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Elektrotechnik

Elektro-Innung Berlin 100 Jahre im "Strom der Zeit"

ep7/2003, 2 Seiten

Zu ihrem 100-jährigen Bestehen legt die Elektro-Innung Berlin ein eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte vor. Die Jubiläums- Chronik unter dem Titel „Strom der Zeit“ beleuchtet nicht nur das Innungsleben eines Jahrhunderts, sondern auch die Entwicklung der Elektrotechnik und des Elektrohandwerks in der Hauptstadt und in ganz Deutschland.


Branche aktuell Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 7 516 Akribische Suche nach Dokumenten und Fotos Nur wenige bekamen die Chronik (Bild ) vorab zu sehen. Entsprechend groß war die Spannung unter den Gästen der offiziellen Festveranstaltung (Bild ), das „Jahrhundert“-Buch endlich in Händen halten zu können. Der ep durfte zwar etwas früher in einige Text-Manuskripte schauen, war aber ebenfalls sehr gespannt auf das komplette, farbige und umfangreich bebilderte 280-Seiten-Werk. Mehr als fünf Jahre haben Obermeister Günter Hermann und ein kleiner Kreis von Mitstreitern an der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Elektro-Innung Berlin gearbeitet, haben Archive durchforstet, Dokumente gesammelt und mit Zeitzeugen gesprochen. Immer wieder erschien in der Innungszeitschrift der Aufruf an die Mitglieder, nach alten Dokumenten und Fotos Ausschau zu halten und für die Festschriftzur Verfügungzustellen. Aus der anfänglichen Material-Suche wurde im Laufe der Recherchen ein akribisches Forschen nach noch vorhandenen Unterlagen. Denn vieles hat der 2. Weltkrieg unwiederbringlich vernichtet: 1943 versank die Berliner Handwerkskammer in Schutt und Asche und mit ihr ein umfangreiches Archiv. 1945 lag ganz Berlin in Trümmern. Im Jahre 1992 dann ein bedeutender Fund: Beim Umbau der ehemaligen Geschäftsstelle in der Sponholzstraße tauchten einige Tonbänder auf, die Auskunft gaben über die frühe Geschichte der Berliner Elektro-Innung. Obermeister G. Hermann: „Zunächst mussten wir uns ein Abspielgerät für die alten Bänder besorgen. Unter den Tondokumenten fand sich dann auch ein mehrstündiger Mitschnitt der 50-Jahr-Feier im Jahre 1953.“ Wiege der Elektrotechnik in Deutschland „An der Spree selbst ist die Elektrotechnik über 150 Jahre zu Hause“, schreibt Artur Stolz, der maßgeblich das Gesamtkonzept der Chronik entwickelte und umsetzte, in seinem geschichtlichen Abriss. Zwei Personen stehen dabei im Mittelpunkt: Werner von Siemens und Georg Montanus. 1847 gründete Siemens mit Johann Georg Halske in der Schöneberger Straße 19 die erste Fabrik für Schwachstromtechnik. „Lange Zeit war diese Firma in Berlin überhaupt der Inbegriff der Elektrotechnik in Deutschland“. 1856 präsentierte Werner von Siemens den Doppel-T-Anker, 1866 machte er die Entdeckung des elektrodynamischen Prinzips, so dass von Berlin aus die Starkstromtechnik ihren Siegeszug startete. Weitere Meilensteine der engen Verknüpfung von Hauptstadt und Elektrotechnik waren die erste elektrische Eisenbahn, die 1879 auf der Berliner Gewerbeausstellung fuhr (dort wurde auch auch der erste elektrische Webstuhleinzelantrieb gezeigt) oder die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Berlin-Lichterfelde. Gleich starken Willen zum Fortschritt dokumentierte der „Vater des deutschen Elektrohandwerks“ Georg Montanus. 