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Elektrotechnik

Energiemix und neue Versorgungsstrukturen

ep4/2005, 6 Seiten

Auch im vergangenen Jahr hat sich der Wandel des europäischen Strommarkts fortgesetzt. Das betrifft sowohl seine Liberalisierung als auch den Übergang zur klimafreundlichen Stromerzeugung. 2005 werden ein aktualisiertes nationales Energierecht und Fortschritte auf dem Weg zum Energiemix der Zukunft erwartet.


Konzepte zur Integration Unter den Erneuerbaren Energiequellen (EE) haben Windenergieanlagen (WEA) in den letzten Jahren eine beispiellose technische Entwicklung vollzogen. Sie sind auf dem besten Weg, trotz einiger Schwächen, Kraftwerke zu ersetzen. Allerdings fehlte bisher ein technisches und wirtschaftlich untersetztes Konzept zur Integration leistungsstarker und zunehmend auch küstennaher Windparks in das deutsche Verbundnetz und in den zentralen Kraftwerkspark der Zukunft. Erst im Sommer 2003 startete das Projekt „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore bis zum Jahr 2020“. Erarbeitet wurde die dena-Netzstudie durch das Energiewirtschaftliche Institut an der Kölner Universität und ein Konsortium aus drei deutschen Netzbetreibern sowie dem deutschen Windenergie-Institut. Beteiligt waren ferner Vertreter der WEA-Branche, VDMA, VDEW, ZVEI sowie Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium. 500 Seiten für die Politik Die Erarbeitung eines brauchbaren Konzepts erwies sich als schwierig. Mehrfach wurde der Termin verschoben, zu dem die dena-Netzstudie in einer Endfassung der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Ende Februar stellte die dena nunmehr einen 500-seitigen Abschlussbericht vor, der allerdings einer späteren Ergänzung bedarf. Damit liegt ein Dokument vor, das die notwendigen politischen Entscheidungen ermöglicht. Ein Ausgangspunkt für die Studie war die Umgestaltung des zentralen Kraftwerksparks, der ohnehin aus Altersgründen in wesentlichen Teilen erneuert werden muss. Nötig ist auch der Ersatz der Kernkraftwerke, die bis 2020 stillgelegt werden. Als feste Position gilt dabei nach Vorgaben der EU eine 20 %ige Abdeckung des Strombedarfs aus EE. Die Studie geht davon aus, dass dieser Prozentsatz zwischen 2015 und 2020 erreicht werden kann. In Teil 2 der dena-Netzstufe wird der Zeitraum bis 2025 untersucht. Schwerpunkt der EE ist in der Studie die Windenergie. Dabei gingen die Experten von einem prognostizierten Anstieg der installierten Windenergieleistung bis zum Jahr 2015 von 26,26 GW „onshore“ und 9,8 GW „offshore“ aus. Einbezogen wurde die Leistungserhöhung durch Ersatz alter WEA sowie die Erschließung ertragsreicherer Standorte in Nord-und Ostsee. Wichtiger Bestandteil der Studie war der Grobentwurf eines 380-kV-Hochspannungsnetzes, das die küstennah erzeugte Energie verlustarm in die Nähe der Verbraucherschwerpunkte transportiert. Erforderlich sind eine Verstärkung des 380-kV-Netzes auf 400 km und ein 850 km langer Neubau. Die Kosten für dieses Netz werden mit 1,1 Mrd. Euro beziffert. Regel- und Reserveleistung Insgesamt verändern die vorgestellten Installationen nicht das bisherige Niveau der Versorgungssicherheit. Die diesbezüglichen Untersuchungen zeigten aber, dass bei bestimmten Fehlerszenarien durchaus kritische Betriebssituationen eintreten können, so u. a. wenn große Windenergieleistungen vom Netz gehen. Zur Lösung dieser Problematik werden technische Maßnahmen im Netz und für WEA vorgeschlagen, bei deren Umsetzung die Systemsicherheit auch in kritischen Situationen gewährleistet bleibt. Nicht auszuschließen ist die Umrüstung älterer WEA. Wie nicht anders zu erwarten, führt der weitere Ausbau zu erhöhten Anforderungen an die Bereitstellung von Regel- und Reserveleistung. Dieser Bedarf wird weiterhin durch bestehende fossil befeuerte sowie Pumpspeicher-Kraftwerke abgedeckt. Im Zuge der Erneuerung des Kraftwerksparks sollen zukünftig stärker als bisher die