Normen und Vorschriften
|
Licht- und Beleuchtungstechnik
|
Fachplanung
|
Elektrotechnik
Neue Norm für die Planung der Innenraumbeleuchtung Teil 2: Änderung bei der Planung - differenzierte Vorgehensweise
ep1/2004, 4 Seiten
Beleuchtung von Bildschirmarbeitsplätzen Wegen ihrer zunehmenden Bedeutung wird auf die komplexen Anforderungen an die Beleuchtung für Bildschirmarbeitsplätze in DIN EN 12 464-1 detailliert hingewiesen. Dabei muss man für die Beleuchtung alle am Arbeitsplatz anfallenden Arbeiten berücksichtigen: · Lesen der Bildschirminformationen, · Lesen von gedruckten Texten, · Schreiben auf dem Papier, · Arbeiten mit der Tastatur. Vor allem ist für die Leuchtenauswahl und -anordnung die mögliche Reflexblendung zu berücksichtigen. Für Arbeitsplätze mit Bildschirmen, die maximal bis zu 15° zur Senkrechten geneigt sind, sind in Tafel Grenzwerte der mittleren Leuchtdichte für Ausstrahlungswinkel 65° festgelegt. Für variable Bildschirmneigung wird empfohlen, diese Grenzwerte auf geringere Leuchtenausstrahlungswinkel, z. B. 55° zu beziehen. Verzeichnis der Beleuchtungsanforderungen Die quantifizierbaren Anforderungen an die Beleuchtung für verschiedenartige Sehaufgaben, Tätigkeiten und für Raumbereiche sind in Tabellen festgelegt. Der Aufbau und der Inhalt soll anhand der Tabelle 5.3 - Büros - erläutert werden (Tafel 4 in [1]): Spalte 1: Jeder Sehaufgabe, Tätigkeit oder jedem Raum wird eine Bezugsnummer zugeordnet. Spalte 2: Tätigkeits- oder Raumkriterien. Sollte eine spezifische Tätigkeit oder ein spezifischer Raum nicht aufgeführt sein, sind Werte einer vergleichbaren Situation anzuwenden. Spalte 3: Wartungswert der Beleuchtungsstärke ( ) für die Bewertungsfläche entsprechend der Sehaufgaben, Tätigkeiten und Raumbereiche in Spalte 2. Der angegebene Wert sollte erhöht werden, wenn u. a. · die Sehaufgabe für den Arbeitsablauf kritisch ist, · die Genauigkeit oder die höhere Produktivität von großer Bedeutung sind, · das Sehvermögen der arbeitenden Person unter dem Durchschnitt liegt, · die Sehaufgabe besonders kleine Details oder besonders niedrige Kontraste aufweist. Der geforderte Wert kann niedriger gewählt werden, wenn · die Sehaufgabe besonders große Details oder besonders hohe Kontraste ausweist, · die Sehaufgabe nur sehr kurzzeitig ausgeführt wird. Spalte 4: UGR-Grenzwerte, die nicht überschritten werden sollen. Spalte 5: Farbwiedergabeindex, der mindestens erforderlich ist - ein höherer Wert ist statthaft. Spalte 6: Hinweise, Anmerkungen für Besonderheiten und Ausnahmen. Prüfung DIN EN 12 464-1 schreibt eine Überprüfung der ausgeführten Beleuchtungsanlage im Vergleich mit den Planungsdaten vor. Dabei muss die Beleuchtungsstärke messtechnisch nachgewiesen werden. Für die UGR-Grenzwerte und den Farbwiedergabeindex genügt ein Vergleich der eingesetzten mit den in der Planung vorgegebenen Lampen und Leuchten. Bei der Beleuchtungsstärkemessung müssen die Messpunkte mit den Rasterpunkten der Berechnung der Beleuchtungsstärkeverteilung übereinstimmen. Der Mittelwert der Beleuchtungsstärke und die Gleichmäßigkeit sind aus den Messwerten zu berechnen und mit der Normvorgabe zu vergleichen. Für die Beurteilung der UGR-Grenzwerte müssen die Reflexionseigenschaften der Raumbegrenzungsflächen und die Leuchtenanordnung mit der Planung übereinstimmen. Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 1 FÜR DIE PRAXIS Beleuchtungstechnik Neue Norm für die Planung der Innenraumbeleuchtung Teil 2: Änderung bei der Planung - differenzierte Vorgehensweise Die Inhalte der Europäische Norm DIN EN 12 464-1 „Beleuchtung von Arbeitstätten; Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen“ wurden bisher in der Normenreihe DIN 5035 behandelt. Neu eingeführte Begriffe und Kriterien der Planung sind Thema von [1]. In diesem Teil finden sich weitere Aspekte der Beleuchtungsplanung. Autor Dipl.