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Innungen und Verbände | Elektrotechnik

Nachgefragt bei Walter Tschischka: Die E-Handwerke müssen keine Zukunftsängste haben

ep4/2010, 1 Seite

Im Gespräch mit dem ep zieht ZVEH-Präsident Walter Tschischka eine Bilanz der Wirtschaftskrise und richtet den Blick zuversichtlich nach vorn: „Die Bedeutung der Elektrotechnik wird weiter steigen, und wir haben das Know-how und die Lösungen, die in der Welt von morgen benötigt werden.“


ep: Herr Tschischka, Deutschland erlebte 2009 die stärkste Rezession seiner Nachkriegsgeschichte. Andererseits hellte sich die Stimmung in den elektro- und informationstechnischen Handwerken in der zweiten Jahreshälfte 2009 spürbar auf, so die Herbstumfrage des ZVEH. Haben die E-Handwerke die Krise besser gemeistert als andere? Walter Tschischka: Die Elektrohandwerke haben die Krise tatsächlich recht passabel gemeistert; wir sind - bislang zumindest - noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass die Krise jene Betriebe härter getroffen hat, die vor allem in Industrie und Gewerbe arbeiten. Denn die für die Elektrohandwerke bedeutsamen Aufträge aus der gewerblichen Wirtschaft waren sehr rückläufig, während die Aufträge der privaten und öffentlichen Hand mittlerweile sogar wieder leicht zugenommen haben. Insgesamt betrachtet hat unser Handwerk sicher davon profitiert, das es sehr breit aufgestellt ist und sich in den letzten Jahren konsequent neue Tätigkeitsfelder erschlossen hat, so bei der Energieeffizienz oder bei der Gebäudeautomation. Ein Beleg sind beispielsweise die deutlichen Wachstumszahlen bei den KNX-Installationen. ep: Welche Aussichten ergeben sich für das laufende Jahr? Tschischka: Ich glaube, dass wir keine Zukunftsängste haben müssen. Die Bedeutung der Elektrotechnik wird weiter steigen, und wir haben das Know-how und die Lösungen, die in der Welt von morgen benötigt werden. Hinzu kommt, dass wir von den gesetzlichen Rahmenbedingungen profitieren, die einen effizienteren Umgang mit Energie anstreben, ob nun im Gebäude oder in der Antriebstechnik. Zu nennen sind aber auch die Stichworte Smart Grids und Smart Metering, die Liberalisierung des Messwesens oder der Aufbau einer Infrastruktur für das Elektoauto. Enorm wichtig ist und bleibt bei alledem allerdings die ständige Weiterbildung und Qualifizierung, um die wachsenden und die neuen Märkte fachlich fundiert besetzen zu können. ep: Sie nannten die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Bei einer von uns durchgeführten Umfrage Ende letzten Jahres gaben fast 76 % der Betriebe an, nicht von den Konjunkturpaketen der Bundesregierung zu profitieren. Tschischka: Leider konnten die Elektrohandwerke nur bedingt von den Konjunkturpaketen profitieren. So floss bei der energetischen Sanierung von Gebäuden ein Großteil der Mittel allein in die Dämmung, aber nicht in die ebenso notwendige elektrotechnische Infrastruktur. Nun haben wir beispielsweise gut gedämmte Schulen, und reißen, wenn es im Innern zu warm wird, die Fenster auf, statt eine kontrollierte Heizungs- und Lüftungssteuerung einzusetzen. Hier ist sicher noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. ep: Wie bewerten Sie die Kürzung der Solarstromförderung? Tschischka: Über eine angemessene und überschaubare Absenkung der PV-Einspeisevergütung kann man durchaus diskutieren, nur muss sie mit Augenmaß erfolgen. Eine Adhoc-Umstellung der Förderkonditionen - so wie ursprünglich geplant - bereits zum 1. April 2010 hätte zahlreichen Elektrohandwerksbetrieben die Geschäftsgrundlage entzogen. Unser Verband hat sich daher unter anderem bei einer Anhörung vor der FDP-Bundestagsfraktion