1902 gründete er in Frankfurt am Main den Verband Deutscher Elektro-Installationsfirmen (VEI), den Vorläufer des ZVEH, um mit diesem Zusammenschluss auch für den Wettbewerb mit übermächtig scheinenden Gegnern gewappnet zu sein. „In diesen fruchtbaren Elektro-Innung Berlin 100 Jahre im ,,Strom der Zeit“ Zu ihrem 100-jährigen Bestehen legt die Elektro-Innung Berlin ein eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte vor. Die Jubiläums-Chronik unter dem Titel „Strom der Zeit“ beleuchtet nicht nur das Innungsleben eines Jahrhunderts, sondern auch die Entwicklung der Elektrotechnik und des Elektrohandwerks in der Hauptstadt und in ganz Deutschland. 280 Seiten dick: Die Chronik der Berliner Elektro-Innung zu ihrem 100-jährigen Bestehen Hans-Dieter Blaese, ehem. Präsident der Handwerkskammer Berlin: Wer heute am Markt bestehen will, muss die neuesten Produkte der elektrotechnischen Entwicklung in sein Leistungsspektrum integrieren und hochqualifizierte Fachkräfte in seinem Betrieb beschäftigen. Was der Markt heute braucht, was der Kunde auch morgen sucht, ist der innovative Dienstleister auf höchstem technischen Niveau, der eine solide Qualitätsarbeit und eine wirtschaftlich und technisch einwandfreie Beratung abliefert... Der Elektrohandwerker ist längst ein hochspezialisierter Fachmann auf seinem Gebiet, der Kunden berät und Tipps zur Energieeinsparung bereithält, der teilweise hochkomplizierte Anlagen oder deren Komponenten einbaut und diese wartet. Mit dem „klassischen“ Elektriker, der Schalter und Steckdosen einbaut und Leitungen zieht, hat dieser Beruf nur noch wenig gemein. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin: Die Elektrotechnik ist ein Feld, auf dem sich in historisch kurzer Zeit bedeutende Wandlungen vollzogen haben. Das hat an den einzelnen Meister, die einzelnen Handwerksbetriebe und die Innung insgesamt stets große Herausforderungen gestellt. Man musste nicht nur mit der Zeit gehen, es galt - und gilt - oftmals ihr voraus zu sein, neue Entwicklungen einschätzen zu können, sich mit neuem Wissen und neuem Gerät auf sie vorzubereiten. Karl Hagedorn, ZVEH-Präsident: Es gab immer wieder Zeiten, die unsere Handwerke vor größte existenzielle Probleme stellten. Ich erinnere an zwei schreckliche Weltkriege, an schwerwiegende Rezessionen, die in Verbindung mit totalen Geldentwertungen praktisch einem Zusammenbruch des Wirtschaftslebens gleich kamen, und ich erinnere an ein zweigeteiltes Deutschland mit konträren Staatssystemen. Aber die Elektrohandwerke haben immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage sind, sich zu verändern, sich anzupassen und Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Dr. Jürgen Hahn, Vorsitzender der ZVEI-Landesstelle Berlin: Im Geleitzug der industriellen Entwicklung wurde das Elektrohandwerk zum unverzichtbaren Partner der Elektroindustrie bei der Einführung der neuen Technologien. Sowohl gewerbliche als auch private Auftraggeber profitieren von der Mittlerrolle und der Kompetenz des Elektrohandwerks in Bezug auf funktionale Gestaltung, Installation, Wartung, Service, Qualität und Sicherheit. Der Aufbau eines individuellen Gebäudemanagements aus den Komponenten der Serienfertigung ist ohne ein leistungsfähiges Elektrohandwerk nicht denkbar. Gerd v. Brandenstein, Präsident der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg: Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Region ist nach meiner Überzeugung ein optimistisches Klima in der Bevölkerung, gekennzeichnet durch den Glauben an den Erfolg und dem Willen zum Anpacken. Es geht um Selbstbewusstsein und Zuversicht, um Image und positive Identifikationsmöglichkeiten und um den Mut, etwas Neues zu wagen. Die Elektro-Innung Berlin ist dabei in der Vergangenheit stets innovativer Vorreiter gewesen. Ich bin überzeugt, dass sie diese Aufgabe auch in der Zukunft weiter wahrnehmen wird. Grußworte zum 100-jährigen Jubiläum der Elektro-Innung Berlin Kurz notiert Branche