Innungen und Verbände
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Elektrotechnik
Jahreshaupttagung des LIV Niedersachsen/Bremen
ep12/2003, 1 Seite
Chance zur Steigerung der Attraktivität Als Chance zur Steigerung der Attraktivität der Elektrohandwerke bezeichnete Landesinnungsmeister Karl-Heinz Bertram die in diesem Jahr in Kraft getretenen neuen Ausbildungsordnungen, die ein großes Stück Zukunftssicherung sind. Die neuen Berufe würden in völlig neuem Stil gegenüber Jugendlichen, die sich in der Phase der Berufswahl befinden, als auch gegenüber der Öffentlichkeit dargestellt werden. Die Berufsnamen seien so gewählt, dass sie das Image der elektro- und informationstechnischen Handwerke insgesamt steigern können. Bertram wörtlich: „Man muss klar erkennen: Wenn wir immer wieder beklagen, dass wir für die Ausbildung in unseren Betrieben keine qualifizierteren Jugendlichen finden, dann bietet sich mit den neuen Ausbildungsordnungen hier für uns eine Chance, das zu ändern.“ Die neuen Ausbildungsberufe in den Elektro-und Informationstechnischen Handwerken sind für die Jugendlichen nicht nur attraktiver, sondern wurden auch an die rasanten technologischen Entwicklungen in diesen Bereichen angepasst. In der Ausbildung wird jetzt viel Wert auf Beratungspraxis und Umgang mit Kunden, Verkauf und Kalkulation gelegt. Die Auszubildenden sollen verstärkt am Kundenauftrag lernen und müssen deshalb in der Lage sein, dem Kunden ihre Arbeit zu erklären. Politische Einflussnahme des Handwerks Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war die Diskussion von Verbandsvertretern und Politikern über das Thema „Welche Möglichkeiten der politischen Einflussnahme hat das Handwerk?“ Unter der Leitung von Michael Cuypers, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Baugewerbeverband Niedersachsen, erörterten die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Rickert (FDP) und Karl-Heinz Bley (CDU) mit Klaus Steiner, Vizepräsident der Unternehmensverbände Handwerk Niedersachsen, und dem stellv. Landesinnungsmeister Thomas Rössing mögliche Instrumente, wie das Handwerk sich artikulieren kann. Klaus Steiner beklagte: „Wir sind uns der Macht, die wir gemeinsam als Handwerk haben, nicht richtig bewusst“. Er stellte aber auch fest, dass die Darstellung von Macht im Rahmen der Demonstrationen im Frühjahr dem Handwerk gut getan hätte. Nachdrücklich forderte Steiner, sich mit allen Mitteln gegen die von der Bundesregierung vorgeschlagene Novelle der Handwerksordnung zu wehren: „Wir müssen endlich laut werden“. Der Vizepräsident der niedersächsischen Unternehmensverbände Handwerk ging aber auch mit Teilen der handwerklichen Basis ins Gericht: Die Beiträge für die Verbände seien oft nur eine lästige Pflicht. Dabei hätten die Verbände vielfach konkrete Erfolge aufzuweisen. Als Beispiel nannte Steiner das Landesvergabegesetz und den so genannten 10-%-Erlass. Thomas Rössing setzte in seinen Beiträgen weniger auf das Mittel der Demonstration, sondern vielmehr auf eine offensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Landtagsabgeordneter Karl-Heinz Bley beklagte, dass in den Parlamenten das Handwerk viel zu wenig vertreten sei. Mit Blick auf die Novellierung der Handwerksordnung erklärte der CDU-Politiker, er sei zuversichtlich, dass es gelingt, „noch einiges zu kippen“. Klaus Rickert, der auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im niedersächsischen Landtag ist, hält die Lockerungen im Handwerksrecht für kein geeignetes Instrument, mehr Selbständigkeit zu schaffen: „Es gibt über 130 000 ausgebildete Meister, die sich selbständig machen könnte, es aber nicht tun. Zunächst einmal müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden“. Richtig kalkulieren in wirtschaftlich schwieriger Zeit Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bekommt das Wissen über die betriebliche Kostenstruktur und die richtige Kalkulation der Angebote einen besonderen Stellenwert. Dazu informierte Dipl.