir auf ein Problem gestoßen, das viele Diskussionen mit unserem Kunden nach sich zog. In einem Treppenhaus eines Versandlagers wurde in den 1990er Jahren die Elektroinstallation komplett erneuert. Die Installation wurde mit PVC-Kanälen ausgeführt. Schalter und Schukosteckdosen wurden mit Aufputz-Gehäusen (Einbautiefe 33,5 mm) und Unterputz-Einsätzen installiert. Bei diesen Aufputz-Gehäusen handelt es sich um Zweifach-Gehäuse, die u. a. für eine Kombination von Schalter und Steckdose konzipiert sind. In einem solchen Zweifach-Gehäuse wurden hier jedoch Betriebsmittel von zwei unterschiedlichen Stromkreisen – einem Lichtstromkreis und einem Steckdosenstromkreis – installiert. Dies ist unserer Meinung nicht zulässig, zumal in dem Gehäuse auch keine Trennplatte oder Ähnliches vorhanden ist. Unser Kunde ist der Meinung, dass die beschriebene Art der Installation zulässig ist. Ist eine solche Installationsweise von Betriebsmitteln unterschiedlicher Stromkreise in einem Gehäuse zulässig?


Beim Beantworten dieser Frage gehe ich davon aus, dass Installationskanäle an den Längsseiten in die Aufputz-Installationsrahmen eingeführt worden sind. Bei einer Einbautiefe von 33,5 mm in dem beschriebenen Aufputz-Rahmen ist der Platz für die Leitungsführung und den Anschluss, vor allem beim Einbau von Steckdosen mit Schutzkontakt, sehr begrenzt. Hier lässt sich wahrscheinlich gar nicht ausschließen, dass sich Leitungen beider Stromkreise gegenseitig berühren.
Einsatz einer Trennwand. Nach Abschnitt 528.1.2 in DIN VDE 0100-520 [1] dürfen in einem Rohr, einem einzügigen Kanal oder in einem Zug eines mehrzügigen Kanals nicht Aderleitungen mehrerer Hauptstromkreise verlegt werden, weil diese nur über eine Basisisolierung verfügen. Schon beim Verlegen sind Beschädigungen somit nicht auszuschließen. Im Prinzip ist das auch nach dem Abmanteln von NYM-Leitungen nicht anders, falls diese hier verwendet sein sollten. Ich kann dem Anfragenden also nur bestätigen, was in seiner Fragestellung zum Ausdruck kommt. Eine Trennplatte sollte hier Abhilfe schaffen. Ob und wie sich eine solche Trennplatte hier einbauen lässt, müsste allerdings vor Ort geklärt werden. Ihr Vorhandensein würde zusätzlich dafür sorgen, dass eine seitliche Verbindung mit dem benachbarten Stromkreis generell auszuschließen ist. Da so jedes Gerät separat zugänglich sein sollte, dürften die beiden Stromkreise sicher voneinander getrennt sein.
Warnhinweise anbringen. Bei der zuvor beschriebenen Lösung ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, ob die Versorgung der Steckdose und des Schalters aus dem gleichen oder aus unterschiedlichen Stromkreisen erfolgt. In Fällen, bei denen ein Teil eines Betriebsmittels oder eine Umhüllung aktive Teile enthält, die mit mehr als einer Versorgung verbunden sind, muss gemäß DIN VDE 0100-460 [2], Abschnitt 462.3, ein Warnhinweis so angebracht werden, dass jede Person, die Zugang zu den aktiven Teilen hat, auf die Notwendigkeit der Trennung dieser Teile von verschiedenen Versorgungen hingewiesen wird.

Quellen

DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2003-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kapitel 52: Kabel- und Leitungsanlagen.

DIN VDE 0100-460 (VDE 0100-460):2002-08 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4: Schutzmaßnahmen – Kapitel 46: Trennen und Schalten.


Autor
  • H. Senkbeil
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