reaktionsschnellen Gasturbinenkraftwerke zum Einsatz kommen. Mehrere Szenarien erlauben die Auswahl zwischen Stromversorgungssystemen, die im Jahr 2015 zwischen 20 und 40 Mio. t C02-Emissionen vermeiden. Zu wünschen ist, dass die Entscheidungshilfe bald genutzt wird und dass der 2. Teil der Studie die Ergebnisse nicht wieder in Frage stellt. H. Kabisch Neues Energierecht für den liberalisierten Strommarkt Seit Jahren befindet sich die Energieversorgung in einem Wandel, der vor allem mit Klimaschutz begründet wird, aber insgesamt mehrere Ursachen hat. Dazu zählt in erster Linie die Liberalisierung des Strommarktes, der inzwischen Strom ähnlich wie Handelsware anbietet. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, den Strompreis wie gewünscht dauerhaft zu reduzieren. Um den Wettbewerb zu intensivieren, ist inzwischen die weitere „Entflechtung“ der immer noch als „natürliche Monopole“ bezeichneten Energiekonzerne und Stadtwerke europaweit eingeleitet worden. Ziel dieser unter dem Begriff Unbundling (Entbündelung) laufenden Veränderungen ist auch die räumliche und personelle Trennung von Netzbereich und Stromerzeugung. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, sind sie darüber hinaus rechtlich, organisatorisch, informell und buchhalterisch zu trennen. Abschlusstermin für diese Entflechtung ist in Europa der 1.7.2007. Eine weitere, ebenfalls von der EU-Kommission in Brüssel festgelegte Aufgabe zur Entwicklung des liberalisierten Strommarktes ist der Aufbau von Regulierungsbehörden, die Kosten- und Preisentwicklung überwachen. Das gilt nunmehr auch für Deutschland, das in der Vergangenheit diese Überwachung im Einvernehmen zwischen Energiewirtschaft und Bundesregierung durch die VDEW-Verbändevereinbarung (ausgearbeitet von den Organen der Energiewirtschaft) ersetzt hat. Inzwischen wurde nach intensiven Auseinandersetzungen und mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministers auch dieses Problem weitgehend geklärt. Deshalb erwarten die Beteiligten, dass die Regulierungsbehörde zügig die Arbeit aufnimmt. Sie wird vom gleichen Chef geleitet, der seit mehreren Jahren die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) leitet und dort Beiträge zur Reduzierung der Gebühren durchgesetzt hat. Allerdings erwarten die Experten, dass Strompreisreduzierungen wenn überhaupt erst in einigen Jahren möglich sind. Begründet wurde das unlängst auf der 12. Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin, die sich unter anderen mit Fragen des Energierechts beschäftigte. Dort gab es Übereinstimmung zu der Frage, dass zunächst ein mindestens zweijähriges Anreizprogramm notwendig ist, um die Übersicht zu gewinnen. Letztlich handelt es sich bei der Energiewirtschaft auch weiterhin um Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4 248 BRANCHE AKTUELL Energiemix und neue Versorgungsstrukturen Auch im vergangenen Jahr hat sich der Wandel des europäischen Strommarkts fortgesetzt. Das betrifft sowohl seine Liberalisierung als auch den Übergang zur klimafreundlichen Stromerzeugung. 2005 werden ein aktualisiertes nationales Energierecht und Fortschritte auf dem Weg zum Energiemix der Zukunft erwartet. 2000 1500 1000 500 1860 80 1900 20 40 60 80 2000 20 40 2060 Exajoule pro Jahr nachhaltiges Wachstum Bevölkerung in Mrd. 5,2 10,0 BIP pro Kopf in Tsd. $ 4,3 17,0 1990 2060 Quelle: Deutsche Shell AG Weltenergieverbrauch bis 2060 Szenario: nachhaltiges Wachstum Eine Shell-Studie geht davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2050 sich mindestens verdoppelt. Verbunden damit ist eine Erhöhung des Energiebedarfs auf das zweibis dreifache. So sind heute immer noch ca. 2 Mrd. Menschen ohne Stromanschluss und 60 % der Weltbevölkerung lebt in absoluter Armut. Windkraft im Verbundnetz Aus Sicht der Energiewirtschaft war die Einbindung von Windenergie in das deutsche Verbundnetz bisher ein ungelöstes Problem. Eine Studie der dena gibt