Elektroberufe in der Industrie
ep9/2003, 4 Seiten
Gründe für die Neuordnung der Elektroberufe 1987 wurden beim Ändern der Elektroberufe (Elektromaschinenmonteure, Energie-, Industrie- und Kommunikationselektroniker/innen) die damals neuen Technologien SPS und Digitaltechnik in die Ausbildung aufgenommen. Seitdem hat sich die Technik deutlich weiter entwickelt, z. B. durchdringen heute die Informationstechnologie und Mikroelektronik fast alle technischen Systeme. Zusätzlich fanden tiefgreifende Veränderungen in den Prozessen und Strukturen von Industrieunternehmen statt. Die Globalisierung hat in vielen Betrieben die Facharbeiterebene erreicht. So standen nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Organisationsformen und Prozesse im Mittelpunkt des Neuordnungsverfahrens. Ganzheitlicher Ansatz bei neuem Berufskonzept Eine Übersicht der neuen industriellen Berufe verknüpft mit den in Aufhebung befindlichen stellt Bild dar. Ziel war es, ganzheitliche Berufe zu schaffen, in denen - abgeleitet von den beruflichen Anforderungen - fachliche, organisatorische, methodische und soziale Kompetenzen gebündelt sind. Diese Qualifikationsbündel sind so konzipiert, dass die Mobilität zwischen Berufen, Branchen und Wirtschaftszweigen erleichtert und gefördert wird. Dies sind wichtige Voraussetzungen für eine flexible Einsatzbreite und eine nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit der Fachkräfte. Die Berufsinhalte sind so angelegt, dass sie gezielt auf einen lebensbegleitenden Qualifizierungsprozess vorbereiten. 2.1 Prozessorientierung und Handlungskompetenz Die betriebliche Praxis ist heute durch eine breite Aufgabenpalette und eine weitreichende Selbstorganisation der Arbeit gekennzeichnet. Zu den Anforderungen an die Fachkräfte gehören insbesondere: · Prozessorientierung, · verantwortliches Handeln im Rahmen des Qualitätsmanagements, · eine wachsende IT-Kompetenz, · eigenverantwortliche Disposition und Terminverantwortung, · zunehmende Planungssouveränität. · betriebswirtschaftliche Kompetenzen, · in vielen Geschäftsfeldern das Erbringen von industriellen Dienstleistungen im unmittelbaren Kundenkontakt. Die zunehmende Internationalisierung der Betriebe fordert von der Berufausbildung - vor allem von der Berufsschule - ein verstärktes Angebot an Sprachen (im Regelfall Englisch). Darüber hinaus soll in der Berufsausbildung das Verständnis für andere Kulturen gefördert werden. Wie bisher wird sich die Berufsausbildung an der vollständigen Handlung (selbstständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren) orientieren. Hinzu treten die Anforderungen, den gesamten Arbeitsprozess zu durchschauen und den erlernten Beruf sowohl selbstständig als auch in selbstorganisierten Gruppen ausüben zu können. Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 9 682 BETRIEBSFÜHRUNG Elektromaschinenmonteur/-in Energieelektroniker/-in FR Anlagentechnik FR Betriebstechnik Industrieelektroniker/-in FR Produktionstechnik FR Gerätetechnik Kommunikationselektroniker/-in FR Informationstechnik FR Funktechnik FR Telekommunikationstechnik Elektroniker/-in für Maschinen- und Antriebstechnik Elektroniker/-in für Gebäude- und Infrastruktursysteme Elektroniker/-in für Betriebstechnik Mechatroniker/-in (seit 1998) Elektroniker/-in für Geräte und Systeme Systeminformatiker/-in IT-Systemelektroniker/-in (seit 1997) Elektroniker/-in für luftfahrttechnische Berufe Fluggeräteelektroniker/-in (seit 1997) Prozessleitelektroniker/-in (seit 1992) Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik Berufe mit Ausbildungsbeginn bis 31. 12. 2003 Berufe mit Ausbildungsbeginn ab 01. 08. 