klar gegen diese kurzfristigen Pläne ausgesprochen. Nunmehr einigte sich die Koalition darauf, die Förderung neuer Solaranlagen auf Dächern erst zum 1. Juli zu kürzen, was unseren Betrieben wieder etwas mehr Handlungsspielraum gibt. Übrigens zeigt sich hier erneut, dass eine erfolgreiche Interessenvertretung des Elektrohandwerks oftmals darin besteht, Schlimmeres in der Gesetzgebung zu verhindern. Das ist zwar nicht so „schlagzeilenträchtig“ wie das Durchsetzen eines konkreten Vorhabens, gehört aber mit zu den ganz wichtigen Aufgaben unseres Verbandes. Hier haben wir in der Vergangenheit durchaus sehr viel bewegt. ep: Welche Hilfestellung gibt der ZVEH den Innungsbetrieben - abseits der parlamentarischen Lobbyarbeit? Tschischka: Die Liste ist sehr lang. Erst einmal wollen wir unseren Betrieben neue Tätigkeitsfelder aufzeigen. Dabei darf man auch durchaus einmal Dinge ausprobieren. Denn es ist immer noch besser, wenn sich nur einer bei einem Sachverhalt vergalloppiert und nicht Hunderte von Unternehmen diese Erfahrung machen müssen. Mit der E-Marke haben wir für unsere Innungsbetriebe ein Kennzeichen geschaffen, das für Qualität, Service und Mehrwert steht. In der neuen E-Akademie bündeln wir darüber hinaus die Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, um den Qualitäts- und Servicegedanken sowie das Knowhow weiter zu untermauern. ep: Welche Impulse erwarten Sie von der Leitmesse Light+Building? Tschischka: Unsere Partner in der Industrie haben ihre Entwicklungsarbeit deutlich auf die Light+Building ausgerichtet, und so ist mit einer Fülle von Trends und Neuheiten zu rechnen. Das Elektrohandwerk, aus dem immerhin jeder vierte Besucher der Weltleitmesse kommt, präsentiert auf dem Gemeinschaftsstand in Halle 8 diesmal unter anderem das E-Haus. Dieses 100 m2 große Modellwohnhaus mit sieben Räumen lässt nahezu alle gebäudetechnischen und energieeffizienten Systeme im wahrsten Sinne des Wortes erlebbar werden. Küche, Bad, Büro, Technikraum, Garage und die zwei Wohnzimmer - ein herkömmliches und ein modernes im Vergleich - sind begehbar und jeweils nach außen offen. Gezeigt wird das effiziente Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten. Diese Sonderschau ist von Profis für Profis gemacht: für Handwerksunternehmer, Ingenieure aus Planungsbüros und Architekten. Viele Produkte und Leistungen, die Fachbesucher an den Messeständen der Hersteller entdecken können, sind im E-Haus auf Basis des KNX zu einem funktionierenden System gebündelt. Dazu gehören energieeffiziente Beleuchtungen sowie TV und PC, die Erfassung und Auswertung von Verbrauchsmengen mit intelligenten Zählern, vernetzte Hausgeräte, PV-Anlagen und eine hauseigene Ladestation für E-Mobile. Die Fachleute der Elektrohandwerke führen regelmäßig Rundgänge durch und stehen für Fragen zur Verfügung. Ganz wichtig bei der Konzeption des E-Hauses war für uns und unsere Partner, dass wir nur Lösungen zeigen, die verfügbar sind. Das Haus soll also nicht Visionen präsentieren, sondern Technik von heute, die unsere Betriebe sofort anbieten und umsetzen können. ep: Herr Tschischka, vielen Dank für dieses Gespräch. Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 4 264 BRANCHE AKTUELL Nachgefragt bei Walter Tschischka Die E-Handwerke müssen keine Zukunftsängste haben Im Gespräch mit dem ep zieht ZVEH-Präsident Walter Tschischka eine Bilanz der Wirtschaftskrise und richtet den Blick zuversichtlich nach vorn: „Die Bedeutung der Elektrotechnik wird weiter steigen, und wir haben das Know-how und die Lösungen, die in der Welt von morgen benötigt werden.“ Walter Tschischka Foto: ZVEH

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