Inf.- und Kommunikationstechnik
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Elektrotechnik
Mit dem Netz zu mehr Aufträgen
ep9/2001, 3 Seiten
1 Entwicklungstendenzen Der Gedanke, die Möglichkeiten der Telekommunikation zur Unterstützung von Geschäftsprozessen zu nutzen, ist nicht neu. Bereits im OSI-Modell [1] wurde vor rund zwei Jahrzehnten mit ODIF (Office Document Interchange Format) ein Standard zum Dokumentenaustausch über Rechnernetze vereinbart. Während dieser Standard mit seiner Dokumentenarchitektur ODA (Office Document Architecture) den Austausch von Dokumenten in den Vordergrund stellt, berücksichtigt der gleichzeitig vereinbarte EDIFACT-Standard der UN (Electronic Data Interchange for Administration Commerce and Transmission) vorzugsweise den elektronischen Austausch von Daten (EDI), die unmittelbar weiterverarbeitet werden sollen. Mit derartigen Standards sollte letztlich der firmen- und systemübergreifende Austausch von Dokumenten und Daten ermöglicht werden. Für diese frühen Lösungen ist typisch, dass nur zwei Partner beteiligt sind (1:1-Lösungen). Auf der Grundlage der Web-Technologie wurden später Lösungen für den elektronischen Ein- und Verkauf (1:n- bzw. n:1-Lösungen) erarbeitet (Bild ). Diese Entwicklung mündete in einer Unzahl von Internet-Handelsplattformen (n:n-Lösungen). Allerdings muss eingeschätzt werden, dass deren Akzeptanz durch die Nutzer derzeit, von Ausnahmen abgesehen, unbefriedigend ist. Parallel zu diesen Bestrebungen wurden in den letzten Jahren auf der Basis von Web-Technologie und Client-Server-Prinzip Angebote entwickelt, die es gestatten, auf Programme bzw. Anwendungen zuzugreifen, die im Internet bereitgestellt werden. 2 ASP - Anwendungen im Netz Unter dem Oberbegriff ASP (Application Service Providing) werden Lösungen zusammengefasst, bei denen der Nutzer über einen Web-Browser (Client) auf Anwendungsprogramme zugreifen kann, die auf einem Server im Netz installiert sind (Bild ). Um erste Erfahrungen mit diesen Anwendungen zu sammeln, wurden zunächst einfache Aufgaben wie Terminkalender u. ä. realisiert. Inzwischen gibt es bereits für fast alle Aufgaben derartige Angebote [2]. Der Vorteil dieser Lösungen: Der Zugriff auf Programme und Daten ist nicht mehr an einen Ort gebunden [3] und der Nutzer wird von Aufgaben wie Kauf und Installation von Updates, Sichern von Daten usw. entlastet. ASP ist daher vor allem für kleine und mittlere Unternehmen interessant, die Software lediglich für ihr eigentliches Kerngeschäft „benutzen“ wollen. 3 Ausschreibungen aus dem Netz Die Tatsache, dass man im Web multimediale Informationen bereitstellen und mit einem Browser darauf zugreifen kann, hat wesentlich zur Verbreitung des Internets beigetragen. Deshalb liegt es nahe, Ausschreibungen nicht mehr nur in Papierform zu publizieren, sondern diese als Datei im Netz zum Herunterladen bereitzustellen. Verständlich, dass Anbieter, die bisher schon über Ausschreibungen auf herkömmlichen Wegen informierten, jetzt auch diese Lösungen einbeziehen (Bild ). Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt vor allem in der Vereinfachung der Abläufe bei der Recherche und der Bereitstellung von Ausschreibungsunterlagen. Leistungsverzeichnisse (LV) werden entweder als Textdokument oder im GAEB-Format zur Verfügung gestellt. Die eigentliche Ausarbeitung der LV und die Angebotsbearbeitung erfolgen auf dem bekannten konventionellen Weg, also auf der Seite der Planer mit AVA-Programmen [4] und auf der Seite der Bieter mit der branchenüblichen Kalkulationssoftware. Für den Versand des Angebotes durch den Bieter kann das Internet oder der herkömmliche Postweg genutzt werden. Obwohl die bisher über Printmedien verbreiteten Informationen nun zusätzlich über das Internet bereitstehen, bleibt nach wie vor die regionale Beschränkung der Informationen über die Ausschreibungen erhalten. Darüber hinaus ist die gezielte Suche nach PLZ-Gebieten, Gewerken usw. nicht möglich. Internetanwendung Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 9 736 Mit dem Netz zu mehr Aufträgen H. Möbus, Groß Düben Das Internet hat sich in kurzer Zeit zum zentralen Kommunikations- und Informationsmedium entwickelt. Klassische Formen des Informationsaustauschs, wie Fax, werden durch E-Mail abgelöst und Informationen nicht mehr in Bibliotheken, sondern im Internet gesucht. Eine neue Form der Internetnutzung mit hohem Wachstumspotential ist die Unterstützung von Geschäftsprozessen. Mit einer solchen Lösung, die dem Handwerk die Beteiligung an Ausschreibungen wesentlich erleichtert, wollen wir Sie im Folgenden bekannt machen. Dr.