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Elektrotechnik

11. Verbandstag des LIV Sachsen - Sachsens Elektrohandwerker feierten ihr 10-jähriges Verbandsjubiläum

ep7/2000, 2 Seiten

Bautzen, die fast 1000-jährige Stadt war am 5. und 6. Mai der Tagungsort des 11. Verbandstages des Fachverbandes für Elektro- und Informationstechnik Sachsen. Für die Handwerkerorganisation jährte sich in diesen Tagen zum zehnten Mal seine Entstehung. Ihre Geburtstunde war am 17. Mai 1990 in Dresden. Einer der ersten Verbände dieser Art in den neuen Bundesländern ist damals gegründet worden und in den ZVEH eingetreten. Das Jubiläum gab sowohl Anlass, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, als auch in die Zukunft zu blicken.


Das sächsische Bläserquintett bildete den dem Ereignis angemessenen, festlichen Rahmen in der Heimatregion Güttlers. Grüße übermittelten der Vizepräsident des ZVEH, Hans-Dieter Lange, sowie der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Bernd Brendle. Lange (Thüringen) erinnerte wegen des Anlasses noch einmal an die schlimmen DDR-Zeiten und an die euphorische Aufbruchstimmung in der Wendezeit. Er betonte, dass die sächsische Berufsfachorganisation die Zeichen der Zeit erkannte. Liebgewordene Gewohnheiten werden verlassen, herkömmliche Verhaltensweisen auf den Prüfstand gestellt. Brendle verwies mit Recht unter Bezug auf die aktuelle Aussage von „Creditreform“ auf die gegenüber 1990 weitaus verbesserte Situation des Handwerks in Deutschland. Leider musste auch er, wie es übrigens ausnahmslos auf allen anderen ostdeutschen Verbandstagen deutlich wurde, die Ost-West-Unterschiede einräumen (Tafel ). Noch profitiert der Osten von dem Konjunkturaufschwung nämlich nicht. Sein kritischer Hinweis auf den häufig zu beobachtenden, kontraproduktiven Streit zwischen allen Gliederungen im Handwerksbereich ist zweifellos ernst zu nehmen. Das gilt genauso für seinen Appell, den zahlenmäßig hohen Verbandsaustritt nicht nur zu beklagen, gar lautstark zu verurteilen. An die Stelle solchen Verhaltens muss insbesondere die persönliche, überzeugende Werbung treten, die vor allem bei jungen Handwerksunternehmern notwendig und erfolgsträchtig ist. Fast zur Regel auf solch politisch und wirtschaftlich wichtigen Veranstaltungen wird die Absage. So ließen sich leider auch in Bautzen wichtige Redner entschuldigen. Die aktuelle Situation im sächsischen Elektrohandwerk Der Vorsitzende des Fach- und Arbeitgeberverbandes Frank Herrmann (Bild ) erinnert gleichfalls an den Gründungszeitraum. Alle handwerklichen Unternehmer investierten damals intensiv und nutzten die Gunst der Stunde. Aber bereits Mitte der 90iger mussten die „Neuen“ erkennen, dass die stabile Konjunktur in der Marktwirtschaft keinesfalls selbstvertändlich ist. Sie unterliegt trotz anders lautender, „blühender“ Prophezeiungen mancher Politiker großen Schwankungen. Zudem war die Blütezeit zu kurz, um für die Rezession Rücklagen zu bilden und vor allem die Notwendigkeit solchen Verhaltens zu erlernen. So bietet sich im Vergleich zu den Anfangsjahren jetzt in Sachsen folgendes Bild: · Verminderung der ohnehin sehr niedrigen Auftragsreichweite um weitere ca. 10 % · geringfügige Zunahme des Umsatzes pro Mitarbeiter · deutlich schlechtere Beurteilung der zukünftigen Auftragslage durch die Mitglieder · Zunahme der Handwerksbetriebe um mehr als 25 % bei gleichzeitigem Absinken des Organisationsgrades um etwa gleiche Prozentpunkte. Und am kritischsten scheint zu