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Messen und Prüfen | Elektrotechnik

Der Handel im Spannungsfeld der Elektrosicherheit

ep4/2000, 2 Seiten

Wieder hatte der VDE zum Sicherheitsforum 1999 nach Frankfurt/Main eingeladen. Wieder ging es bei diesem vom VDEPrüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach getragenen Zusammentreffen um die Sicherheit als einer gesellschaftspolitischen Aufgabe. Im Jahr 1998 standen die Bemühungen um "Produktsicherheit und Produkthaftung" im Mittelpunkt (ep 2/99). Diesmal wurde gefragt, wie der Handel Einfluss auf die Sicherheit der Anwender von elektrischen Produkten nimmt.


Es wurde nicht gehandelt Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, der Handel war auf dieser Veranstaltung kaum vertreten. Weder die Baumärkte noch der Elektrofach- oder der Einzelhandel waren zur Stelle. Demzufolge wurde über ihren Anteil an dem Gewährleisten der Sicherheit für den Endverbraucher nicht gesprochen. Und das angesichts der mit FI-Schutzschaltern, Schutzkontaktsteckern, Heimwerker-Fertiginstallationen, Leitungsmaterialien, Verteilern usw. prall gefüllten Regale sowie des überall vordringenden Angebots an Billigmaterial. Der Versandhandel bot die rühmliche Ausnahme. Er ist, wie es sich in der Diskussion zeigte, auch sehr aktiv und fachkundig im Bemühen um Qualitätssicherung. Und das ist - immerhin kommen mehr als 20 % der weißen Ware aus dieser Quelle - doch sehr erfreulich. Das Spannungsfeld zwischen Hersteller und Verbraucher blieb somit leider ziemlich homogen. Wenn ich meinen persönlichen Eindruck wiedergebe, so will ich damit keineswegs die Meinung äußern, die Beteiligten bemühen sich in ihrer täglichen Arbeit für die Sicherheit nicht nach Kräften. Im Gegenteil, viel wird unternommen. Dem VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstitut sei deshalb für seine Mühe herzlich gedankt. Nur, wen befriedigte letztlich das Gesamtergebnis der Tagung? Ich frage mich auch, warum man sich zu so einem brisanten Thema trifft, wenn es dann keinen handfesten Streit gibt. Stoff gibt es m. E. genügend. Wer die Schwachstellen erkannt hat und seine Ziele kennt, der meldet sich doch zu Wort, benennt Ross und Reiter, sagt deutlich, was von wem zu tun ist. Natürlich eckt der Betreffende dann an. Wieso lässt man sich ein solches, fast die ganze Strecke zwischen Hersteller und Endverbraucher umfassendes Desinteresse des Handels kommentarlos gefallen? Durch seinen fachkundigen und kritischen Einkauf, den Verkauf an der Theke des Großhandels, am Ladentisch des Verkäufers und mit anderen ähnlich wichtigen Kontaktstellen wird doch mitentschieden, wie viel Sicherheit beim Endverbraucher wirksam wird. Warum wird nicht gestritten? Vorwärtsgerichtete oder gar provozierende Beiträge gab es auf diesem VDE-Sicherheitsformum nicht oder doch viel zu wenig. Es wurde vor allem über den Istzustand gesprochen. Einerseits stand das bekannte Gute, wie die vielfachen und sehr intensiven Bemühungen der Prüfstellen und verantwortungsbewußter Hersteller um die Sicherheit, im Mittelpunkt (Tafel ). Andererseits wurde aber über die Anzeichen einer Negativentwicklung bei der Produktqualität, z. B. über schlechte Prüfergebnisse und die steigende Zahl der Rückrufaktionen (Bild ), sowie die unzureichende Marktkontrolle nicht gesprochen. Und dann standen - man möge mir die Deutlichkeit entschuldigen - die angesichts leerer Kassen doch nur frommen Wünsche über das Aufstocken der Produkt-Kontrollinstanzen in Brüssel, Berlin, in den Bundesländern, den Institutionen der Industrie usw. immer wieder im Raum. Konkrete Möglichkeiten ihrer Umsetzung wurden allerdings nicht dargelegt. Das eigentliche Thema des Sicherheitsforums - der Handel als ein Teil der Qualitätskette (Tafel ) - wurde wegen Abwesenheit der Zuständigen nicht berührt. Auch die Möglichkeiten, Rechte und Pflichten der Endverbraucher als eigentlich wirksamste