aktuell Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 7 517 Boden setzten im Jahr 1903 auch die Mitglieder der `Ortsgruppe Berlin' von Elektroinstallateuren ihr Saatgut - handwerkliches Können, den Willen zur gemeinschaftlichen Wissensbildung und Weiterentwicklung ihres Handwerksstandes." Sorgen der Nachkriegszeit „Ich glaube zu wissen, wo Sie der Schuh drückt“ sagte Ernst Reuter auf der Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Elektro-Innung im Jahre 1953. Die Rede des legendären Berliner Bürgermeisters fand sich ebenfalls auf den alten Tonbändern und ist neben zahlreichen weiteren Beiträgen dieser Veranstaltung in der Chronik nachzulesen. Eine der größten Sorgen in der Nachkriegszeit und nach der Blockade war für die West-Berliner Verwaltung die Sicherung und der Ausbau der Stromversorgung. Reuter: „Wir haben im vergangenen Winter einen kritischen Punkt gehabt, wo die Spitzenbelastung nur um wenige Megawatt unter unserer verfügbaren Leistung gestanden hat. Und wir haben alle jeden Tag in dieser kritischen Zeit vor Weihnachten mit dem Gedanken gewartet: hoffentlich geht da nichts schief.“ Eine der wichtigsten Voraussetzungen - auch für das Handwerk - sah der Bürgermeister im Jahre 1953 in der Entwicklung des Wohnungsbau und des Bauwesens in Berlin: „Ich möchte Ihnen die Versicherung abgeben, dass wir in der Verwaltung des Landes Berlin alles tun werden, was in unseren Kräften steht, um die erforderlichen Mittel nach Berlin zu bringen. Und wenn die Mittel für Berlin verfügbar sind, dafür zu sorgen, dass sie sich nun auch wirklich in Beschäftigung umsetzen können. Denn das ist für das Elektrohandwerk nach meiner Kenntnis eine der wesentlichen Voraussetzungen dafür, dass Sie wieder auf die Beine kommen, eine gesunde Kalkulation erstellen und auch ein leichtes `Fett' ansetzen können, was notwendig ist.“ Und damals wie heute: „Das Problem der Kreditgewährung, der Kreditfassung für das Handwerk ist ein immer wiederkehrendes Problem“. Oder: „Eines hoffe ich, dass die Öffentliche Hand wieder einigermaßen pünktlich zahlt und dass die Rechnungen nicht all zu lange in den Kontrollstellen, die sein müssen, liegen bleiben“, so Ernst Reuter im Jahre 1953. Auch andere Themen scheinen im Wandel der Zeit ihre Aktualität nicht zu verlieren. So sagte Willi Belling, Landesinnungsmeister aus Hannover und Vertreter des Bundesinnungsverbandes auf dem Festakt vor 50 Jahren: „Die Elektroindustrie und der Elektrogroßhandel müssen darauf verzichten, Verbindungen mit dem Endverbraucher aufzunehmen. Das enge Band zum Endverbraucher ist auch einzig und allein nur durch das Elektrohandwerk und den Elektrohandel gegeben. Beide Sparten haben nicht nur eine enge Fühlungnahme zum Endverbraucher, sondern sind in jeder Beziehung einsatzbereit, wenn eine Reparatur durchzuführen ist oder eine dringende fachliche Beratung sich als notwendig erweist.“ „Mit der Gründung der Einkaufs-und Liefergenossenschaft für das Elektrohandwerk im Ostteil der Stadt begann die Spaltung des Innungslebens in Berlin“, schreiben Günter Bortchen und Hans-Joachim Slischka in ihrem Chronik-Beitrag: „Zwar sind im Jahrbuch für das Berliner Elektrohandwerk des Jahres 1950 noch alle 20 Verwaltungsbezirke von Berlin mit den Namen der jeweiligen Bezirksmeister enthalten, ein geordnetes Innungsleben für die Ost-Berliner Handwerker gab es jedoch nicht mehr.