eine erste Antwort. eine gewinnorientierte Branche. Sie steht vor allem in Westdeutschland vor dringend notwendigen Investitionen. Während in den zurückliegenden Jahren in Ostdeutschland Stromversorgung und Netze bereits saniert und modernisiert wurden, gibt es im Westen Deutschlands noch zahlreiche überholungsbedürftige Anlagen. Kostenerhöhend wirken insgesamt auch Netzveränderungen durch den Einsatz Erneuerbarer Energiequellen und Preiserhöhungen bei den zur Stromerzeugung notwendigen Energieträgern wie Erdgas und Kohle. Bereits 1998 wurde die erste Vorgabe zur Liberalisierung in das bis dahin gültige Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) eingearbeitet. Weitere Vorgaben und Veränderungen wie beispielsweise Unbundling und Regulierung sollten bis 30.6.2004 in nationales Recht umgesetzt werden. Da dieser Termin von der Regierung nicht eingehalten wurde und auch die Abstimmungen im Bundestag und Bundesrat zu erheblichen Korrekturen führen, kann nach Einschätzung des VDEW eine endgültig abgestimmte Neufassung voraussichtlich erst im 2. Quartal dieses Jahres in Kraft treten. Auf den Weg zur nachhaltigen Stromversorgung Dennoch bleibt die Novellierung des EnWG für den VDEW in diesem Jahr ein absoluter Schwerpunkt. So wird der VDEW-Kongress im Juni dieses Jahres die energiepolitischen Weichenstellungen der Bundesregierung unter dem Motto „Nachhaltigkeit oder Ökologisierung der Energiepolitik“ thematisieren [1]. Parallel zur Liberalisierung des Strommarktes unterliegt ebenso die Stromerzeugung und mit ihr die Vernetzung einem Wandel. Politisches Ziel ist erstmalig der Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung, die gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz garantiert. Kennzeichen dieser die gesamte Energieversorgung betreffenden Veränderung ist der schonende Umgang mit den fossilen Energieträgern. Es sind dies Erdgas, Erdöl und Kohle, deren Bestand durch die rasant wachsende Weltbevölkerung eines Tages unwiederbringlich verbraucht ist (Bild ). Bestes Beispiel ist die deutsche Steinkohle, die heute nur noch überteuert und in geringer Menge abgebaut werden kann. Nachhaltige Entwicklung ist im übrigen nicht auf Energietechnik beschränkt und betrifft auch andere Ressourcen wie Rohstoffe. Sie wurde international bereits 1987 wie folgt definiert: „Nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse heutiger Generationen ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre eigenen Lebensstile zu wählen.“ Aus Sicht des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes ist „die Energienutzung nur nachhaltig, wenn sie eine ausreichende und dauerhafte Verfügbarkeit von geeigneten Energieressourcen sicherstellt und zugleich die Auswirkungen von Energiebereitstellung, -transport und -nutzung begrenzt“ [2]. Artikel 20a des Grundgesetzes fordert: „ Der Staat schützt auch in Verantwortung für künftige Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Das gilt auch für den nachstehend behandelten Klimaschutz. Kyoto allein reicht nicht In den letzten Jahren haben die Klimafolgeforscher ihre These wissenschaftlich untermauert, dass fossile Energieträger mit ihren C02-Emissionen das Klima negativ beeinflussen. Da Weltbevölkerung und Industrie ständig wachsen, erhöht bei der Verbrennung freiwerdendes C02-Gas stetig die Erdtemperatur. Im 20. Jahrhundert ist die Temperatur um etwa 0,7 °C, seit 1860 sogar um 1 °C gestiegen. Das reicht aus, um bereits erste Veränderungen des Klimas zu registrieren. Dazu gehören Veränderungen von Wärmeströmungen im Meer, verringerte Eisflächen am Nordpol und in den Alpen seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und eine weltweite Verdopplung der Fläche von Dürregebieten (u. a. ist das Bundesland Brandenburg davon betroffen). Besonders gefährlich ist der langsame Anstieg des Meeresspiegels durch schmelzende Eismassen und die Bedrohung tiefliegender Küstenabschnitte und kleiner