2003 Übergänge in die neuen Ausbildungsberufe 3,5 3,0 2,0 1,0 Ausbildungsdauer (Jahre) industrielle Elektroberufe 1987 industrielle Elektroberufe 2003 fachrichtungsspezifische Fachbildung fachrichtungsspezifische Fachbildung berufsspezifische Fachbildung berufsübergreifende Fachbildung Grundbildung berufsspezifische Fachqualifikationen, 21 Monate, inklusive Fachaufgaben im Einsatzgebiet gemeinsame Kernqualifikationen, 21 Monate 3,5 3,0 2,0 1,0 Abschlussprüfung 1. Teil Abschlussprüfung 2. Teil integrierte Vermittlung Ausbildungsdauer (Jahre) Änderungen in der Ausbildungsstruktur ELEKTRO PRAKTIKER MEISTERWISSEN Elektroberufe in der Industrie H. Hackbarth, Berlin Seit August dieses Jahres sind die neuen Ausbildungsverordnungen gültig [1]. In diesem Beitrag werden die Änderungen bei den industriellen Elektroberufen vorgestellt. Dabei sind die Neuerungen bei der Facharbeiterprüfung sowie die Umgestaltung der Lerninhalte in der Berufsschule ein Thema. Eine Auswahlmatrix erleichtert die Zuordnung eines Unternehmens zum entsprechenden Ausbildungsberuf. 2.2 Kern- und Fachqualifikationen Um die berufliche Mobilität zu begünstigen, werden in der Hälfte der Ausbildungszeit gemeinsame Kernqualifikationen für alle industriellen Elektroberufe unterrichtet. Diese erarbeitet sich der Berufsschüler während der gesamten Ausbildung zusammen mit den jeweiligen berufsspezifischen fachlichen Qualifikationen. Dabei überwiegt anfangs die Vermittlung der gemeinsamen Qualifikationen (z. B. im 1. Ausbildungsjahr); dieses Verhältnis ändert sich jedoch im Laufe der Ausbildung zu Gunsten der spezifischen Fachqualifikationen (Bild ). 2.3 Einsatzgebiet der Berufe Für die einzelnen Berufe sind in der Ausbildungsordnung Einsatzgebiete genannt, aus denen der Ausbildungsbetrieb das für ihn zutreffende auswählen kann. Bild erleichtert die Auswahl des zum Unternehmen passenden Ausbildungsberufes. Änderung der Prüfungsordnung 3.1 Neue Form der Abschlussprüfung Mit den neuen Berufen ist auch eine Neugestaltung der Prüfung verbunden. Die bisherige Zwischenprüfung ist jetzt Teil 1 der Abschlussprüfung, dabei werden vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres die Ausbildungsinhalte der ersten 18 Monate geprüft. Das Teilergebnis geht zu 40 % in das Gesamtergebnis der Prüfung ein. Teil 2 der Abschlussprüfung wird - wie bisher üblich - am Ende der Ausbildung abgenommen. Diese „gestreckte“ Prüfung ist derzeit auf fünf Jahre befristet. Künftig soll aber diese Art der Prüfung der Regelfall sein. 3.2 Prüfungsstruktur Im ersten Teil der Abschlussprüfung wird eine umfassende Arbeitsaufgabe gestellt. Diese beinhaltet eine schriftliche Aufgabenstellung Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 9 684 BETRIEBSFÜHRUNG Branchen-/Geschäftsfelder · Betriebsanlagen, -ausrüstungen · Energieverteilungsanlagen · Gebäudeanlagen · Produktionsanlagen u. a. · Fertigungs-/Produktionsautomation · Verfahrens-/Prozessautomation · Gebäudeautomation · Netzautomation u. a. · Wohn-/Geschäftsgebäude · Funktionsgebäude · Infrastrukturanlagen · verkehrstechnische Anlagen u. a. · elektrische Maschinen · Antriebssysteme u. a. · Automativ-Komponenten · MSR-Geräte/Sensoren/Aktoren · audiovisuelle Geräte · medizinische Geräte u. a. · Fluggeräte · Raumfahrsysteme · Automatisierungssysteme · Telekommunikationssysteme · Signal-/Sicherheitssysteme · funktechnische Systeme u. a. Einsatzschwerpunkte · Betriebserhaltung (Anwender) · Anlagenmontage (Hersteller) · Betriebserhaltung (Anwender) · Systemmontage (Hersteller) · Betriebswerkstätten/ techn. Gebäudemanagement (Betreiber) · Montage/Instandhaltung (Hersteller) · Fertigung/Prüffeld · Montage/Integration · Service/Reparatur (Hersteller) · Fertigung/Qualitätssicherung · Musterbau/Entwicklung · Service (Hersteller) · Produktion · Instandhaltung · Ausrüster · Überwachung · Entwicklung/Versuch · Systemprüfung · Support/Instandhaltung (Hersteller) Tätigkeitsschwerpunkte · Warten/Instandhalten · Errichten/Ändern · Prüfen/Messen · Installieren/Parametrieren · Steuern/Optimieren · Warten/Instandhalten · Überwachen/Inspizieren · Montieren/Installieren · Betreiben · Wickeln/Schalten · Montieren/Parametrieren · Warten/Instandsetzen · Einrichten/Optimieren · Zusammenbauen/Verbinden · Parametrieren/Testen · Inbetriebnehmen/Instandsetzen · Zusammenfügen