Elektrotechnik
e/home 2002: Intelligentes Haus bleibt reale Fiktion
ep10/2002, 1 Seite
Veranstalter waren zufrieden War die Premiere der e/home vor zwei Jahren überwiegend von Visionen und Zukunftsperspektiven rund um das „Intelligente“ Heim geprägt, so war auf der diesjährigen Messe bereits mehr an Hard-und Software für elektronisch gesteuerte Häuser zu sehen. Die Messe Berlin als Veranstalter, Aussteller und beteiligte Verbände zogen zum Abschluss der dreitägigen Veranstaltung eine positive Bilanz. Im Vergleich zur ersten Veranstaltung dieser Art vor zwei Jahren hat sich nicht nur die Zahl der Aussteller (65), sondern auch die Besucherzahl (rund 3.500) nahezu verdoppelt. Viele Aussteller tummelten sich jedoch auf Gemeinschaftsständen und scheuten die eigene Messe-Präsenz. So präsentierten sich aus der Gebäudetechnik nur Siemens, der LCN-Anbieter Issendorf, die ICON AG und Wago auf eigenen Ständen. Merten und Siedle waren bei der Fraunhofer-Gesellschaft untergekommen und Gira war auf dem Loewe-Stand präsent. Namen wie ABB, Busch Jaeger, Berker oder Hensel, die ja alle in der vernetzten Gebäudetechnik zu Hause sind, suchte man vergebens. Dabei waren die Besucher der e/home durchaus Multiplikatoren für die Intelligente Haustechnik. Neben Vertretern der Wohnungswirtschaft sind hier vor allem Planer und Architekten zu nennen. Dennoch war es natürlich gemessen an anderen Veranstaltungen eine „Zwergen-Messe“ und es bleibt die Frage, ob sich eine eigene Messe für die e/home-Problematik wirklich lohnt oder ob das Thema nicht besser als Sonderschau in großen etablierten Messen wie der Internationalen Funkausstellung (IFA), der Light + Building oder der Domotechnica aufgehoben wäre. Hierzu müssten sich jedoch gleich mehrere Messegesellschaften (Berlin, Frankfurt und Köln) einigen und das scheint wohl eher schwierig zu sein. Der Wirklichkeit voraus Trotz der doch recht positiven Zahlen hat auch die e/home 2002 deutlich gezeigt, dass die totale Vernetzung zum Wohle des Nutzers einer Immobilie zwar rein technisch möglich ist. Doch nicht einmal die Entwickler selbst wissen häufig so recht, wer diese Infrastruktur für welchen konkreten Vorteil benötigt. So präsentierte beipielsweise IBM ein Residential Gateway, das es ermöglicht durch einfaches Hinzufügen von Steckmodulen verschiedene Bussysteme und Vernetzungstechnologien auf einer Plattform zusammenzuführen. Systeme wie Ethernet, Lon Works, EHS, GSM und Wireless LAN (WLAN) lassen sich so hardwaretechnisch zusammenfassen und unter einer OSGi Softwareoberfläche steuern. Somit wären Service Provider-Modelle für vernetzte Häuser heute rein technisch möglich. Doch welcher Provider soll hier was einem Bewohner oder Nutzer anbieten? Diese Frage kann heute niemand wirklich beantworten. Als klassische Diensteanbieter kämen Telekommunikationsanbieter und Energieversorger in Frage. Doch bisher bieten diese weder Fernauslese-Dienste für den Energieverbrauch, noch Hausmeister-Services oder die Internetanbindung mit Fernüberwachung und Pizza-Service an. Solange es hier kein klares Nutzenangebot von Dienstleistern gibt, wird es wohl auch keinen echten Markt für solche Residential Gateways geben. Neuer Anlauf bei den Hausgeräten Die Hausgeräte-Hersteller versuchen nach einigen Fehlschlägen in den letzten Jahren erneut das Thema „Vernetzte Hausgeräte“ in den Markt zu bringen. Der „Internet-Kühlschrank“ hat sich wohl doch eher als Flop etabliert. Über die Anbindung von EHS an Konnex EIB scheint die Verbindung von Hausgeräten und Gebäudetechnik jedoch neue sinnvolle Anwendungen zu generieren. Siemens verfolgt beispielsweise einen neuen Powerline Ansatz. Mit EHS Powerline soll das vorhandene Stromnetz für die Vernetzung von Hausgeräten untereinander und über Schnittstellen auch mit anderen Technikzonen (z.B. Gebäudetechnik, Multimedia, Telekommunikation) genutzt werden. Es soll auch möglich sein, konventionelle Geräte über ein Nachrüst-Modul an EHS-Powerline anzuschließen (Bild ). Darüber hinaus kooperiert Siemens mit der Fa. Loewe, um so die Verbindung Hausgeräte/Multimedia-TV zu schaffen. Neben Powerline soll es demnächst auch eine Ankopplung beider Welten über Funk geben. So kann der Nutzer mit einer Fernbedienung über seinen Fernseher auch die Hausgeräte steuern (Bild ). Ebenfalls über Funk kann die gleiche Fernbedienung der Fa. Loewe die Gebäudetechnik steuern. Der Multimedia-Spezialist hat gemeinsam mit Gira eine Fernbedienung entwickelt, die sowohl den Fernseher bedient als auch über das Gira Funkbus-System Licht schaltet und dimmt sowie Jalousien und Heizung regelt (Bild ). Der „Online-Fernseher“ von Loewe wiederum ist über den Gira Homeserver mit der EIB-Gebäudetechnik und der Außenwelt über Internet, GSM oder Telefonnetz verbunden. Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass der einzige Bereich, der zur Zeit im Markt etabliert zu sein scheint, die vernetzte Gebäudetechnik ist. Andere Bereiche koppeln sich irgendwie an Systeme wie EIB oder LON an. Wie sinnvoll die einzelnen Anwendungen sind, kann oft gar nicht beurteilt werden, da es wie bereits erwähnt, noch keine echten Service-Provider gibt. Wer heute einige tausend Euro ausgeben will, um seine Waschmaschine auch über den Fernseher einzuschalten, dem kann jedoch „geholfen“ werden. Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 10 798 Branche aktuell Konventionelle Hausgeräte können über ein Nachrüst-Modul in EHS Powerline eingebunden werden Fernseher von Loewe und Hausgeräte von Siemens kommunizieren über EHS Powerline oder per Funk. Gesteuert wird alles über eine gemeinsame Fernbedienung Der Fernseher als Steuerzentrlae für die Gebäudetechnik. Mit dem Gira Funkbus-System rüstet der Fernseher auf e/home 2002: Intelligentes Haus bleibt eine reale Fiktion Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es noch niemand wirklich haben wollen. Diese Erfahrung war auf e/home 2002 ein stabiles Element. Trotz Zunahme bei Besuchern und Ausstellern konnte sich die Fachmesse für das Intelligente Haus daher noch nicht fest etablieren.
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