sein, dass trotz der zurückgefahrenen Betriebsgrößen und der reduzierten Zahl der Arbeitsplätze um ungefähr 5000 weiterhin eine Überkapazität handwerklicher Leistungen von 20 % besteht. Andererseits suchen viele der industrienah tätigen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter, die der Arbeitsmarkt leider nicht hergibt. Heißt das etwa, dass auch handwerkliche „Green Cards“ eingeführt werden müssen? Eine andere Problemzone sieht der Verband in der gegenüber Personengesellschaften unfreundlichen Steuerpolitik. Unternehmer, die den Motor der Wirtschaft bilden, müssen genauso behandelt werden wie Kapitalgesellschaften. Veräußerungsgewinne von Handwerkern sind steuerlich ebenfalls zu entlasten, um konjunkturfördernd zu wirken. Die Unzufriedenheit mit dem ab 1.5.2000 gültigen Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen ist besonders deshalb groß, weil die Organisation ihren eingereichten Gesetzesentwurf nicht wiedererkennt. Trotzdem betrachtet der Verband natürlich die Initiative als Schritt in die richtige Richtung. Beklagt wurde darüber hinaus der wachsende gewerkschaftliche Einfluss. Die Ausweitung der Mitbestimmung trägt wohl nicht zum notwendigen Senken der Lohnnebenkosten bei. An dieser Stelle muss aber gesagt werden, dass ihre Höhe auch von Arbeitsorganisation und -produktivität beeinflusst Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 7 568 Branche aktuell 11. Verbandstag des LIV Sachsen Sachsens Elektrohandwerker feierten ihr 10jähriges Verbandsjubiläum Bautzen, die fast 1000-jährige Stadt (Bild ), war am 5. und 6. Mai der Tagungsort des 11. Verbandstages des Fachverbandes für Elektro- und Informationstechnik Sachsen. Für die Handwerkerorganisation jährte sich in diesen Tagen zum zehnten Mal seine Entstehung. Ihre Geburtstunde war am 17. Mai 1990 in Dresden. Einer der ersten Verbände dieser Art in den neuen Bundesländern ist damals gegründet worden und in den ZVEH eingetreten. Das Jubiläum gab sowohl Anlass, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, als auch in die Zukunft zu blicken. Tafel Die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung zwischen Ost und West spiegelt sich auch in den Ecklöhnen/DM der Bundesländer wieder (Quelle: Jahresbericht LIV Sachsen) Bayern 24,13 Baden-Württemberg 23,00 Hamburg 21,66 Nordrhein-Westfalen 22,61 Hessen 21,26 Rheinland-Pfalz 21,07 Schleswig-Holstein 20,96 Bremen 20,92 Niedersachsen 20,82 Saarland 19,10 Berlin 18,24 Brandenburg 16,24 Thüringen 15,75 Sachsen-Anhalt 15,64 Sachsen 15,32 Mecklenburg-Vorpommern 14,76 Bautzen - Teil des mittelalterlichen Stadtkerns Frank Herrrman bei seiner Festrede in Bautzen Geschäftsführer Franke des EBZ Dresden erläutert das Ausbildungskonzept Gebäudetechnik Elektropraktiker, Berlin 54 (2000) 7 Branche aktuell wird. Und daran ist der Unternehmer entscheidend beteiligt. Selbstverständlich sind in Sachsens Elektrohandwerk diese Probleme lösbar. Das machte Herrmann mit seinem optimistischen Ausblick deutlich. Ohne weitere strukturelle Änderungen, die konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Weges zu neuen Geschäftsfeldern sowie die Ausbildungsinitiative wird es allerdings nicht gehen. Vielleicht muss sogar der Leidensdruck teilweise noch erhöht werden? Die Marktendenzen werden konsequent umgesetzt Wie die Veränderungen des Marktes hinsichtlich Gebäude-und Informationstechnik, E-CHECK/Service, Nutzung des Internets u.a. und beim Verhalten gegenüber dem Kunden umgesetzt werden, machte der