Skip to main content 
Veranstaltung | Elektrotechnik

Hannover Messe 2008 - Volle Auftragsbücher und anhaltend gute Prognosen

ep6/2008, 3 Seiten

Ein Sinnbild für die diesjährige Hannover Messe war der vier Meter hohe Energy-Tower der EnBW in Halle 27. Täglich schleuderte er Blitze mit mehreren Millionen Volt durch die Luft. Genauso energiegeladen präsentierte sich die weltweite Leitmesse der Industrie. Denn volle Auftragsbücher, anhaltend positive Konjunkturprognosen und 200.000 Besucher sorgten für zufriedene Gesichter bei den Ausstellern.


Einmalig und unverwechselbar Nach Jahren der Stagnation begeistert die Hannover Messe wieder: Mit rund 200000 Besuchern stieg die Besucherzahl im Vergleich zum Jahr 2006 um satte 30 %. Somit haben sich die diesjährigen Schwerpunktthemen Energie, Automation, Zukunftstechnologien und Nachwuchsförderung offensichtlich als Volltreffer erwiesen. Messe-Vorstand Sepp D. Heckmann brachte es so auf den Punkt: „Die Hannover Messe ist Konjunkturbarometer, Vorreiter für Megatrends, Plattform für Technologietransfer, Forum für Erfindungen und Innovationen, Wissensdrehscheibe und Impulsgeber für neue Kooperationen - das alles macht sie einmalig und unverwechselbar.“ Und als Fazit ergänzte er: „Wir haben in den vergangenen Tagen eine Messe erlebt, von der wir selbstbewusst sagen können: Das war ein Erfolg auf ganzer Linie.“ Energieeffizienz war das dominierende Thema In diesem Jahr demonstrierten 5100 Aussteller aus mehr als 60 Ländern eindrucksvoll die Leistungsstärke und Innovationskraft der Industrie. Das dominierende Thema in fast allen Hallen war die Energieeffizenz - angefangen bei den Wirkungsgraden von Kraftwerken über den Einsatz frequenzgesteuerter Antriebe bis hin zu mehr Transparenz durch „Smart Metering“ und intelligente Stromzähler. Wie viel Energie und Kosten bei industriellen Prozessen tatsächlich noch eingespart werden kann, zeigte beispielsweise sehr anschaulich der Energieeffizienztunnel in Halle 6 am Beispiel einer Schokokeks-Produktion. Experten boten dort an mehr als 35 Ständen umfangreiche Informationen über Einsparpotentiale (Bild ). Gefahren für den Standort Deutschland Trotz aller Bemühungen um mehr Energieeffzienz bewertet der ZVEI-Fachverband Energietechnik die massive Ablehnung von Investitionen in moderne, fossile Kraftwerkstechnik und den notwendigen Stromnetzausbau durch weite Kreise der Gesellschaft als eine Gefahr für den Hochtechnologiestandort Deutschland. „Für den geplanten starken Ausbau der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien sind heute die Stromnetze der limitierende Faktor“, kommentiert Fachverbandsvorsitzender Dr. Joachim Schneider die aktuelle energiepolitische Diskussion: „Für den Transport von bis zu 20000 MW Offshore-Windstrom in den Süden Deutschlands brauchen wir innovativen Netzausbau, also intelligente Lösungen, die langfristig wirtschaftlich sind.“ Er fordert eine „rationale und ideologiefreie gesellschaftspolitische Diskussion über die Notwendigkeiten und Chancen für eine zukunftsfeste Stromversorgung“. Der Einsatz von Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) im Verbund mit Erdkabeln für wenige ausgewählte Transportstrecken sei eine Option. Schneider ergänzt hinsichtlich der Mehrkosten dieser in Deutschland noch nicht realisierten Technik: „Die Nutzung von HGÜ und Erdkabeln verteuert die ausgewählten Strecken um den Faktor vier bis fünf. Ein eng begrenzter Einsatz dieser Technik würde dennoch nur einen geringen Einfluss auf die Netzentgelte haben. Wir dürfen deswegen in einer rationalen Netzausbaudiskussion nicht von vornherein diese Option ausschließen.“ Intelligente Netze als besondere Aufgabenstellung Ralf Christian, stellvertretender Vorsitzender im ZVEI-Fachverband Energietechnik, sieht für intelligente Netze, so genannte „Smart Grids“, eine besondere Aufgabenstellung in den Stromverteilnetzen: „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, von der festgefügten Stromverteilung zu einem intelligenten und flexiblen Stromnetz mit einer großen Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 6 492 BRANCHE AKTUELL Hannover Messe 2008 Volle Auftragsbücher und anhaltend gute Prognosen Ein Sinnbild für die diesjährige Hannover Messe war der vier Meter hohe Energy-Tower der EnBW in Halle 27 (Bild ). Täglich schleuderte er Blitze mit mehreren Millionen Volt durch die Luft. Genauso energiegeladen präsentierte sich die weltweite Leitmesse der Industrie. Denn volle Auftragsbücher, anhaltend positive Konjunkturprognosen und 200000 Besucher sorgten für zufriedene Gesichter bei den Ausstellern. Sinnbild für eine energiegeladene Messe: In Halle 27 erzeugte Europas leistungsstärkster und auf Dauerbetrieb ausgelegter Tesla-Transformator meterlange Blitze Fotos: Deutsche Messe (1), ep (3) STIMMEN ZUR MESSE Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel: ,,Seit über 60 Jahren ist die Hannover Messe ein glänzendes Aushängeschild der deutschen Industrie.