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Energietechnik/-Anwendungen | Elektrotechnik

Nachgefragt: Chancen des E-Handwerks beim Energiemanagement

ep2/2009, 1 Seite

Bundestag und Bundesrat haben die Weichen dafür gestellt, das Messwesen auch mit Blick auf den intelligenten Stromzähler vollständig zu liberalisieren. Ziel ist es, bessere Informationen, Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten für den Verbraucher zu schaffen, um Energieeinsparungen und Energieeffizienz zu unterstützen. Im Interview erläutert ZVEH-Präsident Walter Tschischka, welche neuen Chancen und Geschäftsfelder sich für das Elektrohandwerk eröffnen.


ep: Herr Tschischka, der ZVEH hat sich auf allen politischen Ebenen mit Nachdruck für die Liberalisierung des Messwesens eingesetzt. Ende Oktober trat die neue Messzugangsverordnung (Mess ZV) in Kraft. Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden? Walter Tschischka: Die Ergebnisse entsprechen weitgehend unseren Vorstellungen. Das wichtigste Anliegen der elektro- und informationstechnischen Handwerke bei der neuen Verordnung ist erfüllt, denn der Kunde kann künftig über die Messdaten seines Energieverbrauchs frei verfügen und sie an Dritte weitergeben. Er hat die Möglichkeit, seinen Messstellenbetreiber und seinen Messdienstleister selbst auswählen. Damit ist für die elektrohandwerklichen Betriebe der Weg frei, auf dem Geschäftsfeld Energieeffizienzberatung intensiv tätig zu werden. Denn die Verbrauchsdaten, aus denen sich das individuelle Nutzverhalten erkennen lässt, sind der Schlüssel für die professionelle Beratung zu mehr Energieeffizienz... ep: ... sofern die Daten in einem geeigneten Format zur Verfügung stehen. Tschischka: Das ist richtig. Es gilt jetzt zu erreichen, dass für die Datenformate der Messwerte ein Standard verbindlich wird. Die Daten müssen für alle Beteiligten lesbar und zu verarbeiten sein. Der Netzbetreiber hat den elektronischen Austausch zu gewährleisten und dafür Sorge zu tragen, dass die elektronische Kommunikation zwischen den verschiedenen Nutzern funktioniert. In diesem Zusammenhang stehen wir bereits in Kontakt mit den Marktpartnern und der Bundesnetzagentur, die die Details bis Mitte 2010 ausarbeiten wird. ep: Ist nicht zu befürchten, dass die Energieversorger dieses lukrative Geschäftsfeld selbst beanspruchen und sich hinsichtlich der Transparenz ehr zögerlich verhalten? Tschischka: Ein liberalisierter und transparenter Markt kann nur dann funktionieren, wenn ein wirklich fairer Wettbewerb herrscht. Machen wir uns nichts vor: Es werden viele neue Mitspieler und ebenso bekannte Anbieter aus anderen Gewerken massiv in diesen Bereich der Energiedienstleistungen drängen. Dann stellt sich die Frage, ob man sich dem Markt gemeinsam mit bewährten Partnern stellt oder in Konkurrenz zu anderen. Das Elektrohandwerk und die EVUs verbindet eine seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft, die auch künftig in offenen Märkten Vorteile für beide Seiten bieten kann. Ein Beispiel: Smart Metering und das Fernauslesen des Zählers sorgen ja nicht gerade dafür, dass der Kunde seinen Ansprechpartner beim EVU besser kennt. Er kennt aber seit Jahren den Mitarbeiter seines Elektrofachbetriebs vor Ort und vertraut seinem Rat. Oder anders formuliert: Wir haben ein „Gesicht“ beim Kunden, und das wissen auch unsere Partner. Letztendlich geht es in der Kette von der Energieerzeugung bis zur -anwendung darum, wer dem Kunden künftig welchen Mehrwert und welche Zusatzdienstleistungen besser bieten kann. Dafür