Geschäftsführer des Verbandes, Detlef Köhler, deutlich. Und der Schwerpunkt liegt eben im Bereich der Gebäudetechnik. Dieses neue,handwerkliche Produktwird künftig unter dem Namen IN-TRATEC® am Markt platziert. Auf der Grundlage des Strategiehandbuchs des ZVEH stellte das ELEKTRO-BILDUNGSZEN-TRUM e. V. Dresden, der Dienstleister mit Bildungs-, Informations- und Beratungskompetenz, ein bereits wirksames, modulares Aus- und Weiterbildungsprogramm vor (Bild ). Darüber hinaus bietet das EBZ Lehrgänge zu Brandschutz und Sicherheitstechnik, zu Solarthermie und Photovoltaik sowie zum Energiespar-und E-CHECK. Alle Angebote stehen gleichfalls anderen Landesverbänden wie Thüringen und Berlin/Brandenburg zur Verfügung. Dieser richtige Weg kann bestimmt mithelfen, das Defizit an qualifizierten Mitarbeitern zu beheben und den sinkenden Lehrlingszahlen (50 % gegenüber 1996) entgegenzuwirken. Nur so lassen sich die gewachsenen Aufgaben am Markt gegenüber einem anspruchsvolleren Kunden mit Erfolg beherrschen. Die kooperative Zusammenarbeit bei Aus- und Weiterbildung, z. B. mit dem Landeskriminalamt Dresden (LKA), der Drewag, machte Franke mit dem Programm des für den 23.6.2000 vorgesehenen Sommerfestes seines Hauses deutlich. Natürlich wurde in diesem Zusammenhang auch das Facility Management diskutiert. Modelle wie die HFM AG stoßen dabei in Sachsen auf sehr große Skepsis. Ein solches Gebilde ist aus Sicht dessächsischen Verbandes(Kuhn, Pohnert) nicht praktikabel. Mittelstand in Deutschland - Zukunftschancen für das Handwerk Zu diesem Thema referierte der wegen der erwähnten Absagen kurzfristig eingesprungene Unternehmensberater Franz Xaver Ortlieb. Er stellte die Entwicklung des Handwerks in den Zusammenhang mit den Prognosen der führenden Deutschen Wirtschaftsinstitute, der momentanen Schwäche des EURO und des jüngsten Urteils des BGH1 ) zur Wirksamkeit des Meisterbriefes. Auch er kam zu dem Schluss, das der gegenwärtig zu beobachtende, vorzugsweise exportgetriebene, wirtschaftliche Aufschwung in Verbindung mit einer strukturellen Anpassung frühestens 2001/ 2002 im Handwerk der Neuen Bundesländern ankommt. Interessant war für den Außenstehenden sein Wunsch nach stärkerem Engagement der Verbände für die Interessen ihrer Mitglieder. Insgesamt machte der Tag deutlich, dass Sachsens Elektrohandwerk alle Voraussetzungen besitzt und den richtigen Weg beschreitet, die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Umfassende und übersichtliche Auskunft darüber gibt der Jahresbericht des Fachverbandes für Elektro- und Informationstechnik Sachsen. Darin fand auch die ehrenamtliche Tätigkeit die ihr gebührende Erwähnung. Das wichtige Ehrenamt kam aus Sicht des Berichters auf dem Verbandstag zu kurz. J. Krause ) Ein Nicht-Meister hatte nicht nur elektrische Geräte verkauft, sondern auch Reparaturen durchgeführt. Wegen der Kollission mit der Handwerksordnung wurde er in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Einspruch des Verklagten führte zur Verhandlung vor dem BGH. Das höchstrichterliche Urteil interpretierte die Pressestelle des ZDH als Bestätigung des großen Befähigungsnachweises. Die Süddeutsche Zeitung v. 5. Mai 2000 erkannte dagegen aus dem Urteil, dass der Meisterbrief eine empfindliche Einschränkung der Berufsfreiheit bedeutet. Deshalb pochen die Karlsruher Richter wohl auf seine großzügige Interpretation. Damit wird das Urteil scheinbar jedem gerecht.

Autor
  • J. Krause
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