Kontrollinstanz wurden nicht angesprochen Nein, bei allen erfreulichen Ergebnissen eines Zusammentreffens von Fachleuten, insgesamt hat mich dieses VDE-Sicherheitsforum nicht befriedigen können. Deutliche Worte in Richtung Handel fehlten mir. Die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmer blieben ungenutzt. Und vor allem, nirgendwo war deutlich zu hören, was eigentlich vom Handel erwartet wird. Selbst Kritik an der Elektrofachpresse hätte ich mir gewünscht. Sind denn alle mit den Publikationen zufrieden? Kommt bei den Fachleuten der unteren Ebenen alles richtig und deutlich genug an, was sie wissen müssen und umsetzen sollten? Was ist noch berichtenswert? Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung bemüht sich, die Kräfte aller an der Produktqualität Interessierten, vor allem der Industrie, der Prüfstellen usw., im Sinne einer besseren Marktaufsicht zu koordinieren. Außerdem wurde darüber informiert, dass in der EU ernsthafte Anstrengungen zur Aufwertung der CE-Kennzeichnung existieren. Seine bisherige Bedeutung beschreibt folgender Auszug: „Das auf einem Erzeugnis angebrachte CE-Zeichen gibt an, dass dieses Erzeugnis den einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften zur technischen Harmonisierung entspricht. ... ... darf an diesem Erzeugnis das CE-Zeichen nur angebracht werden, wenn es den Anforderungen aller einschlägigen Richtlinien entspricht, denen das Produkt unterliegt“ [1]. Ob nun dazu schärfere Prüfanforderungen o. ä. ergänzt werden, ist abzuwarten. Derzeit bleibt es jedenfalls weiterhin bei der Empfehlung an die Errichter elektrischer Anlagen, nicht nur auf das Vorhandensein der CE-Kennzeichnung zu achten, sondern möglichst Erzeugnisse mit einem VDE-Prüf- oder GS-Sicherheitszeichen zu bevorzugen. Besorgniserregend waren die Prüfergebnisse des Quelle-Instituts für Warenprüfung sowie der Stiftung Warentest. Zu viele negative Ergebnisse und wenig Erfreuliches über unsichere Billiggeräte kennzeichneten die Informationen. Dazu kommen Geräte, deren ausländische Prüfzeichen nicht die Wertigkeit des VDE-Prüfzeichens besitzen. Außerdem wurde festge-Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 350 Report Meinung Der Handel im Spannungsfeld der Elektrosicherheit Wieder hatte der VDE zum Sicherheitsforum 1999 nach Frankfurt/Main eingeladen. Wieder ging es bei diesem vom VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach getragenen Zusammentreffen um die Sicherheit als einer gesellschaftspolitischen Aufgabe. Im Jahr 1998 standen die Bemühungen um „Produktsicherheit und Produkthaftung“ im Mittelpunkt (ep 2/99). Diesmal wurde gefragt, wie der Handel Einfluss auf die Sicherheit der Anwender von elektrischen Produkten nimmt. Tafel Themen des Forums 1999 (s. Tagungsband) · Sicherheit eine gesellschaftspolitische Aufgabe · Stellenwert der Sicherheitsprüfungen · Verantwortung für fehlerhafte Produkte · Internationaler Service des VDE-Prüfinstitutes · Forderung des Elektrohandwerks an die Hersteller von Installationsmaterial · Unternehmensstrategie für die Sicherheit · Erfahrungen der Versicherungen · Ergebnisse aus Sicherheitstests · Produktkontrollen auf den Märkten in der EU Tafel Aufgaben der Elektrofachkräfte zum Sichern der Produktqualität [2] · einwandfreie Sicherheits- und Qualitätsaussagen zu seinem Produkt durch den Hersteller und * Bestätigung dieser Aussagen durch kompetente neutrale Prüf- und Zertifizierungsorganisationen und * Kontrollen der in den Verkehr kommenden Erzeugnisse bezüglich ihrer sicherheitsgerechten Kennzeichnung sowie Kontrollen der Firmen, die diese Erzeugnisse in den Verkehr bringen bezüglich ihrer Kompetenz und Seriosität durch den Fachhandel und * Kontrollen vor allem auch an den Stellen, wo erfahrungsgemäß das Geschäftsinteresse gegenüber der Sicherheitsverantwortung überwiegt durch die dafür benannten Kontrollinstitutionen und * Anwendung ausschließlich entsprechend