-Ing. Roland Baer ist beratender Ingenieur und freier Fachjournalist im Bereich Lichttechnik, Berlin. Bildschirm-Klasse Bildschirm- Mittlere Leuchtdichte nach DIN EN güte von Leuchten, die sich im ISO 9241-7 Bildschirm spiegeln I gut II mittel 1000 cd/m2 III gering 200 cd/m2 Tafel Grenzwerte der mittleren Leuchtdichte für Leuchten für Bildschirmarbeitsplätze 0,5 m für Eh: 0,75 m für Ez: 1,2 m Raumbereich nicht zu berücksichtigender Randstreifen Bewertungsflächen für die raumbezogene Beleuchtung Planung Der Planer dimensioniert eine Beleuchtungsanlage entsprechend der Sehaufgabe oder Raumnutzung. Weiterhin soll er die Anlage mit einem Wartungsfaktor, der sämtliche Einflüsse berücksichtigt, planen und einen umfassenden Wartungsplan erstellen. Dieser Plan beinhaltet die Intervalle für den · Lampenwechsel, · Reinigung der Leuchten (mit den Reinigungsmethoden) und · Reinigung der Raumbegrenzungsflächen (mit den Reinigungsmethoden). Diese Forderung ist nach den Erfahrungen der bisherigen Beleuchtungsplanung realitätsfremd: Wie wird sichergestellt, dass die in der Planung gemachten Wartungsvorgaben beim Betrieb der Beleuchtungsanlagen eingehalten werden? Dies gilt umso mehr für die Situation, dass Errichter und Betreiber der Beleuchtungsanlage unterschiedliche Institutionen sind. Die Möglichkeiten der Beleuchtungsplanung von Arbeitsplätzen mit unterschiedlichen Flächenvorgaben soll anhand der Vorschläge für die Beleuchtung von Bildschirmarbeitsplätzen nach E DIN 5035-7 [2] erläutert werden. Sie sind auch umfassend in der berufsgenossenschaftlichen Information „Beleuchtung im Büro“ [3] dargestellt. Ausgegangen wird von einem Büroraum, in dem die Funktionen Bildschirm- und Büroarbeit, Besprechung und Lesetätigkeit an Schrank- und Regalflächen zu erfüllen sind. Je nach dem Beleuchtungskonzept · raumbezogene Beleuchtung, · arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung und · teilflächenbezogene Beleuchtung Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 1 57 Beleuchtungstechnik FÜR DIE PRAXIS Arbeitsbereich „Lesetätigkeit“ an Schrank-und Regalflächen 2,0 0,5 Bewertungsflächen für die vertikale Beleuchtung ( ) E v sind die Planungsansätze mit unterschiedlichen Bewertungsflächen vorzunehmen. 4.1 Raumbezogene Beleuchtung Im Bild ist die Bewertungsfläche für den Raumbereich dargestellt. Diese ist die Raumgrundfläche, allseitig vermindert um einen Randstreifen mit 0,5 m Breite. Die Höhe der horizontalen Bewertungsfläche beträgt 0,75 m über Oberfläche Fußboden für die Horizontalbeleuchtungsstärke und 1,2 m für die zylindrische Beleuchtungsstärke . Hinzu kommt noch eine vertikale Bewertungsfläche an den Schrank- und Regalflächen (Bild ). Die Vertikalbeleuchtungsstärke bezieht sich auf den Höhenbereich 0,5 m bis 2,0 m. Die Anwendung des Beleuchtungskonzepts „raumbezogene Beleuchtung“ bietet Vorteile, wenn: · im Raum überall gleiche Sehbedingungen vorhanden sein sollen, · individuelle örtliche Arbeitsbereiche in der Planungsphase nicht bekannt sind, · eine flexible Anordnung der Bildschirmarbeitsplätze vorgesehen ist. Die der Planung zugrunde zu legenden beleuchtungstechnischen Forderungen ergeben sich aus Tafel . 4.2 Arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung Für die arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung sind die Bewertungsflächen nach Bild definiert, für die Schrank- und Regalflächen gilt die Anordnung nach Bild . Die beleuchtungstechnischen Forderungen sind in Tafel festgelegt. Die Anwendung des Beleuchtungskonzepts „arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung“ empfiehlt sich, wenn die Arbeitsaufgaben und die Anordnung der Arbeitsplätze bekannt und im Raum unterschiedliche Lichtzonen erwünscht sind. 4.3 Teilflächenbezogene Beleuchtung Bei der Planung einer teilflächenbezogenen Beleuchtung werden innerhalb des Arbeitsbereichs „Bildschirm- und Büroarbeit“ eine oder mehrere Teilflächen räumlich und maßlich entsprechend der jeweiligen Sehaufgabe festgelegt (Bild ). Hinzu