Betriebsführung
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Fortbildung
Lernen - ein Leben lang
ep5/2004, 2 Seiten
Auf dem aktuellen Stand der Technik sein Innovationszeiten. Die Halbwertzeit des Wissens in den Elektrohandwerksberufen wird aufgrund der schnellen Innovationszyklen immer kürzer. Studien zeigen, dass Fachbetriebe in fünf Jahren rund 80 % ihres Umsatzes mit Produkten erreichen, die heute noch nicht auf dem Markt sind (so ist es z. B. in der Vergangenheit mit dem EIB geschehen). Es reicht nicht mehr, einen Handwerksberuf zu erlernen und diesen Wissensstand bis zur Rente nicht zu erweitern. Der Begriff „lebenslanges Lernen“ oder besser „lebensbegleitendes Lernen“ ist mittlerweile in aller Munde. Um mit der Technik Schritt halten zu können, ist ständige Weiterbildung nötig. Kostendruck. Aufgrund des extrem hohen Kostendrucks im Handwerk, kann ein Betriebsinhaber seine Mitarbeiter oftmals nicht zur Fortbildung schicken. Sie müssen stattdessen die anstehenden Aufträge abwickeln. Und genau hier beginnt der Teufelskreis. Obwohl neue Techniken zu erlernen sind, können Mitarbeiter nicht für Fortbildungen freigestellt werden, da dafür weder zeitliche noch finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Weiterbildung Elektromeister Oskar Ohm verfolgt ein Motto: „Jeden Tag etwas für die persönliche Bildung tun. Nur so schafft man es, ständig auf dem Laufenden zu bleiben“. Die persönliche Weiterbildung ist dabei sehr vielschichtig, wie Bild veranschaulicht. „Einen unabhängigen Überblick des Branchengeschehens, technische Trends sowie aktuelle Fachinformationen lese ich in meiner abonnierten Fachzeitschrift“, informiert Oskar. Desweitern bezieht er Newsletter diverser Anbieter. Der notwendige VDE-Auswahlordner wird vorschriftsmäßig aktualisiert. „Wenn ich mich näher mit einem Thema befasse, order ich ein gutes Fachbuch bzw. nutze entsprechende Lernsoftware“, sagt Oskar. Anschließend startet er eine Informations-CD, auf der er nach Antworten zu einer Fachfrage sucht. Informelles Lernen im Internet Informelles Lernen ist seit dem Einzug des Internets in Handwerksbetriebe zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Ohne spezielle Anleitungen erwirbt man durch die tägliche Arbeit „nebenbei“ Kompetenzen. Dafür gibt es im Internet ein reichhaltiges Angebot. Elektro-Portale. Beispielsweise sind www.voltimum.de oder www. elektropraktiker.de zentrale Internetportale für alle Informationen rund um die moderne Elektroinstallationstechnik. Dort finden Besucher Daten, Informationen und Dokumente zu Produkten und Dienstleistungen der Branche. Suchmaschinen. Auch Suchmaschinen (wie z. B. www.google.de) unterstützen informelles Lernen. Durch die Eingabe von Suchbegriffen lassen sich zügig Herstellerinformationen, Verbände, Angebote sowie Fachinformationen finden. In Oskars Betrieb haben sich alle Mitarbeiter im Umgang mit dem Internet fit gemacht. „Alle Mitarbeiter haben im Betrieb die Möglichkeit ins Internet zu gehen. In Zukunft soll das auch mobil, z. B. auf den Baustellen möglich sein.“ Lernen im Internet per E-Learning Da Oskar sein Leistungsspektrum um Heizungs- und Sanitärinstallationen erweitern will, muss er eine Qualifizierung zum Fachbetrieb für Gebäudetechnik durchführen. Diese berechtigt ihn als Inhaber, seinen Betrieb nach § 7a der HwO in die Handwerksrolle für Sanitär- und Heizungstechnik einzutragen. Dafür muss Oskar eine sechswöchige Fortbildung besuchen, die mit einer Prüfung abschließt. Ihm ist klar, dass er seinen Betrieb nicht sechs Wochen im Stich lassen kann, um an einer solchen Fortbildungsmaßnahme teilzunehmen. Für Oskar liegt daher eine internetbasierte Lösung nahe. Er hat die Möglichkeit, den Lehrgang per E-Learning zu absolvieren. Rund die Hälfte seiner Ausbildung führt er nebenberuflich vom Arbeits- bzw. Wohnort durch. Den Rest der Ausbildung durchläuft er im Bildungszentrum. Alle drei Wochen finden dort dreitägige Aufenthalte statt. Das kann Oskar prima mit seinem Betriebsablauf vereinbaren. Normen- und Vorschriftendienst im Internet Normendschungel. Oskar hatte nach Errichtung einer elektrischen Anlage stets ein ungutes Gefühl. Auch nach Durchführung eines E-Checks in einer gewerblichen Anlage stand die Frage im Raum: „Habe ich wirklich alle zutreffenden Normen und Vorschriften berücksichtigt?