Leistungselektronik
Elektronik-Schäden absichern
ep2/2005, 2 Seiten
Teure Investitionen absichern Computer, Drucker, Scanner, Kopierer, Telefax, Telefonanlage sind aus keinem Firmenbüro wegzudenken. Zusätzlich kommen auch außerhalb der Firma Notebooks mit Spezialsoftware für die jeweiligen Mess- und Auswertungsaufgaben sowie hochempfindliche elektronische Messgeräte zum Einsatz. Für kleinere Firmen ist die Anschaffung der Geräte eine große Investition, die abgesichert sein sollte. Jeder Unternehmer wird daher schon im eigenen Interesse die Umgebungsrisiken für den Betrieb elektronischer Anlagen und Geräte auf ein Mindestmaß reduzieren. Dabei sind ihm jedoch Grenzen gesetzt, beispielsweise auf einer fremden Baustelle, wo ihm die Infrastruktur vorgegeben wird. Gerade auch in Planungsbüros, wo Spezialrechner und -software zum Einsatz kommen, ist daher an eine geeignete Risikovorsorge zu denken, um die Kosten im Schadensfall in Grenzen zu halten. Dagegen ist kein Unternehmer gefeit, wie es die Praxis immer wieder beweist (Beispiele). Deshalb ist in allen Fällen, in denen die eigene Vorsorge der Firma nicht mehr ausreicht, zu prüfen, inwieweit eine Elektronikpolice notwendig ist. Erhöhtes Schadenspotential einkalkulieren Viele Firmen haben ihre betriebliche EDV-Technik über die üblichen Sachversicherungen gegen Feuer, Leitungswasser und Einbruchdiebstahl sowie Sturm versichert. Doch nur ein geringer Teil der EDV-Schäden wird durch diese vier Gefahren verursacht - laut Statistik nur etwa fünf Prozent. Viel häufiger streikt der Computer als Folge von Überspannung oder Blitzeinwirkung, aber auch wegen falscher Handhabung, Fahrlässigkeit oder mutwilliger Beschädigung. Für finanzielle Verluste aus diesen und anderen Schäden kommt die Elektronikversicherung auf. Sie bietet eine so genannte Allgefahren-Deckung (Tafel ). Sie sichert damit Risiken ab, die weit über die Feuer-, Einbruchdiebstahl-, Leitungswasser- bzw. Transportversicherung hinausgehen. Auch bei einfachem Diebstahl kommt sie für den Schaden auf. Die Einbruchdiebstahlversicherung springt dagegen nur ein, wenn der Diebstahl im Zusammenhang mit einem Einbruch steht. Insbesondere zwei wesentliche Schadentrends registrieren Elektronikexperten der Versicherungsbranche gegenwärtig: Blitz- und Überspannungsschäden. Derartige Schäden sind heute aufgrund der gewachsenen technischen Ausstattung der Firmen mit wesentlich größeren Auswirkungen verbunden als noch bis vor einigen Jahren. Heute ist alles vernetzt - am Computer hängen Telefon, Fax und Drucker, Zeiterfassungsanlage und am Telefon wiederum der Internetzugang. Kommt es durch Blitz oder unregelmäßige Stromversorgung zu Überspannungsschäden, greift eins ins andere. Diebstahl. Zum anderen nimmt der Diebstahl hochwertiger Elektronik zu. Computer, Notebooks etc. verschwinden übers Wochenende - ohne jegliche Spuren eines Einbruchs. Damit sind oft auch die gespeicherten Informationen verloren. Weitere Risiken bedenken Sind die Datenträger beschädigt, zerstört oder wurden sie entwendet, müssen die aktuellen Datenbestände wiederhergestellt werden. Diese Risiken bzw. Kosten dafür müssen extra abgesichert werden - über eine Datenträger- und Softwareversicherung. Sie bezahlt nicht nur die Reparaturkosten, sondern auch die Wiedereingabe der Daten und je nach Ausgestaltung ggf. auch den Neukauf der Programme. Die Kosten für diesen Versicherungsschutz betragen je nach Höhe der Versicherungssumme drei bis zehn Promille. Allerdings greift der Risikoschutz nur dann, wenn die Daten und Programme im