kommen noch die Vertikalflächen nach Bild . Die beleuchtungstechnischen Forderungen sind in Tafel aufgeführt. Notwendig wird das Konzept der teilflächenbezogenen Beleuchtung, wenn die Beleuchtung innerhalb des Arbeitsbereichs an unterschiedliche Sehaufgaben und individuelles Sehvermögen der Mitarbeiter anzupassen oder die Konzentration auf eine Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 1 FÜR DIE PRAXIS Beleuchtungstechnik Tafel Anforderungen an die raumbezogene Beleuchtung (Mindestwerte) Arbeitsbereich/ Mittlere horizontale Mittlere zylindrische Mittlere vertikale Umgebungsbereich Beleuchtungsstärke Beleuchtungsstärke Beleuchtungstärke auf Schrank- und Regalflächen [lx] g1 [lx] g1 [lx] g1 500 0,60 175 0,50 - - - - - - 175 0,50 E E z h 0 33 E v E z Raum Lesetätigkeit an Schrank- und Regalflächen Tafel Anforderungen für die teilflächenbezogene Beleuchtung (Mindestwerte) Arbeitsbereich/ Mittlere horizontale Mittlere zylindrische Mittlere vertikale Umgebungsbereich Beleuchtungsstärke Beleuchtungsstärke Beleuchtungstärke auf Schrank- und Regalflächen [lx] g1 [lx] g1 [lx] g1 750 0,70 - - - - 175 500 0,50 - - 500 0,60 175 0,50 - - - - - - - 175 0,50 300 0,50 100 0,50 - - E E z h 0 33 E E z h 0 33 E E z h 0 33 Emin lx 300 E v E z Teilfläche (mindestens 600 mm x 600 mm) Bildschirm- und Büroarbeit inklusive Teilfläche Besprechung Lesetätigkeit an Schrank- und Regalflächen Umgebungsbereich Tafel Anforderungen für die arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung (Mindestwerte) Arbeitsbereich/ Mittlere horizontale Mittlere zylindrische Mittlere vertikale Umgebungsbereich Beleuchtungsstärke Beleuchtungsstärke Beleuchtungstärke auf Schrank- und Regalflächen [lx] g1 [lx] g1 [lx] g1 500 0,60 175 0,50 - - 500 0,60 175 0,50 - - - - - - - 175 0,50 300 0,50 100 0,50 - - E E z h 0 33 E E z h 0 33 E E z h 0 33 E v E z Bildschirm- und Büroarbeit Besprechung Lesetätigkeit an Schrank- und Regalflächen Umgebungsbereich Arbeitsbereich „Bildschirm- und Büroarbeit“ Arbeitsbereich „Besprechung“ Umgebungsbereich nicht zu berücksichtigender Randstreifen 0,5 m für Eh: 0,75 m für Ez: 1,2 m Bewertungsflächen für die arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung Planung Der Planer dimensioniert eine Beleuchtungsanlage entsprechend der Sehaufgabe oder Raumnutzung. Weiterhin soll er die Anlage mit einem Wartungsfaktor, der sämtliche Einflüsse berücksichtigt, planen und einen umfassenden Wartungsplan erstellen. Dieser Plan beinhaltet die Intervalle für den · Lampenwechsel, · Reinigung der Leuchten (mit den Reinigungsmethoden) und · Reinigung der Raumbegrenzungsflächen (mit den Reinigungsmethoden). Diese Forderung ist nach den Erfahrungen der bisherigen Beleuchtungsplanung realitätsfremd: Wie wird sichergestellt, dass die in der Planung gemachten Wartungsvorgaben beim Betrieb der Beleuchtungsanlagen eingehalten werden? Dies gilt umso mehr für die Situation, dass Errichter und Betreiber der Beleuchtungsanlage unterschiedliche Institutionen sind. Die Möglichkeiten der Beleuchtungsplanung von Arbeitsplätzen mit unterschiedlichen Flächenvorgaben soll anhand der Vorschläge für die Beleuchtung von Bildschirmarbeitsplätzen nach E DIN 5035-7 [2] erläutert werden. Sie sind auch umfassend in der berufsgenossenschaftlichen Information „Beleuchtung im Büro“ [3] dargestellt. Ausgegangen wird von einem Büroraum, in dem die Funktionen Bildschirm- und Büroarbeit, Besprechung und Lesetätigkeit an Schrank- und Regalflächen zu erfüllen sind. Je nach dem Beleuchtungskonzept · raumbezogene Beleuchtung, · arbeitsbereichsbezogene Beleuchtung und · teilflächenbezogene Beleuchtung Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 1 57 Beleuchtungstechnik FÜR DIE PRAXIS Arbeitsbereich „Lesetätigkeit“ an Schrank-und Regalflächen 2,0 0,5 Bewertungsflächen für die vertikale Beleuchtung ( ) E v
Ähnliche Themen
Autor
- R. Baer
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