-Vw. Horst G. Seischab, Geschäftsführer der Elektroinnung München, die Tagungsteilnehmer anhand von Beispielrechnungen über die Ermittlung des optimalen Preises, die Auswirkungen von Preisnachlässen und die Hilfsmittel, die den Betrieben vom LIV und dem ZVEH zur Verfügung gestellt werden. Es wurde deutlich, das sich die Kalkulation eines Auftrages in zwei Schritten vollzieht. Als Vorüberlegung muss der betriebsnotwendige Stundenverrechnungssatz über Zuschlagsätze oder eine Deckungsbeitragsrechnung ermittelt werden. Mit diesem Ergebnis erfolgt der zweite Schritt, bei dem die Bauzeiten und das Nettomaterial für den Auftrag kalkuliert werden müssen. Dabei stellt die Kalkulationshilfe für die elektro- und informationstechnischen Handwerke (KfE) ein wichtiges Hilfsmittel dar, da dort praxisnahe Zeiten und Materialeinsätze für eine Vielzahl von Arbeiten aufgeführt werden. Dass die KfE nicht nur den Betrieben als Kalkulationshilfe dient, sondern auch von Sachverständigen als Entscheidungsgrundlage eingesetzt wird, macht den Praxisbezug der dort aufgeführten Werte deutlich. Berichte und Ehrungen In der Mitgliederversammlung gaben Fachgruppenleiter und Ausschussvorsitzende einen Überblick über die Vielfalt der Aktivitäten des Verbandes. So kündigte der Vorsitzende der Landesfachgruppe Elektroinstallation, Hermann Scholing, weitere Veranstaltungen zur Energieeinsparverordnung an, ein Thema, mit dem sich die Mitgliedsbetriebe verstärkt auseinander zu setzen hätten. Der Landesfachgruppenleiter für Radio- und Fernsehtechnik Heinz Arthur Kleiske erläuterte die Umsetzung des neu vorgestellten Konzeptes „Fachbetrieb für Informationstechnik“: Handwerkliche IT-Fachbetriebe vernetzen sich virtuell und können so gemeinsam im IT-Markt agieren. Es gehe darum, strategische Kooperationen mit Kollegen einzugehen. In der Festveranstaltung würdigte Landesinnungsmeister Bertram die Leistungen der Elektro-Innung Göttingen. In dem eigenen vor rund zehn Jahren errichteten Gebäude könne die Innung ihren Mitgliedern vielfältige Dienstleistungen anbieten. Geehrt wurden in der Veranstaltung der Göttinger Obermeister Kurt Kaufmann mit der Silbernen Ehrennadel des Verbandes. Mit der Goldenen Ehrennadel wurden die Obermeister Klaus Schlüter (Innung Hildesheim), Uwe Grabe (Innung Schaumburg-Lippe) und Wolfgang Henke (Innung Helmstedt) ausgezeichnet (Bild ). Ausdrücklich würdigte der Landesinnungsmeister noch einmal die Verdienste von Fokko Leiner, der 31 Jahre Obermeister der Innung für Elektro-und Informationstechnik in Ostfriesland war und bereits im Juni in Leer mit dem Titel „Ehrenmeister der Elektrohandwerke Niedersachsen/ Bremen“ ausgezeichnet worden war. Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 12 920 BRANCHE AKTUELL Jahreshaupttagung des LIV Niedersachsen/Bremen Neue Berufe sind ein Stück Zukunftssicherung Mit einer ganzen Palette aktueller Themen befassten sich die Delegierten auf der diesjährigen Jahreshaupttagung des Landesinnungsverbandes der Elektrohandwerke Niedersachsen/ Bremen. Zu der Veranstaltung hatte der LIV aus Anlass des 75-jährigen Jubiläums der dortigen Elektro-Innung nach Göttingen eingeladen. Auszeichnung der Obermeister v.l.n.r: Landesinnungsmeister Karl-Heinz Bertram, Kurt Kaufmann (Innung Göttingen), Klaus Schlüter (Innung Hildesheim), Wolfgang Henke (Innung Helmstedt) sowie Uwe Grabe (Innung Schaumburg-Lippe).
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