Zuge eines Sachschadens am Datenträger verloren gehen bzw. zerstört werden oder im Gefolge einer Überspannung und höherer Gewalt. Einige wenige Versicherungsgesellschaften übernehmen zusätzlich auch das Risiko für Schäden, die entstehen, wenn Hacker von außen gezielt in die Büro-Software eindringen, Einbrecher den Computer „bedienen“ und dadurch Daten verloren gehen oder die Software zerstört wird. Strenge Auflagen beachten Im sensiblen Bereich der Informationsverarbeitungssysteme nehmen es die Gesellschaften mit Sicherheitsvorkehrungen sehr genau. Entsprechend detailliert sind hier die Fragebögen. Vor allem die Aufbewahrung der Stamm- und Bestandsdateien interessiert sowie der Stand ihrer Aktualisierung. Darüber hinaus macht die Assekuranz auch Auflagen. Dazu gehört insbesondere die Maßgabe, Daten zu duplizieren und sie sicher aufzubewahren. So werden z. B. mindestens wöchentliche Backups verlangt. Doppelversicherung vermeiden Ob Sachversicherung oder doch besser die teurere Elektronikpolice - das hängt wesentlich davon ab, wie Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 2 BETRIEBSFÜHRUNG Elektronik-Schäden absichern EDV-technisch hochgerüstete Firmenbüros sind heute Standard - aber auch gefährdet durch Einbruchdiebstahl, Vandalismus, Fahrlässigkeit, Blitz- und Überspannungsschäden sowie andere Risiken. Mit speziellen Versicherungen lassen sich entstandene Schäden an elektronischen Geräten und Anlagen inklusive Software zumindest finanziell eingrenzen. BEISPIELE Einige Schadensfälle aus der Praxis Fataler „Fehlstart“. Ein gestresster Firmeninhaber beabsichtigte, seinen PC zusammen mit einigen Peripheriegeräten zu Wartungsarbeiten in die Werkstatt zu bringen. Er verstaute die Geräte in seinem sorgsam mit Decken ausgelegten Caravan und gab Gas. Leider hatte er vergessen, die Heckklappe seines Fahrzeugs zu schließen. Die gesamte Fracht wurde nach hinten ausgeworfen. Weil die Elektronikversicherung in diesem Fall auch das Bewegungsrisiko umfasste, zahlte der Versicherer 4500 Euro. Geplatztes Wasserrohr. Der Schaden ereignete sich - unbemerkt am Wochenende - im dritten Stock eines Verwaltungsgebäudes. Als man Montagmorgen die Bescherung entdeckte, stand das Wasser bereits 25 cm hoch in den Büros im Erdgeschoss. Nahezu alle auf dem Fußboden stehenden PC waren beschädigt oder gänzlich zerstört.(Bild ). Zerstörte Datenträger. In diesem Fall waren Einbrecher nachts ins Gebäude eingedrungen, hatten Räume, Türen und Mobiliar demoliert. Gestohlen wurde lediglich ein Laptop mit Drucker. Ein weiterer PC fiel ihrer blinden Zerstörungswut zum Opfer. Als die Ganoven den Tresor geknackt hatten, war ihre Enttäuschung groß. Statt der erhofften Geldbündel fanden sie unscheinbare CDs. In ihrem Frust zerstörten sie die Datenträger. Dabei handelte es sich um die Datensicherung des gestohlenen Laptops und des zerstörten PC - das heißt, die Backups der eingesetzten Standard-Software und der laufenden Projekte. Für die Rekonstruktionsarbeiten entstanden Kosten von über 20 000 Euro. Entwendete Daten. Hier stahlen Einbrecher lediglich einen kleinen PC im Wert von etwa 2000 Euro. Jedoch mit der Festplatte verschwand auch eine umfassende Datensammlung. Bei diesen Daten handelte es sich um einen Leistungskatalog von existenzieller Bedeutung für die Firma. Für ihre Wiederherstellung wurde eine Vielzahl von Arbeitstagen benötigt. Den größten Teil der Kosten dafür musste die Firma selbst aufbringen, da die Datenträger-Versicherung zu niedrig abgeschlossen worden war. Dennoch lohnte sich die Investition, weil