“ Ausführlich schildert Elektro-Meister Kurt Joschko die Geschichte eines Handwerks- und Familienbetriebes im Ostteil von Berlin: „1958 verließ mein Vater die DDR, um in seine Heimat nach Essen zurückzukehren. Das war Anlass genug, dass unser Betrieb unter Aufsicht des Stadtbezirksamtes gestellt wurde. Sämtliche Firmenkonten wurden gesperrt. Alle Geschäftsabläufe mussten vom Bezirksamt genehmigt werden. Man wollte mir einen Treuhänder in den Betrieb setzen. Nun zeigte sich die Hilfsbereitschaft meiner Kollegen, dem damaligen Obermeister von Ostberlin, Leo Markwitz, und dem Kreisobermeister des Stadtbezirks Prenzlauer Berg, Georg Schultheiß, die gemeinsam mit mir gegen diese Anordnungen kämpften. Meine Selbstständigkeit wollte ich unter keinen Umständen aufgeben.“ Ost und West unter einem Dach Mit dem historischen Datum des 9. November 1989 - der Vereinigung Deutschlands - trat auch die Stadtgeschichte Berlins und seines Umlandes in ein neues Stadium. Im Zeichen der deutschen Einheit standen der Hauptstadt und dem Land Branden-burg Entwicklungsmöglichkeiten offen, die bis kurz zuvor noch undenkbar schienen. Die Chronik erinnert an die Gründung des Fachverbandes Berlin/Brandenburg am 1. August 1990. Mit dem LIV „ging das Berliner und brandenburgische Elektrohandwerk von Beginn an einen gemeinsamen Weg. Der entscheidende Schritt erfolgte aus der Erkenntnis heraus, dass die Probleme des Wirtschaftsraumes Berlin und Brandenburg nur gemeinsam gemeistert werden können.“ In seiner Ansprache zum Gründungsereignis betonte der damalige ZVEH-Präsident Karl Friedrich Haas: „Sie haben heute einen Grundstein gelegt. Sie haben die Basis geschaffen, um die Interessen Ihrer elektrohandwerklichen Betriebe nach innen zu koordinieren und nach außen zu vertreten. Rechnet man die Kriegszeit mit, so verfügt erstmalig nach einem halben Jahrhundert unser gemeinsamer Berufsstand in Ost-Berlin und Brandenburg wieder über die Möglichkeit, sich frei und unabhängig zu versammeln, die Inhalte der Tagesordnung je nach Notwenigkeit selbst zu bestimmen, um so eine unabhängige Selbstverwaltung der Elektrohandwerke zu betreiben.“ Zwei Monate nach Gründung des Fachverbandes fand am 3. Oktober 1990 die innerstädtische Vereinigung des Elektrohandwerks in der Elektro-Innung Berlin statt. Von den Anfängen bis zur eigenen Akademie Unter der Überschrift „Aufgaben und Herausforderungen der Zeit“ blickt die Chronik auch ausführlich auf das Ausbildungswesen und den Dreiklang „Meister, Geselle und Lehrling“. Von der Geburtsstunde des organisierten Elektrohandwerks im Jahre 1902 an stand die überbetriebliche Ausbildung für Lehrlinge und Gesellen im Vordergrund des Interesses. Ab 1903, dem Gründungsjahr der Berliner Elektro-Innung, fanden die Vorbereitungskurse auf die Gesellen- und Meisterprüfungen des Berliner Elektrohandwerks in den Räumen der damaligen Elektrizitätswerke statt. „Es war noch ein weiter Weg bis zur eigenen Innungsfachschule im Jahr 1925, deren Gründung und Existenz durch zwei Kriege und durch Kündigung angemieteter Räume ständig gefährdet war.“ Heute bietet die neue Akademie für Elektro- und Informationstechnik (AKEI) in Berlin eine abgestimmte Qualifizierung des Fachkräftenachwuchses unter einem Dach. Das Angebot umfasst die überbetriebliche Ausbildung für Lehrlinge verschiedener Elektroberufe, die Meistervorbereitungskurse zum Elektrotechniker und eine Vielzahl von Lehrgängen der Elektro- und Informationstechnik. Die Chronik kann für 50 Euro bei der Elektro-Innung Berlin (Fax: 030 859558-55) bestellt werden. Mit zahlreichen Gästen und Gratulanten feierte die Berliner Elektro-Innung in der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Höhepunkt der Festveranstaltung war die Ansprache des ZVEH-Ehrenpräsidenten Karl Friedrich Haas zur Geschichte der Elektrotechnik, zur Entwicklung des deutschen Elektrohandwerks und zu aktuellen Fragen

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