sind wir zunächst an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit interessiert. Sollte das faire Miteinander der Partner nicht funktionieren, dann werden wir unsere Stärken allein in den Markt einbringen. ep: Das Stichwort Smart Metering ist bereits gefallen. Herzstück ist der elektronische Haushaltszähler (eHZ). Für Energieeffizienz sorgt er allein jedoch noch nicht. Tschischka: Stimmt, ein bloßer Austausch eines Ferraris-Zählers gegen einen neuen eHZ bringt zunächst für sich allein keinen Mehrwert. Der elektronische Zähler bildet aber die Grundlage für eine Reihe energieeffizienter Maßnahmen rund um die Gebäudeautomation. Viele Elektrobetriebe sind seit vielen Jahren in der intelligenten Gebäudetechnik tätig - den EIB, heute KNX, und andere Bussysteme gibt es mittlerweile seit fast 20 Jahren. Es gilt nun, die bestehenden Infrastrukturen im Gebäude auszubauen und die Schnittstellen zum Zähler zu nutzen. Die vielfach im Zusammenhang mit kommenden, flexibleren Stromtarifen propagierte „intelligente Steckdose“ haben wir doch schon längst realisiert. Gleichzeitig ist unser Gewerk in der dezentralen Energieerzeugung aktiv tätig. Es installiert PV-Anlagen oder Klein-BHKW. Mit der Gebäudesystemtechnik und der Auswertung der Verbrauchsdaten des Kunden können wir Lösungen anbieten, die Energieeffizienz und mehr Komfort gleichsam bieten. ep: Gilt das auch für den Nachrüstmarkt in Altbauten? Tschischka: Selbstverständlich. Hier bieten sich neben den drahtgebundenen Anwendungen vor allem funkbasierte Lösungen an, die sich mittlerweile auch etabliert haben. An den nutzbaren Schnittstellen zwischen Zähler und einer - sicherlich ausbaubaren - Gebäudeautomation ändert das nichts. ep: Wird der Elektrobetrieb künftig selbst zum Stromanbieter? Tschischka: Das wird die Zukunft zeigen. Der Gedanke liegt im Rahmen einer intelligenten Gebäudeautomation natürlich nahe: Kennt der Elektrobetrieb das Verbrauchsverhalten seines Kunden, so ist durchaus vorstellbar, in lastschwächeren Zeiten - quasi minutengenau - preiswerte Energie an der Strombörse einzukaufen. Oder denken Sie an die Vielzahl der Elektro- und Hybridfahrzeuge, die in naher Zukunft auf den Markt kommen werden. Deren Akkus müssen - am besten in lastschwachen Zeiten - intelligent geladen werden. Sie könnten aber auch als dezentrale Speicher dienen und in laststarken Zeiten Strom ins Netz einspeisen. Ich bin mir sicher, dass die elektro- und informationstechnischen Handwerke auch hier eine wichtige Schlüsselposition einnehmen werden. Denn wir haben die erforderlichen Regelungs- und Netzwerkkomponenten, wir haben das technische Knowhow und wir können unsere Kunden professionell und kompetent in Energiefragen beraten. Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 2 BRANCHE AKTUELL Nachgefragt Chancen des E-Handwerks beim Energiemanagement Bundestag und Bundesrat haben die Weichen dafür gestellt, das Messwesen auch mit Blick auf den intelligenten Stromzähler vollständig zu liberalisieren. Ziel ist es, bessere Informationen, Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten für den Verbraucher zu schaffen, um Energieeinsparungen und Energieeffizienz zu unterstützen. Im Interview erläutert ZVEH-Präsident Walter Tschischka, welche neuen Chancen und Geschäftsfelder sich für das Elektrohandwerk eröffnen. Dipl.-Ing. Walter Tschischka ist seit 1998 Präsident der Handwerkskammer Mannheim und seit 2004 Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) Foto: ZVEH

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