Installationsverteiler in Schutzklasse I oder II im privaten Bereich

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In einer Dachgeschosswohnung sollen Smarthome und der Installationskleinverteiler (Wohnungsverteiler) in einem Gehäuse realisiert werden. Kann ein Feldverteiler mit der Schutzklasse I für den Einbau in der Hohlwand eingesetzt werden? Dürfen Installationsverteiler generell mit Schutzklasse I im privaten Bereich eingesetzt werden? Das Gehäuse besteht komplett aus verzinktem Stahl. Müssen hier RCDs im Zählerschrank (SK II) vorgesehen werden oder reicht es, im Zählerschrank (SK II) Sicherungen zu setzen und mehrere RCDs im Wohnungsverteiler SK II vorzusehen?

Vorweg. In den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) gibt es hierzu keine Festlegungen. Regelungen hierzu gibt es in den Technischen Anschlussbedingungen TAB [1] bzw. in DIN 18015-1 [2] (sofern diese DIN vereinbart wurde). In der TAB [1] ist im Abschnitt 8 folgendes festgelegt: „(1) Für Stromkreisverteiler gelten DIN VDE 0603-1, DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504) und DIN 43871. Für Stromkreisverteiler in Wohngebäuden gilt außerdem DIN 18015-2.“

Von DIN 18015-2 [3] ist damit verpflichtend der Abschnitt 4.5.1, wo folgendes festgelegt ist: „In Stromkreisverteilern sind Reserveplätze vorzusehen. Bei Einraumwohnungen sind dazu mindestens dreireihige Stromkreisverteiler, bei Mehrraumwohnungen mindestens vierreihige Stromkreisverteiler zu installieren.“

Entsprechend dieser Festlegung in der TAB wären sowohl Verteiler der Schutzklasse I oder auch solche der Schutzklasse II zulässig, z. B. solche nach DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504):2002-05 [4], wobei diese Norm durch DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3) [5] ersetzt wurde. Aber auch Verteiler der Schutzklasse II nach DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [6] wären anwendbar. Für Verteilerfelder (Stromkreisverteiler) nach DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [6] ist die Schutzklasse II vorgegeben.

Allgemein werden aber im Wohnungsbau nur Wohnungsverteiler der Schutzklasse II nach DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [6] angewendet. Dies beruht unter anderem auch auf der Verlautbarung [7], auf der DKE-Homepage, die hier auszugsweise wiedergegeben ist. Unter Verteilungsstromkreise in Gebäuden heißt es: „Für Verteilungsstromkreise, die Bestandteil eines Hauptstromversorgungssystems nach DIN 18015-1 sind, sowie Verteilungsstromkreise, die an einer Unterverteilung enden, darf die Schutzmaßnahme „Doppelte oder verstärkte Isolierung“ nach 412 angewendet werden, wenn am Anfang des zu schützenden Leitungsabschnittes eine Überstrom-Schutzeinrichtung vorhanden ist, und wenn im Fall eines Kurzschlusses mindestens der Strom zum Fließen kommt, der eine Auslösung der Schutzeinrichtung unter den in der Gerätebestimmung für den Überlastbereich festgelegten Bedingungen (großer Prüfstrom) bewirkt.

Diese Schutzmaßnahme darf in den aufgeführten Verteilungsstromkreisen nicht angewendet werden, wenn davon auszugehen ist, dass ein Anwender ohne Berechtigung gemäß NAV §13 Betriebsmittel oder Teile von Betriebsmitteln der Schutzklasse II durch solche der Schutzklasse I ersetzen kann und damit die Wirksamkeit dieser Maßnahme aufgehoben wird.

Diese Schutzmaßnahme darf ebenfalls nicht alleine angewendet werden für Endstromkreise, die fest angeschlossene elektrische Verbrauchsmittel oder Steckdosen enthalten.

Die in 412.1.3 geforderte wirksame Überwachung für Stromkreise oder Teile der elektrischen Anlage im normalen Betrieb darf unter den oben genannten Voraussetzungen als erfüllt angesehen werden.

Die vorgenannten Erläuterungen schließen nicht die Notwendigkeit aus, die Stromversorgung aus anderen Gründen abzuschalten, z. B. aus Gründen des Brandschutzes, der thermischen Überbeanspruchung eines Betriebsmittels usw.“

Diese Festlegung wurde insbesondere für das TT-System getroffen, damit nicht am Zählerplatz eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) für den Fehlerschutz für die Verbindung zum Wohnungsverteiler und für den Wohnungsverteiler selbst, notwendig wird.

Fazit. Wenn der Anfragende, für den Wohnungsverteiler der Schutzklasse I, den Fehlerschutz erfüllen kann (z. B. im TN-System ggf. mit Sicherungen, im TT-System wird dann aber eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) notwendig werden ggf. eine vom Typ S), dann gibt es aus meiner Sicht keine Einwände gegen einen Verteiler der Schutzklasse I.


Literatur:

[1] Technische Anschlussbedingungen TAB 2007 für den Anschluss an das Niederspannungsnetz Stand: Juli 2007, Ausgabe 2011; BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
[2] DIN 18015-1:2013-09 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 1: Planungsgrundlagen.
[3] DIN 18015-2:2010-11 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 2: Art und Umfang der Mindestausstattung.
[4] DIN EN 60439-3 (VDE 0660-504):2002-05 (ungültig) Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Besondere Anforderungen an Niederspannung-Schaltgerätekombinationen, zu deren Bedienung Laien Zutritt haben – Installationsverteiler.
[5] DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3):2013-02 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 3: Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien (DBO).
[6] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):2017-06 Zählerplätze – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.
[7] Verlautbarung zu DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 vom 22.05.2012; DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE.

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