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Elektrotechnik
3. Forum Solarpraxis in Berlin
ep3/2003, 2 Seiten
Gesamtbranche vertreten Am 14. - 15. November 2002 trafen sich erneut Vertreter der in Deutschland aktiven Solarbranche, um mit Experten aus der Finanzwelt, aus Instituten und mit Politikern über Marketing, Qualität, Vertrieb, Finanzierung und erstmalig auch über Export zu sprechen (vgl. ep 3/02, S. 152-153). Organisiert wurde die Veranstaltung vom Solardienstleister Solarpraxis, unterstützt von der Deutschen Energie Agentur (dena), dem Bundesumweltamt (BUA), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Verband beratender Ingenieure und mehreren Solarverbänden. Politik als Wegbereiter Optimismus verbreitete C. Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), mit seinem Eröffnungsbeitrag zur weltweit gültigen These: „Politik - Schlüssel zum Solarmarkt“. Er sieht die junge Branche „auf dem richtigen Weg“, da die „Nachfrage nach Solartechnik in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen ist. Deutschland wurde als Produktionsstandort wieder interessant und die Preise sind deutlich gesunken“. Als Ursache der 2002 zurückgegangenen Nachfrage sieht er vor allem das insgesamt schwache Marktumfeld. Laut Körnig erwartet die Solarbranche auf Basis des rot-grünen Koalitionsvertrages und nach Fortschreibung des EEG allein für die nächsten 4 Jahre ein Marktvolumen von über 6 Mrd. . Zum Vergleich: Heute werden weltweit pro Jahr 2 Mrd. mit der PV und 3 Mrd. mit Solarwärme umgesetzt. Trotz der mit dem Übergang auf Produktionsautomation verbundenen Rationalisierung hält Körnig bei Fortsetzung des Aufschwungs bis 2010 eine Steigerung der Arbeitsplätze von derzeit 20000 auf 100000 für möglich. Nicht eingerechnet sind dabei mehrere 10000 Arbeitsplätze im Sanitär-, Elektro- und Heizungshandwerk. Nicht zuletzt die Flutkatastrophe an der Elbe hat den Ruf nach einer CO2-armen und damit für kommende Generationen nachhaltigen Stromversorgung verstärkt. Die rot-grüne Regierung und eine steigende Anzahl von Bürgern setzen trotz anhaltender Konjunkturkrise auf die Fortsetzung einer neuen Energiepolitik, die durch mehrere gesetzliche Regelungen festgeschrieben wurde. Wie die Koalitionspartner im Oktober verbindlich vereinbarten, ist die Weiterführung dieses Programms für die nächsten 4 Jahre auch finanziell gesichert. Allerdings knüpft die Regierung ihre Zielstellung, die Treibhausgase bis zum Jahr 2020 um 40 % zu senken, an den Vorbehalt, dass im Interesse einer globalen Reduzierung die EU-Länder sich zur 30-prozentigen Minderung verpflichten. Mehrere dieser Länder haben bereits im vergangenen Jahr ihre Anstrengungen erhöht, so dass die Experten trotz zeitweiser Umsatzrückgänge in den kommenden Jahren zweistellige Zuwachsraten erwarten. Auch die erheblichen Investitionen der Hersteller lassen darauf schließen. Solarmarketing für Architekten Der Einsatz von Solaranlagen setzt eine breite Akzeptanz bei allen Beteiligten voraus. Das gilt insbesondere für Architekten, die erst seit Verabschiedung der Energieeinsparverordnung (EnEV) vor einem Jahr auch für energetische Fragen Verantwortung tragen. Insbesondere bei der Integration von Solarstromanlagen in die Architektur gibt es seit Jahren Einwände, die ihre Anwendungsbreite behindern. Deshalb nahm sich die Solar-Akademie im Rahmen einer Podiumsveranstaltung dieser Thematik an. Nach Ansicht der Architekten und der beteiligten Unternehmen sind die Ursachen Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 3 Branche aktuell 3. Forum Solarpraxis in Berlin Wachstumsmarkt Solarenergie Photovoltaik (PV) und Solarthermie konnten 2002 