“ Die Praxis in den Handwerksunternehmen zeigt, dass es für den Einzelnen kaum noch möglich ist, den Überblick über die ständigen Änderungen und Ergänzungen in dem immer umfangreicheren Normen-und Vorschriftenwerk zu behalten. Unabhängig davon, unterliegen Betriebe aus gesetzlichen und/oder Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 5 390 BETRIEBSFÜHRUNG Lernen - ein Leben lang In dieser Beitragsserie werden die Kompetenzen eines modernen Elektrobetriebes dargestellt. Am Beispiel einer Badsanierung löst der „EP-Serienheld“ - Oskar Ohm - vielfältige Aufgaben. Hier zeigt der Elektromeister Möglichkeiten, sich trotz der verschärften Rahmenbedingungen gezielt weiterzubilden. ELEKTRO PRAKTIKER MEISTERWISSEN Autor Dipl.-Ing. Thorsten Janßen ist stv. Leiter des bfe, Oldenburg. Elektromeister Oskar Ohm Fachzeitschriften Fachbücher Elektro-Innung Fachmessen Bildungsstätten Normen und Vorschriften Software Normendienste E-Learning Internet Fachtrainer · Hersteller · Verbände · E-Portale Vielfältige Möglichkeiten der fachlichen Weiterbildung vertragsrechtlichen Gründen dem Beachtungszwang für Normen und Vorschriften. Betriebliche Normenabteilung. Betroffen von diesem Problem sind besonders kleine und mittelständische Handwerksbetriebe, für die eine eigene Normenabteilung unwirtschaftlich ist. Die Überwachung und Pflege des Normenbestandes muss von den Mitarbeitern in der Regel „nebenbei“, d. h. zusätzlich zu anderen Tätigkeiten erfolgen. Normeninformationsdienst. Lösung verspricht der internetbasierte Normeninformationsdienst der bfe in Oldenburg. Über seine Fachzeitschrift besorgte sich Oskar einen preiswerten Zugang. Neben Regelwerken, die den elektrotechnischen Bereich direkt betreffen, werden alle anderen relevanten Normen und Vorschriften berücksichtigt: · VDE-Bestimmungen · DIN- und DIN EN-Normen, · Regelwerke der Berufsgenossenschaften, · Richtlinien des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft sowie · Gesetze und Verordnungen. Das bfe-Oldenburg verfügt zur Sicherstellung der Auswahl und Betreuung seiner öffentlichen Normenauslegestelle über mehr als 42 000 Regelwerke, die ständig aktualisiert und ergänzt werden. Seitdem Oskar den elektronischen Normen- und Vorschriftendienst intensiv nutzt, fallen ihm viele Entscheidungen bei der Bauausführung leichter. Er ist sich sicher, stets auf dem neusten Stand zu sein. Seitdem tritt er auch deutlich sicherer den Architekten bzw. Fachplanern gegenüber, da sie seine Fachkompetenz schätzen gelernt haben. Fachtrainer direkt am Arbeitsplatz Oskar kann sich noch gut an die Anfangszeit der EIB-Technologie erinnern. Da er unbedingt - in diese damals neue Technologie - einsteigen wollte, hat er an einer entsprechenden Ausschreibung teilgenommen. In einem Bürogebäude sollten EIB-Komponenten installiert werden. Er bekam den Zuschlag für diesen Auftrag. Allerdings hatte er keinen Mitarbeiter, der diese Technologie beherrschte. Der nächste EIB-Lehrgang war in weiter Ferne. Er benötigte kurzfristig Fachkompetenz und entschied sich dazu, mit seiner Partnerbildungsstätte einen neuen Weg zu gehen. Ein Fachdozent hat seine Mitarbeiter auf die Baustelle begleitet, um sie direkt vor Ort an der Technik zu schulen. Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 5 391 BETRIEBSFÜHRUNG „Meine Mitarbeiter wurden in kürzester Zeit an einem aktuellen Praxisfall ausgebildet, und gleichzeitig konnte der Auftrag fristgerecht fertig gestellt werden“, berichtet Oskar heute immer noch sehr begeistert. Freistellungszeiten für die Mitarbeiter vielen nicht an, da alle Beteiligten auf der Baustelle waren. Effektiver kann Weiterbildung nicht sein. Informationsaustausch mit Fachkollegen Innung. Oskar ist Mitglied in seiner regionalen Elektro-Innung. Regelmäßig organisiert der Obermeister Informationsabende über die turnusmäßigen Treffen der Innungsversammlungen hinaus. „Dort habe ich die Gelegenheit, mich mit meinen Fachkollegen auszutauschen“. Oskar hat schon einige seiner betrieblichen Probleme auf diesen Weg lösen können. Seminare und Fachtagungen. Der Obermeister organisiert Seminare zu unterschiedlichen aktuellen Themen direkt vor Ort. So kann er auf die individuellen Bedürfnisse seiner Innungsmitglieder eingehen. „Das ist super,“ berichtet Oskar, „so kann ich die Seminare direkt bei mir am Wohnort belegen, und ich spare mir die Fahrt- und Übernachtungskosten“. Fachmessen. Alle zwei Jahre nimmt sich Oskar zusammen mit einem Teil seiner Belegschaft Zeit für einen Fachmessebesuch. Dort lernt er praktisch neue Verfahren kennen, begreift neue elektrotechnische Erzeugnisse, tauscht sich mit Herstellern aus und informiert sich über aktuelle Mess- und Prüfgeräte sowie Werkzeug. Im Bedarfsfall nutzt er die Gelegenheit und führt einem mitgebrachten Kunden die Möglichkeiten moderner Elektro- und Gebäudetechnik vor.
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