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Elektrotechnik | Installationstechnik | Sicherheitstechnik

Marode Anlagen für Sicherheitszwecke

ep7/2007, 2 Seiten

In einem Pfarrheim mit Pfarrsaal, Großküche sowie weiteren Räumen sollte eigentlich nur ein Defekt der Notbeleuchtung behoben werden. Jedoch wurde hier eine 19 Jahre alte Elektroanlage in folgendem Zustand vorgefunden: Die Notbeleuchtung des Saals, auf dessen Bühne jährlich über 12 Theateraufführungen mit durchschnittlich 200 Zuschauern stattfinden, ist scheinbar schon längere Zeit defekt. Zur Versorgung der Notleuchten mit DC 24 V dient eine Zentralbatterieanlage, die sich im gleichen Kellerraum befindet, wie die Zählerwandler- und NSHV-Anlage. Sowohl Stromversorgungs- als auch Steuerplatine der Zentralbatterieanlage sind defekt. Die Batterien wurden zwar kürzlich mit mehr als 5 Liter Wasser aufgefüllt, haben aber keine Leistung mehr. Zudem sind die Versorgungsleitungen zu den Leuchten ohne Funktionserhalt in der Kabelrinne der normalen Elektroversorgung verlegt. Bei einem Brand im NSHV-Raum sind die Notleuchten praktisch nutzlos, da die Versorgungsleitungen schnell verbrennen würden. Eine Wartung durch eine Fachkraft hat noch nie stattgefunden. Lediglich in den ersten Jahren erfolgte eine Überprüfung durch Kirchenmitarbeiter. Das Gebäude wird in der Mitte durch eine Brandschutzmauer getrennt. Eine Brandschutztür mit Rauchschaltanlage, Feststelleinrichtung und automatischer Schließung verbindet beide Gebäudeteile. Die Rauchschaltanlage ist jedoch defekt und die Tür wird durch einem Holzkeil offen gehalten. Auch hier hat weder eine Wartung noch eine Überprüfung jemals stattgefunden. Trotz des Alters der Elektroanlage wurden bisher noch keine Wiederholungsprüfungen veranlasst. Hinzu kommt, dass der Pfarrsaal und ein weiterer Raum ständig an größere Privatgesellschaften vermietet werden, die dann auch die Küche mit mieten können. In ihr befinden sich häufig genutzte Gewerbe-Küchengeräte, die ebenfalls noch nie eine lassen mussten. Gleiches gilt auch für alle anderen ortsveränderlichen Geräte sowie für die Blitzschutzanlage des Gebäudes. Zu dem beschriebenen Anlagenzustand ergeben sich unter anderem folgende Fragen: War die Kabelführung ohne Funktionserhalt gemeinsam mit der restlichen Installation zur Zeit der Errichtung (1987) zulässig? Ist die Unterbringung der Notbeleuchtungsanlage, der normalen Elektroverteilung und der Zähleranlage in einem Raum erlaubt? Welche Wartungsvorschriften gelten für Notbeleuchtungsanlagen? Wer trägt die Verantwortung im Fall eines Schadens, der durch diese vernachlässigte elektrische Anlage verursacht wurde?


   

Autor
  • T. Flügel
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