nicht an das Wachstum vergangener Jahre anknüpfen, behaupteten aber ihre in den letzten Jahren errungene Marktposition. Die Branche erwartet mittelfristig eine Rückkehr auf den Wachstumspfad, den die Marktanreizprogramme mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) seit 1999 geschaffen haben. fehlendes Fachwissen (Gestalt, Funktion und Kosten des „Baumaterials Solarmodul“), wenig geeignete Berater und Vorurteile, die auf dem Wissensstand Anfang der 90er Jahre aufbauen. Kritisch wurde angemerkt, dass Standardmodule in Baunormabmessungen fehlen. Dass trotzdem bei abgestimmter Meinung zwischen Architekt, Bauherr und Energetiker (ggf. Elektriker) ansprechende Objekte realisierbar sind, verdeutlichten mehrere gezeigte Beispiele. Auch die Integration umwelttechnischer Problemkreise in die Ausbildung von Ingenieurstudenten des Bauwesens stimmt hoffnungsvoll. Dennoch dominiert auch heute die (architektonisch i. Allg. weniger anspruchsvolle) Dachmontage. Hinzugekommen sind 2001/2002 einige PV-Großanlagen auf Dächern bzw. auf der grünen Wiese. Finanziert werden sie z. B. durch Beteiligung von Bürgern (Mietern), die keine geeigneten Montageflächen besitzen. Eine der ersten Anlagen wurde auf den Münchner Messehallen errichtet (Bild ). Finanziert wurde der 5,5 Mio. teure Erweiterungsbau im Rahmen eines Bürger-Beteiligungsmodells. Die Investoren erhalten für jede in das Netz eingespeiste kWh 20 Jahre lang eine Einspeisevergütung von 48,1 Cent. Investitionen zur Stärkung der Wirtschaftskraft Die finanziell geförderte netzgekoppelte Photovoltaik zog in Deutschland seit 1999 Investitionen von über 1 Mrd. nach sich. Nach UVS-Recherchen zählen inzwischen zu den in der Bundesrepublik aktiven Solarunternehmen neben Konzernen wie Shell und RWE zahlreiche Mittelständler. Dazu gehören 9 Produzenten von Solarzellen, 22 Modulhersteller, 3 Fabrikanten von Siliziumwafern und 14 Fertigungsstätten von Solar-Wechselrichtern. Um 1995 gab es wegen unzureichender Marktperspektiven mehrere Produktionsverlagerungen von Solarunternehmen dieser Art in die USA, so dass der PV-Restbedarf importiert werden musste. Inzwischen sind neue Produktionsstätten soweit fertiggestellt und erprobt, dass 2003 der volle Bedarf in Deutschland abgedeckt werden kann. Um sie in Zukunft voll auslasten zu können und dadurch kostensenkend auch international wettbewerbsfähig zu werden, wurde zwischenzeitlich von der dena eine Exportinitiative eingeleitet. Ziel ist die Lieferung in ländliche Regionen der 3. Welt, in denen rund 2 Mrd. Menschen ohne Stromnetzanbindung sind. Langsames Wachstum Die steigenden Investitionen des vergangenen Jahres wurden von einer nachlassenden Nachfrage nach PV-Anlagen begleitet. Die Antragszahlen im 100000-Dächer-Programm lagen fast auf dem Niveau von 2001, die bewilligte Leistung erreichte dieses Niveau aber nicht. Laut G. Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Deutschen Fachverbandes Solarenergie (DFS) bezifferte die Solarbranche den Marktrückgang im November 2002 mit 20 bis 25 %. Der Markteinbruch im vergangenen Jahr wird von Stryi-Hipp als Gegenreaktion auf den rasanten Anstieg im Jahr 2001 bewertet, die durch die allgemeine Konjunkturschwäche noch verstärkt wurde. Tatsächlich wuchs die netzgekoppelte PV-Leistung von rund 40 MW im Jahr 2000 auf knapp 80 MW im Jahr 2001. Die zum Forum vorgelegten Oktoberergebnisse 2002 lagen bei 60 MW. Die logische Konsequenz des Marktrückgangs sind laut Stryi-Hipp um 10-15 % niedrigere Preise. Damit reduziert sich der Gewinn der häufig jungen Unternehmen und vielfach verschiebt sich auch der Zeitpunkt, ab dem schwarze Zahlen geschrieben werden können. Auch die