das Unternehmen andernfalls vor dem Aus gestanden hätte. Gerade Wasserschäden können an Hard- und Software erhebliche Zerstörungen anrichten Fotos: R+V sehr der Handwerksbetrieb oder das Planungsbüro mit der EDV-Technik steht und fällt. Um eine Risikoanalyse kommt man daher nicht umhin. Die Entscheidung allein an der Prämienhöhe festzumachen, wäre jedoch zu kurz gedacht. Um eine Doppelversicherung zu vermeiden und Prämie zu sparen, kann man die EDV-Technik aus der betreffenden Sachversicherung herausnehmen. Umgekehrt ist das zwar auch möglich und noch preisgünstiger - d. h. in der Elektronikversicherung die Gefahren ausschließen, für die bereits Risikoschutz z. B. über eine Feuer-oder Leitungswasserversicherung besteht. Hier kann es aber im Schadensfall zu Abgrenzungsproblemen kommen. Ein Risiko, dass Versicherungsmakler Rainer Melchin nach eigenem Bekunden nicht unbedingt eingehen würde. Anbieter. Gesellschaften, die technische Versicherungen im Programm haben, bieten zumeist auch die Elektronikversicherung an - das sind derzeit schätzungsweise etwa zwei Dutzend Unternehmen, darunter VHV, DBV Winterthur, R+V, Alte Leipziger. Die Angebote sollten am besten über Makler einholt werden, die die entsprechende Marktübersicht haben und die Firma samt EDV-Technik vorher nach neuralgischen Punkten durchforsten. Einzeln oder im Paket absichern Die Versicherer bieten die Elektroniksachversicherung pauschal als Paket für die gesamte betriebliche EDV-Technik an oder nur für ausgewählte Geräte/Anlagen. Die R+V etwa bietet ihr Pauschalpaket zumeist für Büro- und Verwaltungsbetriebe an. Für sonstige Technik, auch Informations- und Datentechnik (Hardware und Software) werden überwiegend Policen mit Einzelauflistung abgeschlossen. Die Einzel-Versicherung ist preiswerter, weil man nicht jedes Gerät versichern muss. Dafür ist bei der Pauschalversicherung das Handling einfacher. Wenn zum Beispiel Computer austauscht und gegen einen leistungsfähigeren ersetzen werden bzw. neue Geräte hinzugekauft werden, besteht dafür in der Regel sofort Versicherungsschutz. Wichtig: Mobil eingesetzte Geräte wie z. B. Notebooks sind mitunter bis zu 20 Prozent der Gesamtversicherungssumme mitversichert. Ansonsten kann es teuer werden. Police nach Baukastenprinzip Die Versicherer offerieren für die Absicherung von EDV-Technik sowie der Software ein ganzes Baukastensystem: Fundament ist die Elektronik-Sachversicherung für die Hardware, auf die bei Bedarf weitere Zusatzbausteine draufgesetzt werden können. Umfang und Name dieser Zusatzbausteine unterscheiden sich bei den einzelnen Anbietern allerdings. Man muss schon sehr genau hinschauen, was man an Einzelleistungen einkauft. Erweiterte Elektronik-Pauschalversicherung der VHV Hannover. Es können beispielsweise in einem Vertrag folgende Bausteine kombiniert werden: 1. Risikoschutz für die elektronische Betriebseinrichtung (Hardware), 2. Kosten für die Rekonstruktion oder Wiederbeschaffung der vom Schaden betroffenen Daten und Programme (Software, Versicherungssumme bis 25000 Euro), 3. dazu die Mehrkostenversicherung (z. B. für notwendige Überstunden, die Inanspruchnahme von Lohndienstleistungen und Provisorien wie Leihgeräte, Versicherungssumme bis 50000 Euro) sowie der Ertragsausfall - Betriebsunterbrechung infolge eines Hardware-Schadens. Die Mindestprämie für die Hardwareversicherung liegt bei 175 Euro netto, die Obergrenze für die Versicherungssumme bei 750000 Euro. Easy-Flex-Paket der R+V. Sie besteht aus Elektroniksachversicherung und Datenträgerversicherung. Ein