Zum Hauptinhalt springen 
Elektrotechnik | Messen und Prüfen

Schukostecker als Ausgangspunkt des Prüfablaufs

ep1/2010, 3 Seiten

Nach den Vorgaben der Norm DIN VDE 0701-0702 sind nicht mehr die Schutzklassen der Geräte, sondern die an diesem Gerät wirkenden Schutzmaßnahmen Ausgangpunkt der Prüfung. Es gibt allerdings auch Geräte, die vollständig aus Isolierstoff bestehen, aber auch einen Schutzkontaktstecker aufweisen, von dem der Schutzleiter in den Gerätekörper eingeführt wird. Wenn an diesem Gerätekörper keine berührbaren leitfähigen, an den Schutzleiter angeschlossenen Teile vorhanden sind, ist der Durchgang des Schutzleiters somit nicht feststellbar. Auch die Schutzleiter-Schutzmaßnahme kann nicht geprüft werden, denn hierfür wäre das Öffnen des Geräts erforderlich, was jedoch nicht gestattet und meist auch nicht sinnvoll ist. Wie ist mit solchen Geräten bei der Prüfung zu verfahren?


Bei nahezu jedem elektrischen Gerät sind es mehrere Schutzmaßnahmen, die als Kombination den Schutz von Personen gegen elektrischen Schlag sicherstellen. Zunächst muss in jedem Fall der Basisschutz, als Schutz gegen direktes Berühren, vorhanden sein. Diese Aufgabe übernimmt bei allen Geräten die sogenannte Basisisolierung. Sie umgibt alle aktiven Teile und wird gewährleistet
  • entweder durch isolierendes Material (Bild (1) a, b),
  • oder durch eine Luftstrecke (ein definierter Mindestabstand) zwischen aktiven Teilen und der eine Berührung verhindernden leitfähigen Hülle (Bild (1) c),
  • oder durch Luftstrecke und Isolierteil.
Zwingend vorgegeben ist zudem ebenfalls das Anwenden einer Schutzmaßnahme, die dem Fehlerschutz dient, die also den Schutz von Personen beim Versagen des Basisschutzes übernimmt. Er wird gewährleistet
  • entweder durch eine zweite „zusätzliche“ Isolierung (Bild (1)) der aktiven Teile
  • oder durch Anschluss des Schutzleiters an die leitfähige Gerätehülle (Bild (3) a), der im Fehlerfall das schnelle Abschalten bewirkt.
Bei jedem elektrischen Erzeugnis (Gerät, Betriebsmittel, Anlage) müssen Schutzmaßnahmen für den Basisschutz und den Fehlerschutz vorhanden sein. Ausnahmen davon sind gestattet, wenn nur die Kleinspannung zur Anwendung kommt.
Schutz gegen elektrischen Schlag. Bei der Variante 1 (Kennzeichen: zweipoliger Stecker ohne Schutzleiterkontakte, Bild (2) sind die Basisisolierung (Basisschutz) sowie die zusätzliche Isolierung (Fehlerschutz) vorhanden und bilden insgesamt die Schutzmaßnahme „doppelte Isolierung“ oder können gemeinsam als „verstärkte Isolierung“ ausgeführt sein (Bild (1))
Variante 2 (Kennzeichen: Schutzkontaktstecker, (Bild (3)) gewährleistet den Schutz gegen elektrischen Schlag durch Vorhandensein der Basisisolierung (Basisschutz) sowie durch die Verbindung des Geräteschutzleiters (einschließlich der an ihn angeschlossenen Teile) mit dem Schutzleiter der Anlage (Fehlerschutz). Diese beiden Maßnahmen bilden gemeinsam eine Schutzleiterschutzmaßnahme. Bei dieser Variante kann außerdem auch teilweise (Bild (1) c) oder vollständig (Bild (1) c, (3) b), die Schutzmaßnahme doppelte/verstärkte Isolierung zur Anwendung kommen.
Notwendige Prüfungen. Bei beiden Varianten muss durch eine Prüfung die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen, d. h. der ordnungsgemäße Zustand aller der Sicherheit dienenden Teile (diverse Isolierungen, Schutzleiter), nachgewiesen werden.
Bei Variante 1 (zweipoliger Stecker) ist zu prüfen,
  • der Isolierkörper (die doppelte bzw. verstärkte Isolierung)
    - durch Besichtigen und
    - durch die Isolationswiderstands- sowie die Berührungsstrommessung (Bild (2)), (wenn sich auf dem Isolierkörper berührbare leitfähige Teile befinden).
Bei Variante 2 (Schutzkontaktstecker) sind zu prüfen,
  • der Zustand der Schutzleiterkontakte
    – durch Besichtigen,
  • die Basisisolierung zwischen den aktiven Teilen und dem Schutzleiter mit den an ihn angeschlossenen Teilen (Stecker, Leitung, Gehäuse, konstruktive Einbauten)
    – durch die Isolationswiderstands- sowie Schutzleiterstrommessung (Bild (3)a),
  • die Verbindung des Gehäuses mit dem Schutzleiter