gekennzeichneter Erzeugnisse vertrauenswürdiger Hersteller beim Errichten und Betreiben der Anlagen durch die Elektrofachkräfte des Errichtens und Betreibens und * umfassende Information der Nichtfachleute ihres Arbeits- und Einzugsgebietes über die Bedeutung der CE-Kennzeichnung und des VDE-Prüfzeichens durch die Elektrofachbetriebe und jede einzelne Elektrofachkraft. stellt, dass deren GS-Zeichen unrechtmäßig aufgebracht oder scheinbar nach einer etwas abgespeckten Prüfung erteilt wurden. Nun sind solche gefährlichen Defizite nicht bei der Mehrzahl der Geräte anzutreffen. Erfreulicherweise legen die Prüfstellen der Versandhäuser strenge Maßstäbe an. Gleiches gilt für das VDE-Prüfinstitut und die Mehrzahl der Hersteller. Aber, es ist nicht zu übersehen, jeder der über die Anschaffung von Geräten zu entscheiden hat, sollte, nein muss immer auch seine eigenen Erfahrungen und das Wissen um diese Mängel mit als Maßstab benutzen. Billig muss nicht zuverlässig und sicher sein. Produkte unbekannter Hersteller sind kritisch zu betrachten. Dass die Anzahl der Produktrückrufe zunimmt (Bild ), verantworten nicht nur technische Mängel. Vor allem scheinen sie eine Folge krimineller Machenschaften unterschiedlichster Art zu sein. Für den Anlagenerrichter führen derartige Aktionen ggf. zu ernsthaften „wirtschaftlichen“ Folgen. Über diese Sachverhalte einschließlich der Möglichkeiten zu ihrer Abwehr äußerte sich ein Vortrag ausführlich. Erfreulich war für mich, dass der Vertreter des ZVEH auf die daraus erwachsenden Probleme des Elektrohandwerks und die damit verbundenen Konsequenzen für den Endverbraucher der Geräte und die Nutzer der Elektroanlagen hinwies. Mängel in der Elektrosicherheit folgen aus · ungenügender Produktqualität · fehlender fachlicher Beratung des Käufers von Elektromaterial durch den oft nicht fachkundigen Verkäufer · Elektroinstallation durch Nichtfachleute und Billighandwerker. Zunehmend wird das Bemühen des Elektrohandwerks unterlaufen, seine Verantwortung für die Qualität der gesamten elektrischen Anlagen und die Fachberatung der Nutzer wahrzunehmen. Was mich außerdem nachdenklich stimmte, von den etwa 80 Teilnehmern kam wohl nicht einer aus den neuen Bundesländern. Warum? Kein Sicherheitsbewußtsein? Kein Geld für den Tagungsbesuch? Wer soll kontrollieren? Dieses VDE-Sicherheitsforum zeigte einmal mehr, wie umfassend und strapaziös die Aufgabe ist, für die Elektrosicherheit der Bürger eines Landes oder gar der EU zu sorgen. Vor der Größe dieser Aufgabe nahmen sich die erkennbaren Bemühungen bescheiden aus. Es bleibt nur die Möglichkeit, die Marktüberwachung zu verschärfen. Das Bemühen um die Sicherheitsinteressen der Verbraucher sowie den Schutz der Arbeitnehmer und Unternehmer vor unlauterem Wettbewerb ist besser zu organisieren. In Deutschland sind einige 100.000 Elektrofachleute täglich „am Markt“ unterwegs. Wer, wenn nicht sie, besitzt das Wissen, unsichere Produkte zu erkennen. Nur diese Mitarbeiter können mit Nachdruck für das fachgerechte Prüfen an den richtigen Stellen sorgen. In der Elektrotechnik kann natürlich vorbeugend noch allerhand getan werden [3]. Vielleicht kann das „Warum“ und das „Wie“ der notwendigen Kontrollen und die Beachtung der geschilderten Einflüsse auf die Sicherheit des Endverbrauchers ein Thema eines weiteren VDE-Sicherheitsforums werden? Literatur [1] Norbert Barz: EG-Niederspannungsrichtlinie, VDE Schriftenreihe 69. VDE-Verlag GMBH, Berlin Offenbach [2] Bernd Michael Franke: Prüfzeichen bestätigen Produktsicherheit, Jahrbuch Chancen der Elektrobranche 1999. Verlag Technik Seite 612 K. Bödeker Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 4 351 Beispiel einer Rückrufaktion Möchten Sie sich zum Thema oder zu einem anderem Sicherheitsproblem äußern, schreiben Sie bitte an die Redaktion (s. Seite 301). IHRE MEINUNG

Autor
  • K. Bödeker
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