von elektromechanischen und elektronischen Komponenten · Analysieren/Konfigurieren · Programmieren/Testen · Messen/Prüfen Ausbildungsberuf Elektroniker/in für Betriebstechnik Elektroniker/in für Automatisierungstechnik Elektroniker/in für Gebäude- und Infrastruktursysteme Elektroniker/in für Maschinen und Antriebstechnik Elektroniker/in für Geräte und Systeme Elektroniker/in für luftfahrttechnische Systeme Systeminformatiker/-in Auswahlmatrix für die Zuordnung eines Unternehmens zu einem Ausbildungsberuf Lernfeld 1: Elektrotechnische Systeme analysieren und Funktionen prüfen Lernfeld 2: Elektrotechnische Installationen planen und ausführen Lernfeld 3: Steuerungen analysieren und anpassen Lernfeld 4: Informationstechnische Systeme bereitstellen Teilprozess berufstypischer Arbeitsprozess Technikfelder erstes Ausbildungsjahr vollständige Handlung: analysieren, planen, durchführen, kontrollieren, dokumentieren, bewerten Schnittstellen: - vor- und nachgelagerte Bereiche - interne und externe Kunden Aufteilung der Lernfelder innerhalb des ersten Berufsschuljahres und begleitende situative Gesprächsphasen. Der zweite Teil der Abschlussprüfung gliedert sich in die Prüfungsbereiche: · Arbeitsauftrag · Systementwurf · Funktions- und Systemanalyse · Wirtschafts- und Sozialkunde Beim Arbeitsauftrag stehen folgende Möglichkeiten zur Auswahl: Betrieblicher Auftrag. Hierbei bearbeitet der Auszubildenden einen konkreten Auftrag aus seinem Einsatzfeld und diskutiert anschließend in einem maximal 30-minütigen Fachgespräch darüber. Die Höchstdauer für den betrieblichen Auftrag (einschließlich der Dokumentation mit praxisbezogenen Unterlagen) liegt je nach Beruf zwischen 18 und 30 Stunden. Praktische Aufgabe. Bei dieser Variante löst der Auszubildende eine praktische Aufgabe, die von einem überregionalen Gremium - dem Prüfungsaufgabenerstellungsausschuss - erarbeitet wurde. Die Aufgabe wird von einem maximal 20-minütigen Fachgespräch begleitet. Die Höchstdauer für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der praktischen Aufgabe (einschließlich der Dokumentation mit aufgabenspezifischen Unterlagen) liegt bei 18 Stunden, wobei alleine die Durchführung der praktischen Aufgabe sieben Stunden umfassen soll. Aufteilung des Unterrichts in Lernfelder Parallel zur Entwicklung der Ausbildungsordnungen wurden durch die Kultusministerkonferenz (KMK) im Ausschuss „Industrielle und handwerkliche Elektroberufe“ die Rahmenlehrpläne erarbeitet. Diese dienen als Vorgabe für einen handlungsorientierten Unterricht in der Berufsschule und werden nach Lernfeldern strukturiert, die sich an beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientieren. Die Lernfelder bilden berufliche Handlungen ab und sind aus einem typischen Geschäftsprozess abgeleitet. Theoretische Fachinhalte werden verknüpft mit den beruflichen Arbeitsprozessen vermittelt. Betriebswirtschaftliche Inhalte sowie englischsprachige Elemente sind in die Lernfeldern integriert. Am Beispiel des ersten Ausbildungsjahres im Berufsfeld Elektrotechnik wird das Prinzip des Aufbaus der Lernfelder verdeutlicht (Bild Literatur [1] Hackbarth, H.: Neuordnung der Elektroberufe. Elektropraktiker Berlin 57(2003)8, S. 585. Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 9 685 BETRIEBSFÜHRUNG 1. Berufsbildung, Arbeits-/Tarifrecht 2. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes 3. Sicherheit und Gesundheitsschutz 4. Umweltschutz 5. Betriebliche und technische Kommunikation 6. Planen/Organisieren der Arbeit, Bewerten der Arbeitsergebnisse 7. Montieren und Anschließen elektrischer Betriebsmittel 8. Messen/Analysieren von elektrischen Funktionen und Systemen 9. Beurteilen der Sicherheit elektrischer Anlagen und Betriebsmittel 10. Installieren und Konfigurieren von IT-Systemen 11. Beraten/Betreuen von Kunden, Erbringen von Serviceleistung Kernqualifikationen aller Elektroberufe in der Industrie
Autor
- H. Hackbarth
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