Inseln. Die Klimafolgenforscher des gleichnamigen Instituts befürchten Temperaturerhöhungen bis zu 2 °C und erwarten dabei gravierende Zunahmen der Klimaschäden. Sie fordern deshalb eine Intensivierung der Energieeinsparung und des Einsatzes von Erneuerbaren Energiequellen (EE), die nicht nur den Anforderungen einer nachhaltigen Energieversorgung (insbesondere Stromversorgung) entsprechen. EE erzeugen obendrein den Strom frei von CO2-Emissionen oder mindern sie im Vergleich zur fossilen Energieträgern erheblich. Um unter den gegenwärtigen Bedingungen Lebensgrundlagen zerstörende Klimaschäden zu vermeiden, empfehlen die Wissenschaftler bis zur Mitte des Jahrhunderts die Treibhausgase weltweit um 50 % zu reduzieren. Darauf bauen auch die in Deutschland erarbeiteten Energieszenarien auf [3]. Das bedeutet eine wesentliche Beschleunigung der Installation von EE. Diese Entwicklung wird vielleicht auch durch die Inkraftsetzung des Kyoto-Protokolls unterstützt. Zwar sind die Nummern 1 und 2 unter den Treibgasproduzenten - USA und Australien - vorher ausgestiegen. Dennoch ist diese Klimarahmenkonvention von insgesamt 186 Staaten ratifiziert worden und seit 15.02.05 gültiges Völkerrecht. Ziel ist die Senkung der Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens 5 % unter das Niveau von 1990. Dabei haben einzelne Länder unterschiedliche Emissionsgrenzen akzeptiert. Deutschland verpflichtete sich zum Spitzenwert: Minus 21 %. Der größte Teil dieser Verpflichtung wurde bereits in den 90er Jahren durch die weitgehende Entindustriealisierung Ostdeutschlands erfüllt. Dezentrale Energieversorgung heute und morgen Abgesehen von leistungsstarken Windparks werden EE und andere Stromerzeuger aus dem unteren Leistungsbereich heute verbrauchernah und dezentral installiert. Zur besseren Ausnutzung des Energieträgers dominieren netzgekoppelte dezentrale Energieerzeugeranlagen (DEA) mit Kraft-Wärmekopplung vom Typ BHKW (Blockheizkraftwerke). Von besonderer Bedeutung sind dabei Biomasse-Kraftwerke (Leistungsbereich bis 20 MW), Biogasanlagen, Windenergieanlagen (WEA) im MW-Bereich und kleine Wasserkraftwerke. In den nächsten Jahren werden ebenso Mikrogasturbinen, BHKW mit Brennstoffzellen (BZ-BHKW) und vereinzelt auch geothermische Kraftwerke dezentrale Erzeuger von Strom und Wärme. Mit zunehmender Anzahl und Leistungssteigerung der DEA verringert sich allerdings die Möglichkeit, sie in das Nieder- oder Mittelspannungsnetz zu integrieren. Experten gehen davon aus, dass aus heutiger Sicht bei einer 20 bis 25 %igen Deckung eine Aufrüstung des Niederspannungsnetzes und die Verlagerung des Lastverteilungssystems vom Verbundnetz in den dezentralen Versorgungsbereich notwendig werden kann. Deshalb begann bereits im vorigen Jahrzehnt das Institut für Solare Energieversorgungstechnik in Kassel (ISET) mit Unterstützung von Siemens mit der Erforschung Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4 250 BRANCHE AKTUELL Industrie Haushalte Solar Brennstoffzelle 0,4 kV Wind 20 kV 110 kV Speicher Brennstoffzelle BHKW Power Quality Speicher Vorteile: Brennstoffzellensysteme Energiesysteme Power Quality Geräte intelligente Kommunikationssysteme dezentrale Energiemanagementsysteme EDISon Schema der zukünftigen integralen Stromversorgung Quelle: ISET eines solchen Energiesystems. Inzwischen wurden mehrere Testobjekte einer neuen dezentralen Stromversorgung mit Energieversorgungsunternehmen unter realen Bedingungen erprobt (vgl. ep 04/2001, S. 16). Dazu gehören staatlich und von der EU geförderte Untersuchungen im Rahmen der „EDISon“- und „Dispower“-Projekte, an denen bis zu 37 europäische Projektpartner beteiligt waren [4]. Aufbauend auf diesen Vorarbeiten entwickelt ISET seit Ende 2003 mit 17 Unternehmen aus dem Gerätebau im Rahmen des Forschungsprojektes Dinar ein bidirektionales Energiemanagement-Interface. Ziel ist ein standardisierungsfähiges, herstellerneutrales und kostengünstiges sowie