    – durch Messung des Schutzleiterwiderstands (Bild (3) a), wenn ein leitfähiges Gehäuse vorhanden ist.
Bei der Variante im Bild (3) b können auf dem Isolierkörper auch leitfähige berührbare Teile vorhanden sein (analog Bild (2)). Diese Art der Gerätegestaltung wurde hier nicht dargestellt.
Die Anfrage bezieht sich auf Variante 2, die Schutzleiterschutzmaßnahme. Sie wurde als Fehlerschutz (Bild (3) a) für das Gehäuse eingeführt. Der Anfragende ist der Meinung, dass dieser Fehlerschutz nicht mehr erforderlich wäre, wenn das Gehäuse aus Isolierstoff hergestellt wurde (Bilder (1) c, (3) b). Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass Aufgabe und Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahme, also des geerdeten Schutzleiters, nicht nur den Schutz gegen elektrischen Schlag für das leitfähige Gehäuse betreffen. Der Schutzleiter bewirkt auch einen Schutz gegen
  • Folgen eines Isolationsfehlers im Inneren des Geräts und
  • elektrisch gezündete Brände beim Auftreten eines Isolationsfehlers zwischen Außen- und Neutralleiter.
Bei der Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 [1] geht es ja außerdem nicht nur um den Schutz gegen elektrischen Schlag, sondern – wie der Titel aussagt – um die Elektrosicherheit insgesamt.
Der Schutzleiter wird auch für die Funktion der Beschaltungen (Sicherheitselement) benötigt. Außerdem muss er auch selbst, als nun einmal vorhandenes Teil des Geräts, hinsichtlich seines ordnungsgemäßen sicheren Zustands untersucht werden! Alle Schutzmaßnahmen, die durch oder für den Schutzleiter wirksam werden – an erster Stelle die Basissolierung – sind zu prüfen.
Fazit. Auch wenn kein an den Schutzleiter anzuschließendes berührbares leitfähiges Teil vorhanden ist (Bild (3) b), muss bei der Prüfung des Geräts der ordnungsgemäße Zustand des Schutzleiters nachgewiesen werden. Hierzu dienen die beiden genannten Messungen (Bild (3) b). Das Messen des Schutzleiterwiderstands kann nicht erfolgen – jedenfalls nicht auf eine vertretbare sinnvolle Weise – und wird daher in der Norm nicht verlangt.
Welcher Prüfablauf (d. h. welche der beiden Prüfvarianten) zur Anwendung kommen muss, hängt davon ab, welcher Stecker an der Anschlussleitung vorhanden ist. Handelt es sich um einen Schutzkontaktstecker, müssen die Messungen nach Variante 2 (Bild (3)) eingeplant und dann aus folgenden Gründen vorgenommen werden:
  • Auch der Schutzkontaktstecker – als Teil des Prüflings – kann defekt, verschmutzt oder durchnässt sein.
  • Der Prüfer muss zunächst annehmen, dass alle im Bild (3) dargestellten Teile des Geräts (Schutzleiter, leitfähiger Körper) vorhanden und alle Messungen erforderlich sind.
Es ist nicht erforderlich, die sehr oft nicht eindeutig, falsch oder gar nicht angegebene Schutzklasse des Geräts zu suchen und über sie zu diskutieren.
Durch das Auswählen des Prüfprogramms/-ablaufs nach der Art des Steckers der Anschlussleitung erfolgt das eindeutige Bestimmen des von der Norm vorgegebenen Prüfumfangs.

Dieser Sachverhalt ergibt sich nun auch durch die neue Festlegung in DIN VDE 0100-410 [2], nach der in allen Leitungen der Schutzleiter mitzuführen ist. Offen ist dabei die Frage, ob bei jeder Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0100-600 [3] alle Installationsschalter zu demontieren sind, um die Verbindung dieses „blinden“ Schutzleiters an den Schutzleiter der Anlage durch eine Messung nachweisen zu können.

Quellen

DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.

DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41:Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2008-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

Bödeker, K.; Kindermann, R.: Prüfung elektrischer Geräte nach DIN VDE 0701-0702 – Teil 4: Erläuterungen zu den Festlegungen der Norm. Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 8; S. 704 – 707.


Bilder


Arten der Schutzma


Messungen an einem Ger


Messungen des Isolationswiderstands (RISO), des Schutzleiterstroms (ISL) und des Schutzleiterwiderstands (RSL) an einem Ger

Autor
  • K. Bödeker
Downloads
Sie haben eine Fachfrage?