“ Dr. Hannes Hesse, VDMA-Hauptgeschäftsführer: „Die Stimmung auf der Hannover Messe 2008 war bei den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern optimistisch und zukunftsgerichtet - fast wie in alten Zeiten.“ Dr. Klaus Mittelbach, ZVEI-Geschäftsführer: „Wer Energie-Effizienz sucht, stößt fast immer auf intelligente Produkte und Lösungen der Elektroindustrie.“ Manfred Wittenstein, VDMA-Präsident: „Mit zukunftsweisenden Technologien leistet die Branche schon heute einen entscheidenden Beitrag zur Ressourcenschonung und Energieeffizienz. Und die Potentiale sind riesig.“ Friedhelm Loh, ZVEI-Präsident: „Der Energieeffizienztunnel ist eine hervorragende Chance, sich von der Leistungsfähigkeit der deutschen Elektrotechnik- und Elektronikindustrie im Rahmen einer Sonderschau zu überzeugen. Er dokumentiert eindrücklich die bereits heute verfügbaren, intelligenten technologischen Möglichkeiten, um den Stromverbrauch in Deutschland mit bestehenden Technologien um 40 Milliarden Kilowattstunden zu reduzieren.“ Dietmar Harting, Vorsitzender des Ausstellerbeirates: „Die Hannover Messe erweist sich einmal mehr als das Highlight des Jahres. Mit dem Schwerpunkt der Energieeffizienz liefert sie konkrete Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Die Kombination mit der kompletten Industrieautomation erweist sich als goldrichtig - denn hier entwickelt die Industrie die zukunftsträchtigen Lösungen.“ DER NEUE PEUGEOT PARTNER: FÜR UND UND UND UND ... Ab 12.650,-* Der neue Partner, KEP-Transporter des Jahres 2008 in der Importwertung der Kategorie Lieferwagen, ist für alle, die lieber alles auf einmal transportieren. Mit zwei Längen und bis zu 3,7 m3 Ladevolumen. Eine maximale Nutzlast von bis zu 775 kg. Eine innovative Multiflex-Doppelbeifahrersitzbank**. Drei sparsame Motoren: 1.6 l 16 V Benziner mit 66 kW (90 PS) sowie die beiden HDi mit 1.6 l 54 kW (75 PS) und 1.6 l 66 kW (90 PS). Machen Sie Platz für den neuen PEUGEOT Partner. VON PROFIS FÜR PROFIS. www.peugeot.de/partner Mehr Informationen unter 01801/7 38 43 68 ( 0,06/Min. für Anrufe aus dem Festnetz der Dt.Telekom, ggf. abweichender Mobilfunktarif) * Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers zzgl. gesetzl. Mehrwertsteuer und Überführungskosten. ** Ausstattungsabhängig. Verbrauchswerte in l/100 km gemäß RL 80/1268/EWG: kombiniert: 5,8-8,2; CO2-Emission: kombiniert: 153-195 g/km. Zahl dezentraler Einspeisungen. Die massive Zunahme von dezentralen Erzeugungskapazitäten, wie zum Beispiel durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, stellt die Verteilnetzbetreiber vor massive Probleme." Das Lastmanagement auch für Privatkunden wird nach seiner Überzeugung zunehmend Aufgabe des Verteilnetzbetreibers werden. „Über das intelligente Netz gewinnt der Verteilnetzbetreiber wertvolle Informationen, zum Beispiel zur Einhaltung der Spannungspegel. Oder er betreibt mit ihrer Hilfe aktives Energiemanagement durch das vertragliche Einwirken auf steuerbare Verbraucher wie Kühlhäuser.“ Smart Metering schafft Transparenz Herbert Brunner, ebenfalls stellvertretender Fachverbandsvorsitzender, verweist darauf, dass die Einführung einer monatlichen Energieverbrauchsabrechnung die Möglichkeit einer nachhaltigen Reduzierung der Energiekosten für die Verbraucher eröffnet. „Smart Metering, also der Einsatz intelligenter Haushaltszähler, schafft Transparenz. Die Kunden erhalten damit ein Instrument, ihre Einsparpotentiale zu erschließen.“ Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums habe gezeigt, dass der Stromverbrauch in Haushalten damit um 6,5 % oder 9,5 TWh bis zum Jahr 2010 reduziert werden könnte. Brunner fordert von der Politik, dass sie der Industrie einen klaren Auftrag erteilt, mit rechtsverbindlichen Grundlagen zur flächendeckenden Einführung von intelligenten Zählern. Die „Intelligenz“ von „Smart Metering“ bestehe · in einer quasi Echtzeit-Verfügbarkeit von Verbrauchs-und Tarifinformationen sowohl beim EVU, als auch beim Endverbraucher, · in der Möglichkeit, einzelne Verbrauchergruppen (zum Beispiel Elektroheizungen) zentral zu steuern, um so Verbrauchsspitzen zu glätten und · in dem Gewinn wertvoller Informationen über den Zustand des Verteilnetzes, um so auf dezentrale Stromerzeuger oder Lasten einwirken zu können. Dies helfe, Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten und damit die Gefahr von Netzzusammenbrüchen zu limitieren. Die geschaffene Transparenz sei die Grundvoraussetzung, „um den Endverbraucher verstärkt in unser zunehmend fragiler werdendes Energieversorgungs-System einzubinden“, so Brunner. Sie ermögliche beispielsweise dynamische beziehungsweise flexible Tarife und neue Tarifmodelle, die die teuer produzierte oder zu hohen Kosten im Ausland eingekaufte Spitzenenergie reflektieren. Brunner: „Heute kostet der Strom für den privaten Endverbraucher zu jeder Zeit den gleichen Preis - unabhängig von der tatsächlichen Belastung des Netzes, den effektiven Produktionskosten und der aktuellen Stromeinspeisung von erneuerbaren Energien.“ Zurzeit arbeiten verschiedene Arbeitskreise (Hersteller: Open Metering; Netzbetreiber: MUC) an entsprechenden Vorschlägen für offene Standards und technischen Mindestanforderungen für das „Smart Metering“. Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 6 494 BRANCHE AKTUELL Die deutsche Automatisierungsindustrie ist weiter auf stabilem Wachstumskurs. „Mit einem Umsatzplus von fast 11 % auf über 42,8 Mrd. Euro und mit einem Wachstum der Auftragseingänge um über 15 % im Jahr 2007 spurtet die elektrische Automatisierungstechnik in das Olympiajahr 2008“, berichtete Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation, zu Beginn der Hannover Messe. Ein Anstieg der Umsätze mit ausländischen Kunden um 14,7 % bestätige den weltweiten Erfolg der Produkte und Systeme Made in Germany. „Mit plus 14,6 % ist aber auch der Inlandsmarkt auf Wachstumskurs wie seit Jahren nicht mehr“, so Kegel. Dies zeigten auch die um 10 % angestiegenen Importe. Die Branche hat in Deutschland über 226000 Beschäftigte, 7,2 % mehr als im Jahr zuvor. Kegel: „Wenn man also einen Jobmotor sucht, findet man ihn in der Automation.“ Fast alle Branchen-Segmente und alle Exportregionen verzeichnen die positive Entwicklung gleichermaßen. Die Wachstumsraten der Fabrikautomatisierung sind zum Teil zweistellig. Prognosen auf längere Sicht sind derzeit nach ZVEI-Auffassung schwer möglich. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise trieben die Kosten in die Höhe, machten aber auch Investitionen in deren Verarbeitung attraktiv. „Die Preise für Kupfer, Stahl und Aluminium sowie für Öl und Gas sind sehr hoch“, stellte Michael Ziesemer fest, der im Vorstand des Fachverbandes für die Prozessautomatisierung zuständig ist. „Das spült Geld in die Kassen unserer Kunden und führt insbesondere bei der Prozessautomatisierung geradezu zu einer Sonderkonjunktur.“ Kegel: „Welche Effekte überwiegen, lässt sich heute nicht wirklich vorhersagen.“ Dennoch überwog in Hannover Optimismus angesichts voller Auftragsbücher. Nach Angaben des Verbandes wuchs der Weltmarkt der elektrischen Automation im vergangenen Jahr erneut um etwa 7 % auf 253 Mrd. Euro (2006: +6 %). Der deutsche Anteil an der Weltproduktion liegt bei 14 % und Deutschland ist nach wie vor der größte Nettoexporteur in Sachen Automatisierung. Zur Wachstumsbremse droht nach einer ZVEI-Umfrage der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs in Deutschland zu werden. So blieben derzeit schätzungsweise 5000 Ingenieurarbeitsplätze allein in der Automation unbesetzt. Kegel verwies auf die langfristigen Folgen: „Die Frage ist nicht nur, wieviel Umsatz uns dadurch entgeht, sondern vielmehr: Wieviel Zeit haben wir wichtigen Innovationen nicht widmen können.“ Deshalb engagiert sich der Verband bei der Werbung für technischen Nachwuchs mit den Kampagnen „superausbildung.de“ und „superstudium.de“. Automatisierungstechnik: Weltweit großer Erfolg für Lösungen „made in Germany“ Energieeffizienz war das dominierende Thema der Hannover Messe 2008

Sie haben eine Fachfrage?