-Ing. Horst Möbus ist EDV- und Unternehmensberater, Groß Düben. Autor Internet Nutzer Provider Daten und Programme Von EDI zu E-Commerce (Quelle: public GATE) Application Service Providing - Anwendungen über das Netz nutzen 4 public GATE - ein neues Angebot für das Handwerk Ein neuer, integrativer Ansatz liegt dem von der Fa. public GATE realisierten Portal (www.publicgate.de) zugrunde (Bild ). Die bisher getrennt realisierten Konzepte: · Internet-Handelsplattform · Bereitstellung von Ausschreibungen und · Anwendungen im Netz (ASP) werden hier zusammengeführt [5]. Das Angebot wendet sich · an die öffentliche Hand und · insbesondere an den Mittelstand, also das Handwerk. Ziel: Dem Mittelstand das Auftragspotential (VOB und VOL) der öffentlichen Hand (Volumen 500 Milliarden DM) besser als bisher erschließen. Der Ansatz unterscheidet sich dahingehend von ähnlichen Angeboten, dass hier künftig Ausschreibungen aus allen Bundesländern zur Verfügung stehen und gezielt für den Bieter aufbereitet werden. Zur Erstellung von Ausschreibungen und Angeboten wird konsequent auf neutrale Ausschreibungsdaten in Form von Dynamischen Baudaten1) zugegriffen, und neue Schnittstellen wie GAEB 2000 sind Bestandteil dieses Konzeptes (Bild Für das Handwerk ist darüber hinaus sicher sehr interessant, dass an einem Verfahren zur beschleunigten Abrechnung von Leistungen der öffentlichen Hand gearbeitet wird. Die vielfach beklagte schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand (zu später Zahlungseingang) dürfte damit ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. 5 Technische Voraussetzungen und weitere Informationen Der Zugriff auf das public GATE System setzt lediglich einen Internetzugang voraus. Als Browser wird der Internet-Explorer von Microsoft in der Version 5.5 verwendet, da die umfassenden Authentifizierungs- und Sicherheitsfunktionen der Lösung auf die Benutzung dieses Browsers abgestimmt sind. Das Programm kann kostenlos aus dem Netz geladen werden. Einen Link und weitere Informationen zur vorgestellten Lösung finden Sie auf der public GATE Seite im Internet. Das System wird laufend weiterentwickelt. Die nächste Version ist für Mitte September geplant. 6 Fazit Mit public GATE ist ein System im Entstehen, dessen Entwicklung durch private Unternehmen und die öffentliche Hand getragen wird. Der öffentlichen Hand soll das System letztlich als Publikationsbasis für Ausschreibungen aller Art dienen und dem Handwerk Chancen für mehr Aufträge bei Vergabe nach VOB/ VOL bieten. Die Nutzung der Dynamischen Baudaten als Datenbasis für Leistungsverzeichnisse und Angebote sichert eine durchgängige Bearbeitung vom Planer bis zum Handwerker. Für das Handwerk bietet das System2) vor allem den Vorteil, sich mit geringerem Zeit- und Kostenaufwand über Ausschreibungen informieren, in kürzerer Zeit Angebote bearbeiten und so an mehr Ausschreibungen teilnehmen zu können. Literatur [1] Möbus, H.: OSI-Modell für offene Kommunikation. Teil 1: Konzepte und Begriffe. Elektropraktiker, Berlin 55(2001)8, Lernen und Können, S. 16-19. [2] Wagenknecht, A.: Mietsoftware für alle. Internet Professional (2001)8, S. 72-77. [3] Möbus, H.: Am Internet führt kein Weg vorbei. Elektropraktiker, Berlin 55(2001)8, S. 647-651. [4] Möbus, H.: 2. VOB-Tag auf der 53. I.H.M. Elektropraktiker, Berlin 55(2001)6, S. 434. [5] Oesterhelt, G.: Ausschreibungen und Beschaffungen der öffentlichen Hand. Die neue Verwaltung (2001)2, S. 16-18. Internetanwendung Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 9 738 1) In einem der nächsten Hefte erfahren Sie Näheres zu dieser Lösung. 2) Das System public GATE wird in einem der folgenden Hefte detailliert vorgestellt. Ausschreibungen aus dem Netz public GATE - ein neues Angebot Angebote erstellen im public Gate System (Quelle: public GATE)
Autor
- H. Möbus
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