Einspeisevergütung ändert sich. In Übereinstimmung mit dem EEG reduziert sich 2003 der Wert von 48,1 auf 45,7 Cent/kWh. Da das 100000-Dächer-Programm in diesem Jahr ausläuft, sollen in diesem Frühjahr für den Zeitraum ab 2004 neue Vergütungssätze ermittelt und in der bevorstehenden Novellierung des EEG festgeschrieben werden. Bei diesen und den übrigen gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten sind 2003 neue Spitzenwerte auszuschließen, aber ein langsames Wachstum wird bei Erfüllung verschiedener Rahmenbedingungen erwartet. Da das Vorjahresergebnis immerhin noch das Zweitbeste der Vergangenheit ist, bleibt die Photovoltaik weiterhin eine Wachstumsbranche - auch und nicht zuletzt für das Elektrohandwerk. Markteinbruch auch bei solarthermischen Anlagen Nach Analyse von Stryi-Hipp war das vergangene Jahr für die Solarthermie-Branche in Deutschland das seit Mitte der 80er Jahre schwerste. Dennoch scheinen die Chancen für ein neues Wachstum ab 2003 größer zu sein als bei PV-Anlagen. Dafür spricht u. a. die im rot-grünen Koalitionsvertrag festgeschriebene Verdopplung der installierten Kollektorfläche von 5 auf 10 Mio. m2 bis 2006. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein durchschnittliches Wachstum von 35 % pro Jahr notwendig - der gleiche Durchschnittswert, mit dem die installierte Kollektorfläche von 1990 bis 2001 jährlich gesteigert wurde. Basis für ein dauerhaftes Wachstum dieser Größe ist ein Vertriebssystem, das dem der PV in seiner Wirksamkeit überlegen ist. Es stützt sich zu wesentlichen Teilen auf Heizungsbauer und auf Gas-Wasser-Installateure. Nicht weniger wichtig ist für die Solarthermie-Branche das Marketing der Hersteller von Kombigeräten zur Heizung und/oder zur Warmwasserbereitung. Werbeträger für Solarwärme sind schließlich die Gas- und Stromversorger, die gleichzeitig mit kostengünstigen Angeboten ihren Absatz steigern wollen. Chancen für das Elektrohandwerk Solarthermie ist - wie der Beitrag von B. Deckert und J. Tonnellier vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und informationstechnischen Handwerke (ZVEH) zeigte - auch für Elektriker kein Tabuthema. Durch die Abhängigkeit von einer zuverlässigen Stromversorgung - ggf. sogar ausschließlich mit Solarstrom - und durch die Verknüpfungen mit der gebäudeintegrierten Energieversorgung und der Kommunikationstechnik besteht für Elektriker ein wichtiges Geschäftsfeld (vgl. ep 6/01, S. 470-472). Am deutlichsten wird dieser Zusammenhang, wenn das Gebäude gleichzeitig Solarkollektoren und PV-Module trägt (Bild ). Deckert und Tonnellier empfahlen in diesem Zusammenhang, das vom ZVEH entwickelte Weiterbildungsangebot und die zugehörige Marktstrategie, die schrittweise zum „Fachbetrieb Gebäudetechnik“ führt. Ziel ist die weitergehende Erschließung des Marktes der Energiespartechnologien. Das bedeutet für das Handwerk in erster Linie, Grundkenntnisse über die wichtigsten Erneuerbaren Energien zur Strom- und Wärmeversorgung sowie über energieeffiziente Verbraucher zu erwerben. Auf dem Weg zum „Energiesparhandwerk“ lief 2002 eine erste Aktion zum Thema Energiesparen/ Energieeffizienz. Landesverbände, Innungen, Betriebe, Elektroindustrie und ZVEH wollen diese unter dem Logo „E-Check-Energiespartage“ durchgeführten Veranstaltungen im Herbst fortsetzen. H. Kabisch Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 3 166 Branche aktuell Die 1-MW-PV-Anlage auf den Münchner Messehallen wurde 2002 um 1,1 MW vergrößert Quelle: Berlin Impuls Solardach mit Solar-Kollektoren (hellblau) und Photovoltaik-Modulen (dunkelblau) Quelle: Schüco
Autor
- H. Kabisch
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