Handwerksbetrieb bzw. Planerbüro zahlen beispielsweise bei einer Versicherungssumme von 50000 Euro (Hardware) und 10000 Euro (Wiederherstellungskosten der Datenträger) rund 400 Euro Jahresprämie. „Beitragsfrei mitversichert ist auch mobile PC-Technik bis zu einer Höhe von 20 Prozent der Versicherungssumme“, erläutert Underwriter Paul Zimmer. Ebenso können Messgeräte ohne Beitragszuschlag mitversichert werden (Bild ). Übersteigt ihr Wert allerdings ein bestimmtes Limit, kostet dies extra. Für grundlegende Planungs- und Verwaltungsaufgaben setzen Firmen heute teilweise sehr fachspezifischen Software ein. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Softwareschutzmodule - wie Dongles - zum Einsatz kommen. Wichtig: Es sollte nachgefragt werden, ob diese Kopierschutzeinrichtungen mitversichert werden und die Prämie erfragen. Nicht alle Gesellschaften versichern dieses Risiko. Bei anderen wiederum ist es prozentual und prämienfrei mitversichert wie im Übrigen auch Daten und Datenträgerverluste, ebenso Aufräumkosten und die Kosten für die Bereitstellung eines Provisoriums - nicht zu vergessen die prämienfreie Vorsorgeversicherung für Neuerwerbungen im laufenden Jahr. Vor Abschluss sollten mehrere Angebote verschiedener Gesellschaften mit guten Bedingungen und marktgünstigen Prämien verglichen oder auch gleich der Rat eines Experten eingeholt werden - wie z. B. eines unabhängigen, gerichtlich zugelassenen Versicherungsberaters oder eines Versicherungsmaklers. C. Fritz Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 2 99 BETRIEBSFÜHRUNG Tafel Einige Fakten zur Elektronikversicherung Zu versichernde Geräte und Anlagen: · Informations-, Kommunikations-, Büro-, Sicherungs- und Meldetechnik komplett durch Pauschaldeklaration, · Funktechnik, sonstige Technik, Steuerungs-, Mess- und Regelungstechnik durch so genannte Einzeldeklaration. Wann gezahlt wird - Schadensursachen: · Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit und Fahrlässigkeit, · Überspannung, Induktion und Kurzschluss, · Brand, Blitzschlag, Explosion einschließlich Löschschäden, Schäden durch Niederreißen · Vorsatz Dritter, Vandalismus und Sabotage, · Wasser, Feuchtigkeit und Überschwemmung (Bild ), · Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Raub und Plünderung, · Höhere Gewalt und infolge von Konstruktions- und Materialfehlern. Was bezahlt wird: · Alle schadensbedingten Wiederherstellungskosten, · Bei Totalverlust den Kaufpreis für die Neubeschaffung des Geräts zum Zeitpunkt des Schadensfalls, · In Einzelfällen zehn Prozent mehr - zum Beispiel für die Telefonanlage der Nachfolgegeneration. Zu den Kosten der Police: · Zwischen vier bis zehn Promille - also vier bis zehn Euro pro Tausend Euro Versicherungssumme, dabei Abweichungen nach oben und unten möglich, · Fast ausnahmslos Selbstbehalte erforderlich - von 100 bis 500 Euro, · Mindestprämien ab 140 Euro üblich, · Je höher die Versicherungssumme, desto niedriger der Prämiensatz. Vom Versicherungsschutz ausgeklammert: · Virenangriffe oder Schäden durch Internetwürmer und „Trojanische Pferde“, · Schäden durch Kriegsereignisse und innere Unruhen, aber u. U. Mitversicherung durch gesonderte Vereinbarung, · Bei betriebsbedingter Abnutzung und Alterung. Messgeräte können bis zu einem bestimmten Limit ohne Zusatzbeitrag mitversichert werden Die Elektronikpolice zahlt bei Schäden durch Wasser, Feuchtigkeit und Überschwemmung
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Autor
- C. Fritz
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