die Versorgungsqualität unterstützendes Gerätesystem. Es sichert die Einbeziehung der DEA wie auch der steuerbaren Verbraucher in das neue, bidirektionale Kommunikationssystem und damit die Verbindung zum Managementsystem. Damit werden die bisher jeweils gesondert entwickelten Zusatzeinrichtungen zur Fernsteuerung und Fernüberwachung etwa ab 2007 durch eine vom Elektrofachmann beherrschbare Systemtechnik abgelöst. Der Anschluss der DEA an das Stromnetz erfolgt über Stromrichter (Leistungselektronik) und ermöglicht eine Verbesserung der Versorgungsqualität sowie die Steuerung von Wirk- und Blindleistung zur Kompensation von Frequenz- und Spannungsabfall (vgl. ep 12/2002, S. 998 und [5]). Um die neue Technologie künftig vermehrt einsetzen zu können, ist aber auch sicherzustellen, dass finanziell geförderte DEA problemlos in das Energiemanagement einbezogen werden dürfen. Das ist notwendig, da EEG und KWK und vielleicht sogar das neue EnEG den vorrangigen Energieverbrauch aus EE festgelegt haben. Prinzipiell bleibt die dezentral vor Ort energetisch versorgte Region wie bisher über das öffentliche Stromversorgungsnetz mit dem europäischen Stromnetz verbunden. Dabei besteht bei zahlreichen Verbrauchern und Betreibern von DEA der Wunsch, dass das interne Netz bei Störungen im Stromverbund weiter Strom liefert. Das gilt für netztechnisch bedingte Störungsfälle und könnte bei Terroranschlägen helfen. Ein Inselbetrieb, wie er bei völlig autarken Netzen möglich ist, wird aber bisher vor allem aus Gründen der Personensicherheit im Stromverbund unterbunden. Selbst den Betreibern hausinterner PV-Anlagen etc. ist eine Notstromversorgung weitgehend unmöglich [6]. Integrierte Stromversorgung Zusammen mit dem Zuwachs an DEA verliert die bisherige Stromversorgung auf Basis von Großkraftwerken im Energiemix planmäßig an Umfang. Unabhängig von der Verkleinerung des zentralen Kraftwerkparks ist nach Ansicht des ISET auch in diesem zentralen Teil des Energiesystems eine moderne Netzstruktur mit bidirektionaler Stromrichtung und gleichen Informationssowie Kommunikationseinrichtungen unverzichtbar. Sie gleichen den Stromverbrauch der dezentralen Zentren aus und decken insbesondere mit ihren Systemleistungen wie Lieferung von Wirk- und Blindleistung auch den Energiebedarf, den die stochastisch verfügbaren WEA und PV-Anlagen nicht abdecken können (vgl. ep 01/2005, S. 15 - 16). Die Realisierung dieses „integralen Konzepts“ aus zentralen und dezentralen Komponenten erfordert neue Betriebsmittel und andere Veränderungen im Netz, die zum Teil im EDISon-Projekt getestet wurden (vgl. ep 04/2003, S. 290 - 293). Die Gesamtstruktur zeigt Bild . Letztlich ist nicht auszuschließen, dass die in Deutschland streckenweise wenig geliebten Kernkraftwerke auch nach der vereinbarten schrittweisen Stillegung ihren CO2-freien Betrieb fortsetzen. Zwar gibt es trotz der Rückstände bei der Erfüllung der deutschen Klimaschutzziele bislang keine Hinweise dafür. Möglich erscheint aber, dass bei einem Politikwechsel im Jahre 2006 die mit der Energiewirtschaft vereinbarte Stilllegung annulliert wird. Experten halten allerdings Neubauten in Deutschland für nicht realisierbar. Stromerzeugung mit Biomasse Biomasse ist gespeicherte Energie, die in Strom, Wärme und Treibstoffe umgewandelt werden kann. Weit verbreitet ist u. a. die gemeinsame Erzeugung von Strom und Wärme in Kraft-Wärme-gekoppelten Systemen, da damit der Brennstoff mit höchstem Wirkungsgrad in Nutzenergie umgewandelt werden kann. Im Gegensatz zu Windkraft und Sonnenstrahlung kann Biomasse die Nutzenergie zu Zeitpunkten liefern, zu denen Strombedarf das erfordert. Um eine optimale Nutzung sicherzustellen, ist ggf. ein Wärmespeicher hilfreich. Damit ist Biomasse nicht anders einzusetzen als die fossilen Energieträger. Gleichzeitig ist auch am einfachsten eine Versor-Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4 252 BRANCHE AKTUELL Neu: Frage des Monats Neu: Frage des Monats unter: www.elektropraktiker.de gungsqualität zu sichern, die dem Verbundnetz in Deutschland entspricht. Deshalb leistet Strom aus Biomasse einen unverzichtbaren Beitrag in den oben vorgestellten dezentralen Versorgungsstrukturen der Zukunft [7]. Darüber hinaus ist aber die Energieerzeugung aus Biomasse ein schon heute unverzichtbarer Teil der Land-und Fortstwirtschaft und des ländlichen Raumes. Bereits im Jahr 2001 betrug der Gesamtumsatz der Bioenergiebranche rund 2,4 Mrd. Euro (Erlöse plus Investitionen). Rund 50000 Arbeitsplätze sind hier entstanden. Auf der Grünen Woche im Januar 2005 in Berlin wurde stärker noch als in vergangenen Jahren deutlich, dass die Nutzung der anfallenden Biomasse weiter ausbaufähig ist. Über Stand und Perspektive informierten zahlreiche Vortragsreihen und Ausstellungskomplexe. Hinzu kamen Informationen zu einschlägigen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekten. Das betraf neue Geräte und Technologien für alle Phasen des Arbeitsprozesses bis zum BHKW. Ein besonderer Schwerpunkt waren Energiepflanzen, für die insgesamt eine Anbaufläche von 2 Mio ha (17 % der Ackerfläche) zur Verfügung steht. Darüber hinaus werden inzwischen auch renaturierte Flächen aus dem Braunkohlentagebau erfolgreich genutzt. Auf dem Programm stehen Züchtung und Aufzucht von schnell wachsenden Baumarten, von Chinaschilf und 3 m hohen kräftigen Sonnenblumen und nicht zuletzt auch Raps oder andere Pflanzen zur Herstellung von Biodiesel. Sie ergänzen geeignete Feldfrüchte wie Getreide oder Mais. Wachstumsmarkt Biogasanlagen Mit dem seit 1.8.04 geltenden überarbeiteten EEG hat sich vor allem der finanzielle Anreiz für Biogasanlagen wesentlich verbessert. Das belebte das Wachstum bereits im vorigen Jahr, sodass inzwischen mehr als 2000 Anlagen in Deutschland Strom auf diesem Weg erzeugen. Die Branche ist überzeugt, dass dieses Wachstum anhält und Biogasanlagen in den dezentralen Energieversorgungszentren der Zukunft einen noch größeren Anteil des Energiebedarfs abdecken können. Experten schätzen, dass bisher erst etwa 4 % des deutschen Biogas-Potentials erschlossen wurden. Bereits in diesem Jahr könnte sogar die Anzahl der installierten Anlagen auf 4000 anwachsen. [8]. Allerdings erlauben nach wie vor die örtlichen Verhältnisse und die Bedürfnisse nicht immer, sowohl Wärme als auch Strom zu nutzen. Um dennoch die Gesamtenergie beispielsweise eines BHKW zu nutzen, soll die Qualität des Biogases auf Erdgasniveau angehoben werden. Bisher ist das nicht gelungen. ISET hat deshalb auch über den umgekehrten Fall nachgedacht. Die Experten schlagen ein gesondertes Biogasnetz vor, in das Erdgas ohne Einspruch durch die örtlichen Gasversorger gemischt werden kann. Literatur [1] Verlagsgruppe Handelsblatt: Tagungsmaterial zur 12. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2005, 18.-20.1.2005. [2] BMU: Erneuerbare Energien - Innovationen für die Zukunft. 5. Auflage Mai 2004. [3] Kabisch, H.: Kraft-Wärme-Kopplung auch mit Erneuerbaren Energien. Elektropraktiker Berlin 58(2004) 11, S. 907-911. [4] Forschungsverbund Sonnenenergie: Integration EE in Versorgungsstrukturen. Jahrestagung 2001. [5] Deutsche Energie Agentur (dena): Perspektiven für die Stromversorgung der Zukunft. Tagungsmaterial zum Thema „Anforderungen an das Elektrizitätssystem für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung“. Berlin, 21./22.11.2002. [6] Handschin, E. u. a.: Inselnetzerkennung bei Eigenerzeugungsanlagen. etz 12/2004, S. 48-50. [7] Kabisch, H.: Strom, Wärme und Treibstoffe aus Biomasse. Elektropraktiker Berlin 58(2004)6, S. 493 -497. [8] Schütte, A.: Biogas - Stand und Perspektiven für die Landwirtschaft. Plenarvortrag, Fachtagung Biogas am 24.1.05, Grüne Woche, Berlin. www.fnr.de H. Kabisch Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 4 BRANCHE AKTUELL Anzeige

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